Komm’ hol die Karten raus – wir spielen Cowboy und Indianer


Es ist schon nicht leicht Sheriff im wilden Westen zu sein. Jeder will einem ans Leder, andauernd fallen Indianer über die Stadt her und dann ist da auch noch diese Tonne Dynamit, die durch die Straßen rollt… Es gibt immer was zu tun -also packen wir es an.

Wer hat als Kind nicht gerne Cowboy und Indianer gespielt? Okay, zugegeben, mein Lieblingsspiel war das nicht wirklich, aber das macht nichts. Dafür war ich aber umso erstaunter, wie sehr mich das Kartenspiel Bang!, das genau dieses Thema aufgreift, von der ersten Minute an mitgerissen hat. Denn das Erfolgsgeheimnis dieses Kartenspiels liegt nicht alleine im Szenario, sondern vielmehr an dem einzigartigen Spielsystem. Dieses hat laut Verpackungsaufschrift schon über 500.000 Menschen begeistert und sich damit sogar einen Eigennamen verschafft. So findet sich mittlerweile ein weiteres Spiel namens Samurai Sword, das mit dem Slogan “mit dem berühmten Bang! Spielsystem” angepriesen wird.

Aber genug gelabert. Ab in den Sattel und losgeritten.

Von Shady Ladies and Outlaw Gentlemen

Box_Klein

Das Spiel Bang! ist bereits 2005 bei Abacus Spiele in Deutschland erschienen. Autor ist der italienische Spiele-Erfinder Emiliano Sciarra, der damit ein Spiel im Italo-Western-Stil erschaffen hat.

Im Grunde ist Bang! ein Rollenspiel. Jeder Mitspieler erhält eine mehr oder weniger geheime Identität. Zu Beginn des Spiels werden daher erstmal verdeckt die Rollenkarten verteilt. Es wird immer mit mindestens vier Personen gespielt, die dabei zu verteilenden Rollen sind: Der Sheriff, die Gesetzlosen, die Hilfs-Sheriffs und der Abtrünnige. Bei vier Personen gibt es den Sheriff, zwei Gesetzlose und den Abtrünnigen. Kommen mehr Spieler hinzu, werden entsprechend auf beiden Seiten (gut und böse, muss ich das noch erwähnen?) Rollen ergänzt. Diese bleiben, wie bereits gesagt, geheim. Nur der Sheriff gibt sich zu Beginn des Spiels offen zu erkennen und fristet von da an ein Dasein als lebende Zielscheibe.

Denn jede Rolle verfolgt ein eigenes Ziel, um das Spiel zu gewinnen. Der Sheriff möchte alle Bösewichte ausschalten, die Gesetzlosen den Sheriff und der Abtrünnige möchte beide Seiten platt machen, um als allerletzter am Leben zu bleiben. Hier zeigt sich auch, wieso die Rollen geheim sind. Der Abtrünnige spielt nicht automatisch auf Seiten der Gesetzlosen mit, da er sonst Gefahr läuft, dass der Sheriff stirbt und die Gesetzlosen gewinnen – er selbst würde also verlieren. Stellt er sich gleich auf Seiten des Sheriffs, hat er die Gesetzlosen (die auch noch in der Überzahl sind) gegen sich und verliert eventuell ebenfalls.

Noch verwirrender wird es, wenn ab fünf Spieler auch noch ein Hilfs-Sheriff dazu kommt und geheim auf Seiten des Sheriffs spielt – möglichst ohne selbst zur Zielscheibe zu werden. Als ich die Regeln zum “Rollenspiel” zum ersten Mal gelesen habe, war ich mir nicht so sicher, wie “geheim” die Rollen wirklich sind, da ja alle ein eindeutiges Ziel verfolgen. Lasst mich euch sagen: Das Spielkonzept geht voll auf! Je nachdem mit wem ihr spielt und die Rollen verteilt sind, kann es gut und gerne vorkommen, dass man bis zur letzten Spielminute nicht weiß, wer jetzt eigentlich im gleichen “Team” ist und wer nicht. Das passiert vor allem dann, wenn Menschen bewusst Verwirrung stiften, um ihre Identität zu verheimlichen.

