Mass Effect Fan-Service in Comicform


Reden wir über Mass Effect Foundation Teil 1: Im Auftrag von Cerberus. Die Spinoffs von Computerspielen sind in den meisten Fällen nicht gerade gut. Das Verhältnis zwischen digitalen Interaktivmedien und passiv zu konsumierenden Büchern, Filmen und Comics ist bestenfalls angespannt, teilweise katastrophal und fast immer nur etwas für Hardcore-Fans des Ausgangsmaterials.

Ich bin kein Mass-Effect-Fan, kann den vorliegenden Comic also nur aus der Außenseiterperspektive bewerten. In anderen Worten: Mit Fan-Service kann mich dieses Werk nicht bestechen.

„Aber Marten,“ höre ich die Massen schreien, „Was hast Du denn gegen Mass Effect? Es ist brillant!“ Nun. Als komplexe, weitverzweigte interaktive Geschichte ist es tatsächlich eine beeindruckende Leistung, die uns die Entwickler und vor allem Autoren von BioWare da vorsetzen. Aber als alteingefleischter Sci-Fi-Leser erwarte ich von der fiktiven Welt, in der diese Geschichte stattfindet, einfach mehr. Das große Problem ist der Halbsatz „Für ein Videospiel.“ Mass Effect hat eine gute Story – für ein Videospiel. Aber in der Hinsicht ist die Branche leider auch noch immer meilenweit von Büchern und Filmen entfernt – der größte Dreck, den Michael Bay auf die Leinwand scheißt wäre in einem AAA-Titel der Videospielindustrie noch immer gutes Mittelmaß. Leider.

Wenn Aliens in Star Trek oder Babylon 5 humanoid sind, dann ist das eine Kostenfrage, weil Schauspieler günstiger sind als FarScapes Muppets (die auch meist nur für die Hauptrollen verwendet wurden). Wenn Aliens in einem Videospiel humanoid sind, dann, damit sie sexualisierbar sind. Und was zur Hölle ist das für eine schwammige Unterscheidung von „organischen“ und „künstlichen“ Lebewesen? Ist der Mais, den Monsanto demnächst unkontrolliert nach Europa bringen darf, Geth-kompatibel? Und reden wir gar nicht erst über die KIs…

Mass Effect Foundation

Genug der unangenehmen Fragen, sehen wir uns den Comic an. Der erste von 13 Bänden sieht zunächst einmal schick aus: Illustrator Omar Francia, der für Konzeptzeichnungen von Mass Effect verantwortlich ist, hat beim Cover ganze Arbeit geleistet und im hinteren Teil des Booklets auch noch einige Szenen aus der Story in schick gezeichnet. Hier liegt allerdings auch schon das erste Problem. Zeichner Tony Parker, der für den eigentlichen Comic zuständig ist, kann da einfach nicht mithalten. Der Kontrast wird gerade durch die Wiederholung von Bildern ziemlich in Szene gesetzt. Die Artworks der eigentlichen Geschichte sind nämlich etwas durchwachsen und machen es oft schwierig, Charaktere wiederzuerkennen oder zu verstehen, was genau gerade eigentlich geschieht.

Die Geschichte des Comics ist einige Zeit vor den Spielen angesiedelt, was Kontinuitätsprobleme mit den verschiedenen Pfaden, die Ihr in-game beschreiten könnt, effektiv verhindert. Mass Effects Chef-Autor Mac Walters weiß vermutlich besser als sonst irgendwer, was wie wann wo im Mass Effect-Universum stattgefunden hat. Also gibt es an dieser Front erst einmal nicht viel zu meckern. Als Einleitungsband springt die Story in Im Auftrag von Cerberus mehrmals zu verschiedenen Charakteren, von denen einige bereits aus den Mass Effect-Spielen bekannt sind. Was für Fans sicherlich tolle Momente sind, verkommt für den Uneingeweihten schnell zu irritierendem Namedropping: Williams, Kaidan Alenko, Wrex und Kai Leng sind natürlich für Mass Effect-Veteranen gängige Namen – als Nicht-Fan frage ich mich die ganze Zeit, warum ich so viel Zeit mit diesen unsympathischen Arschlöchern verbringen muss.

Apropos unsymphatische Arschlöcher: Was dem Comic zum Spiel an Sex fehlt, macht er mit teils ziemlich grausamer Gewalt und deutlich soziopathischen Charakteren wieder wett. Ich bin an sich nicht gegen ein wenig Blut in meinen Medien. Habe in diesem Fall aber das Problem, dass ich keine Ahnung habe, ob der Comic im Verlauf der späteren Bände noch so etwas wie einen Protagonisten haben wird. Und aus irgendeinem Grund bin ich in den meisten der vielen Kampfszenen für die jeweiligen Gegner der Hauptpersonen. Das verdirbt mir persönlich etwas die Lust am Weiterlesen – nicht gut für den Anfang einer Serie.

Positives

Bevor man mir vorwirft, ich habe nur Negatives über den vorliegenden Comic zu sagen, hier einige positive Eindrücke.

Spoilerwarnung an dieser Stelle:

-Rasa erschießt als junges Mädchen die (Söldnerin? Auftragskillerin? Spionin?) Frau, die im ersten Abschnitt Hauptdarstellerin ist. Diese Szene war für mich gleichermaßen überraschend wie befriedigend.

-Die Szene, in der Kaidan Alenko seinen Ausbilder tötet ist emotional fast nachvollziehbar und erinnert mich ein wenig an Enders Game.

-Die Illustrationen von Omar Francia, welche im hinteren Teil und auf dem Cover zu finden sind, sehen echt toll aus und wären tolles Postermaterial, wenn sie nicht in ihrer Komposition etwas repetitiv wären (Charakter A bekämpft Charakter B, den wir von schräg hinten sehen).

Fazit

Würde ich Mass Effect Foundation Teil 1: Im Auftrag von Cerberus empfehlen? Nun, wenn der Text da oben irgendein Vorzeichen war, dann wohl nicht. Fans der Spiele dürfte allerdings durchaus interessieren, wie die verschiedenen Charaktere zu dem geworden sind, was sie sind. Wenn Ihr also jeden Schnipsel Mass Effect-Lore verschlingt, dann ist der Comic für Euch natürlich ein Muss. Für alle, für die das Ganze nur eine recht gut gemachte Reihe von RPGs ist, dürfte der Fan-Service allerdings nicht genug sein. Also, ganz klar Geschmacksache.

Mass Effect: Bd. 5: Foundation 1 – Im Auftrag von Cerberus

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5.0 von 5 Sternen (2 customer reviews)

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Marten Zabel

Marten Zabel

Bewertet Dich anhand Deiner Spiele, Serien und Rechtschreibung, wenn er nicht gerade selbst Spiele designt oder von größeren Dingen träumt.
Hauptthemen: Pen & Paper, Games, Brettspiele

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