Flieg, mein kleiner Freund!


Strategiespiele sind zwar irgendwie abwechslungsreich und spannend, weil kein Match dem anderen gleicht, aber dennoch gibt es fast immer nur drei Grundelemente: Basisbau, Ressourcen abbauen, Armeen bauen. Larian Studios war das irgendwie zu wenig. Deshalb haben sie mit Divinity – Dragon Commander ein Strategie-Rollen-Kartenspiel erschaffen. “What the fuck?”, werdet ihr jetzt denken. Aber es wird noch besser!

In Dragon Commander schlüpft ihr in die namensgebende Rolle und wollt das Reich Rivellon (dem ein oder anderen Divinity-Fan ist das vielleicht ein Begriff) unter eurem Banner vereinen. Das ist natürlich nicht so einfach, denn eure Halbgeschwister, die den König (euren Vater) ermordet haben, wollen so ziemlich das Gleiche. Überraschend, oder? Ein blutiger Kampf entbrennt.

Eure elfische Ehefrau will nicht am Festbankett des Zwergs teilnehmen. Verständlich, irgendwie.

Eure elfische Ehefrau will nicht am Festbankett des Zwergs teilnehmen. Verständlich, irgendwie.

Soviel zur vergleichsweise innovationsarmen Rahmenhandlung. Das viel interessantere an Dragon Commander ist das Gameplay, das Larian in das Spiel gepackt hat. Denn es ist nicht einfach nur ein Strategiespiel. Nein, das war den belgischen Entwicklern irgendwie zu banal. Denn auf eurem Schiff Raven, das euer Hauptquartier darstellt, spielt ihr ein Rollenspiel, also ein RPG. Ihr agiert dort mit euren politischen Beratern, euren Generälen, dem Wissenschafts-Imp, eurem Mentor Maxos und auch mit eurer Ehefrau, die ihr aus vier der fünf Rassen auswählt.

Dabei hat jede eurer Entscheidungen eine Auswirkung. Wenn ihr also vielleicht den konservativen Untoten dabei unterstützt, dass die Wehrpflicht eingeführt wird, dann steigt euer Rückhalt auch bei den Zwergen und Imps. Die Echsen hingegen finden diesen Schritt nicht gerade rational und die Elfen sind ohnehin nicht für soetwas zu haben. Umgekehrt wollen aber eure spitzohrigen Freunde Drogen legalisieren lassen. Das finden dann wiederum die Zwerge vielleicht nicht so toll und so weiter.

Karten für Entscheidungen

In bester Risikomanier plant ihr euren Feldzug.

In bester Risikomanier plant ihr euren Feldzug.

Ähnliche Entscheidungen müsst ihr auch bei euren Generälen und eurer Angetrauten treffen. Hier fordert eine eurer weiblichen Generäle vielleicht das gleiche Gehalt für Frauen wie auch für Männer und dort braucht eure Gemahlin eure Unterstützung bei einem Gerichtsfall. Es gibt also viel zu tun auf der Raven. Als Belohnung erhaltet ihr aber nicht einfach nur Rückhalt der jeweiligen Nationen. Es winken auch Vorteilskarten, die ihr dann in der Planungsphase vor dem Kampf einsetzen könnt.

Damit kommen wir auch schon zum nächsten Gameplay-Aspekt. Wie gesagt, Larian wollte nicht einfach nur ein Strategiespiel bauen. Sie haben alles rein gepackt, was sie irgendwie cool fanden. Denn die Planungsphase funktioniert in bester Risikomanier. Ihr baut Truppen und Gebäude in euren eroberten Gebieten. Anschließend setzt ihr dann eure Figuren ein oder zwei Felder weiter und fallt so in die Länder eurer Gegner ein. Dabei könnt ihr euch selbst mit einem Teil eurer Karten unterstützen oder eure Gegner schwächen.

Nachdem dann alle ihren Zug gemacht haben, geht es (endlich?) in die eigentliche Schlacht. Allerdings dürft oder müsst ihr keine Basis bauen. Ihr erobert Bauplätze, baut Truppen und stürmt vor. Im Ernst: Das ist an und für sich alles. Klingt langweilig? Ist es aber nicht! Denn die einzelnen Schlachten sind dadurch teilweise so schnell vorbei, dass man ganz schnell in eine Art Suchtspirale rein kommt: “Ach, eine Schlacht geht noch. Dauert ja nicht so lang.” Gefährliches Ding.

Sei der Drache

Aber, weil Larian das immer noch zu wenig war, haben sie genau hier ein weiteres Genre untergebracht. Ich finde dafür leider kein geeignetes Wort, aber wenn ihr auf den Awesome-Button drückt, verwandelt ihr euch in den Drachen höchstselbst. Ihr erinnert euch: Ihr seid der Dragon Commander. Der kann sich selbstverständlich auch zum Drachen wandeln. Eine mächtige Waffe, die Tod und Verderben bringen kann oder die eigenen Truppen unterstützt und heilt. Aber ganz ehrlich: Tod und Verderben macht mehr Spaß.

Nur die Schlacht befehlen ist doch langweilig? Dann nehmt als Drache selbst daran teil.

Nur die Schlacht befehlen ist doch langweilig? Dann nehmt als Drache selbst daran teil.

Ihr fliegt da also in bester Topgun-Manier in Drachenform über das Schlachtfeld und schleudert eure Feuerbälle gegen eure Feinde. Und falls ihr schnell von A nach B wollt, zündet ihr einfach euer Jetpack. “WAS? Der Drache hat ein Jetpack?”, fragt ihr euch jetzt vielleicht (vielleicht auch nicht, aber ich unterstelle euch das einfach mal). Und ich sage: Ja. Warum hat er das? Nicht nur, weil er es kann, sondern eben um verdammt schnell die gegnerischen Truppen aufzuhalten und direkt im Anschluss am anderen Ende der Karte einen feindlichen Drachen zu bekämpfen.

Oh, verzeiht, ich habe etwas vergessen. Der feindliche Drache…natürlich. Dragon Commander ist auch im Multiplayer spielbar. Sowohl einzelne Matches für bis zu vier Spieler, als auch komplette Kampagnen mit Strategiekarte und so, ebenfalls für bis zu vier Spieler. Und ich muss sagen, es macht echt Laune, wenn sich gerade drei Drachen am Himmel die Feuerbälle um die Ohren hauen und ihr dann auch noch als Drache mittenrein schießt.

Fazit

Alles in allem also ein unterhaltsames Spiel, das ich euch vor allem dann empfehlen kann, wenn ihr ein bis drei Kumpels habt, mit denen ihr ab und an mal an eurer Kampagne weiterspielen wollt. Alleine macht das Spiel auch Spaß und kann für eine relativ schnelle 30-Minuten Session gut herhalten. Also, schnell das Jetpack auf den Rücken geschnallt und rein ins Getümmel!

Dragon Commander

Price: EUR 8,98

3.5 von 5 Sternen (20 customer reviews)

19 used & new available from EUR 0,50

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden