Reden über Roguelikes: Mein Lieblingsgenre


Falls die ASCII-Grafik im Titel es nicht bereits verraten hat: In dieser Kolumne schreibe ich über mein Lieblingsgenre, wenn es um Videospiele im weiteren Sinne geht: Roguelikes. Während ich vorhabe, in folgenden Ausgaben einzelne Spiele vorzustellen, soll es hier zunächst um einen Definitionsansatz gehen. Mit diesem werde ich mir vermutlich nicht nur Freunde machen.

Was ist ein Roguelike?

Das kommt sehr darauf an, wen man fragt. Puristen, welche der Berlin-Interpretation frönen, gehen davon aus, dass die Bezeichnung nur einen direkten Klon des besagten Rogue betrifft. Dann gibt es die fragmentierenden Stimmen, die Roguelikes, Rogue-Likes, Rogue-a-likes und Rogue-Lites. Das sind dieselben Leute, die für jeden Song eines Metal-Albums ein eigenes Genre einführen würden. Hört nicht auf sie. Ich persönlich, das habe ich schon an anderer Stelle veröffentlicht, stimme der Meinung von Darren Grey zu: Screw the Berlin interpretation!

Ich bin für einen sehr losen Ansatz der Genredefinition. Für mich muss ein Spiel folgende Attribute aufweisen, um als Roguelike durchzugehen:

Zufallsgenerierung der Spielwelt. Jede Sitzung des Spiels sollte einzigartig sein und das Spiel dazu in der Lage, auch seinen eigenen Schöpfer zu überraschen. Dies kann das Balancing stören.

Hoher Schwierigkeitsgrad und Permadeath. Gepaart mit der Randomisierung sorgt dies für einen massiven Wiederspielwert. Viele Roguelikes sind so geschaffen, dass es fast unmöglich ist, zu gewinnen. Der Weg ist das Ziel, man sieht nur, wie weit man tatsächlich kommt.

Der Fokus liegt mehr auf Spieltiefe, als auf technischer Finesse. Viele Roguelikes sind das Produkt einzelner Enthusiasten und verfügen nur über die gefürchtete ASCII-Grafik, obwohl sie mehr Komplexität im Angebot haben, als die meisten anderen Spiele. Das heißt allerdings nicht, dass sie nicht auch toll aussehen können.

Da ich das Genre derart locker definiere, fallen Spiele, die vom Gameplay her vollkommen verschiedenen Kategorien zuzuordnen wären, für mich darunter. In dieser Kolumne werde ich in Zukunft alle zwei Wochen ein Roguelike vorstellen, das ich selber gerne spiele. Einsteiger sollten sich dabei nicht vor fehlenden Grafiken oder komplexen Eingabemethoden fürchten: Ich fange mit sehr zugänglichen Spielen an und arbeite mich dann ganz allmählich zu den großen bösen Dwarf Fortresses dieser Welt vor.

Warum liebe ich Roguelikes?

Die Mischung aus Wiederspielwert und steter Überraschung fasziniert mich. Wenn ich ein Spiel das buchstäblich tausendste Mal spiele und dennoch Situationen erlebe, mit denen ich nie gerechnet habe, weil sie nie vorgesehen aber aus einer Verkettung von Mechaniken und Zufällen heraus entstanden sind, genieße ich das sehr. Es gibt mir immer das Gefühl, Neues zu erforschen – und das ist großartig.

Zudem macht ein Spiel, das viele tausend Versuche benötigt, um auch nur in die Nähe eines Sieges zu kommen, jeden Etappensieg unglaublich süß. Diese Philosophie verfolge ich auch als Pen & Paper-Leiter und fahre damit eigentlich immer gut: Ein hoher Schwierigkeitsgrad und die Möglichkeit, wirklich zu verlieren (Permadeath – wenn Ihr sterbt, könnt Ihr nicht neu laden. Ihr fangt dann von vorne an) machen Siege um so kostbarer.

Diese beiden Aspekte, Wiederspielwert und hart errungene Siege, sind das, was ein Roguelike für mich ausmacht. Daran werde ich auch die Spiele in der kommendenden Serie von Artikeln bewerten. Auf ein Benotungs-System werde ich dabei verzichten, da es meiner Meinung nach nicht richtig ist, Spiele mit Hilfe von Zahlen zu bewerten. Die Spiele, die ich vorstellen werde, werden vorwiegend welche sein, mit denen ich selbst längere Zeit verbracht habe – ich werde sie also nur empfehlen können. Zudem werde ich auch Dinge erläutern, die Schwächen sein könnten. Und zuletzt hoffe ich natürlich, den einen oder anderen Neuling für das Genre begeistern zu können.

Marten Zabel

Marten Zabel

Bewertet Dich anhand Deiner Spiele, Serien und Rechtschreibung, wenn er nicht gerade selbst Spiele designt oder von größeren Dingen träumt.
Hauptthemen: Pen & Paper, Games, Brettspiele

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  • Andre

    Ich schlag mich gerade mit Shiren the Wanderer für den DS herum … verdammtes Genre! 😀

    • Marten Zabel

      Witzigerweise lese ich auf Wikipedia, dass Shiren the Wanderer für den DS deutlich einfacher ist, als andere Spiele aus der Reihe… Na immerhin kannst Du Dich dann über jede Menge Spielzeit freuen.