Die Oculus und ich


Virtual Reality ist der nächste große Scheiß. Zumindest wenn man Sony und Oculus VR glauben schenken will. Erst kürzlich hat Facebook für Oculus VR zwei Milliarden Dollar hingeblättert. Ich konnte das Ding jetzt zum ersten Mal selbst testen.

Es kribbelte schon ein bisschen, als mir die Oculus-Brille aufgesetzt wurde. Ich war unfassbar gespannt darauf, wie es sich wohl anfühlen würde, nicht nur ein Videospiel zu spielen, sondern komplett darin zu versinken. Im ersten Moment war es dann eher der Gedanke: “Cool.” Das Spiel war ein tooniges Jump’n’Run.

Felix Oculus

Konzentriert bei der “Arbeit”

Ich konnte mich immerhin gut in der Welt umschauen und wenn ich auf Toon-Grafik stehen würde, dann hätte ich es auch sehr geil gefunden. So fand ich es dann erst mal nur noch nett. Geflasht war ich also nicht.

Aber auch bei dieser Cartoon-Grafik war der 3D-Effekt echt beeindruckend. Es gab eine Stelle an der Fische auf mich zuflogen. Gerade so konnte ich noch dem Reflex widerstehen den fischigen Geschossen auszuweichen.

Jetzt kommt das große Aber: Für diese Art von Spiel erscheint mir die Oculus Rift nicht so wirklich gut geeignet, denn ich habe nicht aus der Sicht der Figur gespielt, sondern war sozusagen die Kamera. Dadurch konnte ich in eine ganz andere Richtung schauen, als meine Figur lief und “ich” bewegte mich dadurch, seitlich, vorwärts, rückwärts – und das nicht unbedingt immer mit der Figur. Nach einiger Zeit, machte sich dann auch eine Art einsetzende Seekrankheit bemerkbar.

Immerhin war das Spiel kurz und es blieb beim Anfang des Schlechtwerdens. Nachdem ich die Brille dann absetzte, war erst einmal eine kurze Orientierungslosigkeit die Folge. Denn die Brille und das Headset schotten den Spieler komplett von der Außenwelt ab. Man fühlt sich danach wieder wie in eine andere Dimension versetzt. Aber auch das ging glücklicherweise schnell vorüber.

Also ran an das zweite Spiel. Endlich eines, für das die Oculus wie gemacht erscheint: First-Person-View. Es war übrigens eines dieser miesen Indiegames, die auch der geübteste Zocker erst auf den zehnten Anlauf schafft. Ich hatte zwar mehrere Versuche, aber trotz allem bin ich nicht durchgekommen. Denn auf mich wurde geschossen. Unbewaffnet musste ich durch den Kugelhagel zu einer Waffe rennen und zurück schießen.

Sehr cool daran, mir pfiffen die Schüsse quasi wirklich um die Ohren und hier konnte ich es dann nicht mehr vermeiden meinen Kopf auch einmal zur Seite zu bewegen. Immerhin hat es geholfen. Vermutlich sieht es unfassbar dämlich aus für diejenigen, die daneben stehen. Aber da ich komplett in der Welt die, die Oculus VR generierte, versank, habe ich meine Umgebung ohnehin ausgeblendet.

Bei diesem Spiel ging es mir danach auch gut. Ich war zwar trotzdem kurz orientierungslos am Ende, aber zumindest blieb jeder Ansatz von Übelkeit aus.

Noch steckt die Oculus in den Kinderschuhen und die Spiele sind auch noch nicht wirklich hochauflösend, wie man es sich für eine Virtual Reality wünscht. Aber was nicht ist kann ja noch werden. Abgesehen von Spielen aus der First-Person-Sicht ist die Virtual Reality meiner Meinung nach aber nicht besonders gut für Rollenspiele geeignet. Wir behalten das Ding aber auf jeden Fall weiter im Blick.

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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