Jesse Jones, Willy the Kid und Horst Kevin

So viel zu den Rollen. Da es sich hierbei um ein Kartenspiel handelt, gibt es aber (welch Überraschung) ganz viele weitere Karten. Zusätzlich zur geheimen Identität bekommt jeder Spieler außerdem noch eine von sechszehn Charakterkarten. Die Charakterkarten geben den Spielern nicht nur coole Namen (Horst Kevin gibt es in dem Spiel übrigens nicht. Schade eigentlich), sondern bestimmen auch, wie viele Leben (symbolisiert durch Patronen) und awesome Fähigkeit sie haben. Jesse Jones, das alte Schlitzohr, darf nach Belieben seine erste Karte aus der Hand eines Mitspielers ziehen. Willy the Kid ist ein echter Draufgänger und kann pro Runde so viele Schüsse abfeuern, wie er möchte. Nur um ein paar Beispiele zu nennen. Die Chakterkarten werden nicht gewählt, sondern verteilt und offen vor dem Spieler abgelegt. Außerdem erhält jeder Spieler ein stylisches Spiele-Tableau auf dem die Patronen (aka Leben. Ja, macht Sinn. Ich weiß.), Spezialkarten und Waffen abgelegt werden.

Bang Bang Bangity Bang

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Sind die Rollen und Charaktere geklärt, kann auch schon losgespielt werden. Jeder Spieler erhält so viele Karten, wie er Lebenspunkte hat. Es gibt insgesamt 80 Spielkarten, von denen viele die so begehrten und namensgebenden Bang!-Karten sind. Jetzt klärt sich auch das Grundprinzip des Spiels: Nutze die Bang!-Karten um deine Mitspieler abzuknallen – so wie es deiner Rolle entspricht.

Hier gibt es jedoch ein Problem: Am Anfang hast du nur einen lausigen Colt 45 und kannst damit lediglich deinen Sitznachbarn abschießen. Um deine Reichweite zu erhöhen, brauchst du also Waffen-Karten. Möchte ein Spieler nicht abgeschossen werden – wer kann es ihm verübeln – kann dieser mit einer Fehlschuss-Karte ausweichen. Es gibt zudem Bierkarten, die es dir ermöglichen dein Leben aufzufüllen. Nur um das mal kurz festzuhalten: Die Bier-Karte gibt Leben. Nuff said.

Dann gibt es noch Karten, die Indianer in die Stadt einfallen lassen, dich zwingen Karten abzuwerfen, dich ins Gefängnis stecken, dich zu Duellen zwingen, dich per Postkutsche mit zusätzlichen Karten beglücken und so weiter und so sofort. Eine besonders tolle Karte ist das Dynamit, das von einem Spieler zum nächsten wandert und explodiert sobald die “falsche” Karte gezogen wird.

Wer es jetzt noch nicht geahnt hat: Wer keine Leben mehr habt, stirbt und scheidet aus dem Spiel aus. Je nachdem welche Rolle der Spieler hat, bedeutet das jedoch keinesfalls, dass der Spieler somit automatisch verloren hat. War der Spieler zum Beispiel ein Gesetzloser, kann es durchaus sein, dass sein “Team”-Partner den Sheriff für ihn kalt macht. In diesem Fall hätte der ausgeschiedene Spieler trotzdem gewonnen, auch wenn er vorzeitig abgekratzt ist. Ein sehr nettes Spiel-Element, wie ich finde.

