Steuersenkung gegen den Fortschritt


Ab dem 1. Januar 2015 werden Hörbücher nur noch mit dem verminderten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent besteuert. Damit wird diese Form von Literatur endlich auch mit der Vorlage des gedruckten Buches gleichgesetzt. Die Gesetzgebung wäre aber nicht die Gesetzgebung, wenn hier alles gleich sinnvoll wäre. Denn Hörspiele und erweiterte Hörbücher bleiben bei 19 Prozent Mehrwertsteuer. Was das bedeutet?

Ehe mir irgendjemand vorwirft, ich würde hier einfach Dinge behaupten, zitiere ich von der netten Politik die Begründung für die Entscheidung, nur Hörbücher mit dem verminderten Steuersatz auszustatten: “Hörspiele unterscheiden sich von den begünstigten Hörbüchern durch die Verwendung dramaturgischer Effekte, verteilte Sprecherrollen, Geräusche sowie von Musik und gehen damit über die Wiedergabe einer bloßen Buchlesung hinaus.” Soweit so richtig. Das ist natürlich erst die Definition.

Die Begründung, Hörspiele auszuschließen kommt, jetzt: “Voraussetzung ist, dass auf dem Medium ausschließlich die Tonaufzeichnung der Lesung eines Buches gespeichert ist. Die Anwendung der Umsatzsteuer-Ermäßigung ist dabei jedoch nicht davon abhängig, dass der Inhalt des Hörbuches als gedruckte Fassung verlegt wurde oder verlegt werden soll. Vielmehr ist der der Vorschrift zugrundeliegende Buchbegriff fiktional zu verstehen, d.h. die Lesung muss einen Text wiedergeben, der dem herkömmlichen Verständnis eines Buches entspricht.”

Übersetzung wird jetzt aktiviert: Ein Hörbuch ist eine Lesung eines Buches, das nicht unbedingt als Buch veröffentlicht sein muss. Allerdings muss das Hörbuch exakt wie ein Buch aufgebaut sein, das vorgelesen wird. Sozusagen wie früher, wenn dir Mama oder Papa am Bett eine Geschichte vorgelesen hat.

Was bedeutet das nun konkret? Hörbücher, die dem Leser mehr bieten wollen, indem sie Hintergrundgeräusche oder auch nur Musik mit einfügen, bleiben bei 19 Prozent Mehrwertsteuer. Faktisch werden die sieben Prozent der Hörbücher zwar nicht bei uns, den Hörern, ankommen, aber den Studios und Verlagen würde das mehr Geld einbringen. Da aber diese angereicherten Hörbücher, die meiner Meinung nach besser sind und mich stärker in die Geschichte ziehen, teurer in der Produktion sind und nun auch noch weniger Gewinn beim Verkauf abwerfen als die Standard-Lesungen, wird dieses Genre voraussichtlich in den nächsten Jahren kaum mehr bedient.

Ein Kaninchen, nicht nur knuffig, sondern hat auch teils mehr Ahnung als Politiker.

Ein Kaninchen: Nicht nur knuffig, sondern teils auch mit mehr Ahnung als Politiker.

Das ist nicht nur schade, sondern ein Schritt zurück. Denn ich empfinde diese angereichten Hörbücher als Fortschritt und den richtigen Weg, Hörbücher attraktiver zu machen. Ich kann die Verlage und Studios dann durchaus verstehen, wenn sie diese Form künftig kaum oder gar nicht mehr nutzen. Das sind wirtschaftlich orientierte Unternehmen, die müssen schauen, dass sie möglichst viel Geld in die Kassen bringen, um ihre Leute zu bezahlen. Aber genau hier handelt die Politik einmal mehr falsch und mit einem unfassbar großen Fachwissen, das selbst ein Kaninchen fast nicht übertreffen könnte.

Traurig also, dass die Gesetzgeber hierbei nur reine Lesungen als Hörbücher ansieht und auch Hörspiele nicht als förderungswürdig durch einen verminderten Mehrwertsteuersatz sehen. Ich hoffe, dass noch einige Verlage versuchen, diese Grundlage auf angereicherte Hörbücher und Hörspiele auszuweiten. Denn verdient hätten es beide Genres auch, so wirtschaftlich rentabler zu sein, oder was haltet ihr von der ganzen Geschichte?

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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  • Christian Turkiewicz

    Ganz so simpel ist es nicht, klar hätten diese Medien es verdient besser gefördert zu werden, aber der ermäßigte Steuersatz ist streng reglementiert und das auch in der EU. Das Hörspiele keine Hörbücher sind ist offensichtlich und der ermäßigte Steuersatz für Kunst in D wurde durch die EU abgeschafft. Außerdem bleiben Margen die durch den ermäßgten Steuersatz enstehen am ehesten beim Endhändler, was wiederum gut für den lokalen Buchhandel ist. Amazon profitiert schon seit langem von ihren Sitz in Luxenburg und zahlt nur 3% MwSt.

    Aber auch das nur noch Jan. 2015, dann wird MwSt. in dem Land fällig in dem der Kunde sitzt, Nun wird es zwar die 7% voraussichtlich auch für Ebooks und Hörbücher geben aber es könnte sich einiges im Downloadbereich ändern. Apps, Steam-games, iTunes …die werden jetzt alle teurer werden oder die Produzenten und Vertreiber werden weniger verdienen. Es wird spannend…