Tausche Kolt gegen Ninjastern

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Wie in meiner Mini-Biografie zu lesen ist: Ich bin so richtig japanophil, deswegen habe ich entzückt aufgeschrien, als ich das Stand-Alone nach dem Bang!-Spielprinzip gesehen habe: Samurai Sword. Wie der Titel vermuten lässt, ist dieses Spiel im alten Japan angesiedelt. Die Charaktere beruhen sogar alle auf echten Persönlichkeiten der japanischen Geschichte. Für Kenner also ein ganz besonderes Gimmick!

Das Spielprinzip ist fast gleich zum Bang!-Vorgänger im wilden Westen. Statt mit Bang!-Karten schmeißen die Spieler mit Ninja-Sternen und die ein oder andere Karte ist angepasst. Das Grundprinzip bleibt jedoch gleich. Ein entscheidendes Element wurde jedoch geändert: Spieler scheiden nicht mehr sofort aus dem Spiel aus, wenn sie alle ihre Leben verlieren. Denn zusätzlich zu den Lebenspunkten hat jeder Spieler außerdem Ehrenpunkte. Verliert der Spieler also alle Leben, verliert er einen Ehrenpunkt, setzt eine Runde aus und ist für diese Zeit auch immun gegenüber Angriffen. Nach dieser Warterunde füllt er sein Leben wieder auf und kann wie gehabt weiterspielen. Erst wenn ein Spieler keine Ehrenpunkte mehr hat, endet das Spiel – für alle Spieler. Die Sieger werden dann durch die Ehrenpunkte ermittelt. Je nachdem, welche Rolle ein Spieler hat, werden die Ehrenpunkte unterschiedlich gewertet – der/die Spieler mit den meisten Punkten gewinnen.

Die erneuerte Regel setzt an dem Kritikpunkt an, den viele Spieler von Bang! hatten. Wer stirbt, scheidet nicht mehr aus – und muss auch nicht mehr den anderen beim Spielen zugucken. Um ehrlich zu sein, habe ich Bang! als so dynamisch und schnelllebig erlebt, dass ich diesen Kritikpunkt nicht nachvollziehen kann. Samurai Sword hingegen erscheint mir jetzt insgesamt ein bisschen zu lang und zäh und ist für mich deshalb auch ein bisschen weniger spaßig – trotz des tollen Settings! Schade.

Fazit

Obwohl es dieses Spiel schon sehr lange gibt, bin ich erst kürzlich drüber gestolpert – und habe mich sofort verliebt. Die Kombination aus Rollenspiel und wildem Rumgeballer macht unglaublichen Spaß. Strategien wird regelmäßig durch die vielen verschiedenen Spezialkarten ein Strich durch die Rechnung gemacht, so dass sich die perfekte Kombination aus Planung und Glück ergibt. Jede Spielepartie ist extrem dynamisch und unvorhersehbar. Es gibt zu diesem Spiel auch noch eine Erweiterung. Da das Grundspiel aber schon so dermaßen gut ist, habe ich bisher darauf verzichtet.

Ein kleines Manko dieses Spiels könnte sein, dass ihr mindestens vier Gringos braucht, um überhaupt spielen zu können. Da ich aber davon ausgehe, dass jeder von euch ausreichend viele Freunde hat, empfehle ich euch das Spiel zu kaufen und zu einem lässigen Saloonabend zu laden, inklusive Whiskey und Klaviermusik versteht sich.

Kurzum: Kaufempfehlung. YEEHAW! *Colt zieh und wild in die Luft baller*

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Geschrieben von Isabel Hartmann

Informationen zum Spiel

Verlag: Abacus Spiele

Spieler: 4-7

Spieldauer: 20-30 Minuten

Schwierigkeitsgrad: Simpel

Spaßfaktor: WILD WILD WEST!

ABACUSSPIELE 69162 – BANG!

Price: EUR 17,95

4.7 von 5 Sternen (45 customer reviews)

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ABACUSSPIELE 36131 – Bang! – Samurai Sword, Kartenspiel

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4.7 von 5 Sternen (7 customer reviews)

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