Die Legende der Prinzessin Kaguya – Es war einmal ein Bambuskind


In Die Legende der Prinzessin Kaguya verfilmt Studio Ghibli eine der ältesten Erzählungen Japans und überrascht darüber hinaus selbst alteingesessene Fans des legendären Anime-Studios.

Der Film Die Legende der Prinzessin Kaguya, im japanischen Original Kaguyahime no Monogatari erschien bereits 2013 in Japan und ist seit dem 20. November dieses Jahres auch bei uns in den Kinos zu sehen. Regie führte wie auch schon bei Titeln wie Das wandelnde Schloss oder Meine Nachbarn die Yamadas, Isao Takahata. Der Soundtrack stammt von keinem geringeren als Joe Hisaishi, von dem ich den Soundtrack zu Prinzessin Mononoke und Chihiros Reise ins Zauberland im Regal stehen habe. Ihr seht, auch hier wurden wieder schwere Geschütze aufgefahren.

Wir hatten das Vergnügen den Film direkt zur Premiere im Cineplex Mannheim im Rahmen des Ghibli-Filmfestivals in einem Saal voller Ghibli-Fans anschauen zu dürfen. Bevor der Film los ging, bot das Kino noch ein Rahmenprogramm aus Sushi, Sektempfang, Cosplay-Shooting und vielem mehr. Um ein paar Eindrücke zu bekommen, könnt ihr euch hier eine kleine Bildergalerie anschauen.

Dann ging das Licht aus und der Film startete. Ich war in Anbetracht der Reviews, die ich vorab bereits gelesen hatte, positiv überrascht…

Es wird mystisch

Der Film basiert auf der alten japanischen Erzählungen Taketori Monogatari, auf Deutsch Die Geschichte vom Bambussammler. Die Sage hat mehrere Varianten, im Kern sind sie sich jedoch alle ähnlich. Der Film von Studio Ghibli bleibt der originalen Erzählung sehr treu, was mich als jemand, der die Geschichte noch aus alten Unizeiten kannte, sehr gefreut hat.

Bambuskind

Die Geschichte geht wie folgt: Es war einmal ein alter Bambussammler, der eines Tages ein kleines Menschlein in einem Bambus findet. Das kleine Mädchen ist wunderschön und strahlt hell auf. Der alte Bambussammler beschließt deshalb, sie mit nach Hause zu nehmen und sich gemeinsam mit seiner Frau um sie zu kümmern. Doch er ahnt schon, dass dies kein gewöhnliches Kind ist, nein! -Dieses Kind wurde ihm von den Göttern geschickt. Das kleine Mädchen, das liebevoll Takenoko (wörtlich: Bambuskind, im Film: kleiner Bambus) genannt wird, wächst zur Überraschung seiner Zieheltern wahnsinnig schnell heran.

Der neue Vater des Kindes ist schlichtweg entzückt von der kleinen Prinzessin, wie er sie liebevoll nennt, und ist davon überzeugt, dass sie zu höherem bestimmt ist, als auf dem Land als Kind eines Bambussammlers aufzuwachsen. Die Tatsache, dass der Bambus ihm nicht nur das Kind sondern anschließend auch einen Topf voll Gold und edles Geschmeide geschenkt hat, bestärkt ihn in seiner Überzeugung. Er fasst deshalb den folgenschweren Entschluss seine kleine Prinzessin mit in die Hauptstadt zu nehmen, auf dass sie eine edle Dame werde und sich fortan nur noch in hoher Gesellschaft befinde….

Ein Bambus geht auf Reisen

Die kleine Prinzessin, der kleine Bambus….naja, das Bambus-Kind eben, ahnt von all den Plänen nichts. Es ist rundum glücklich mit seinem Leben auf dem Land, seinen Freunden dort….und Sutemaru, einem sehr ansehnlichen jungen Burschen.

Doch es kommt, wie es kommen musste und bevor sie sich versieht findet sich kleiner Bambus in der Hauptstadt wieder. Anfangs noch ganz hingerissen von ihrem ganz eigenen Palast gefüllt mit schönen Kleidern und einem hauseigenem Garten, realisiert sie leider schnell, dass ihr neues Leben auch noch ganz andere Dinge mit sich bringt: Sich wie eine hohe Dame benehmen und kleiden, sich in bester Gesellschaft begeben…Schluss mit dem unbeschwerten Herumtollen!

Kaguya bei Hofe

Im Zuge ihrer fürstlichen Erziehung erhält sie außerdem ihren schlussendlichen Namen: Kaguya. Dieser und die Gerüchte um ihre Schönheit machen in der Hauptstadt schnell die Runde, so dass es nicht lange dauert bis fünf stattliche Fürsten und am Ende sogar der Kaiser höchstselbst um ihre Hand anhalten. Kaguya selbst lässt das kalt.

Was aus Kaguya und ihren Anbetern wird? Wo die kleine Prinzessin denn nun herkommt? Und ob sie ihre Landliebe Sutemaru wiedersehen wird? Tja, das müsst ihr selber sehen.
Ich beende hiermit meine kleine Zusammenfassung, um nicht zu viel zu verraten, und weil dieser Film insgesamt doch ziemlich lang ist: 137 Minuten geballte Bildkraft.

Was für’s Auge

Hingegen der weit verbreiteten Meinung, die Zeichnungen in diesem Film wirkten unfertig und im Vergleich zu anderen Ghibli Filmen sehr unausgereift, muss ich mich jetzt erstmal als großer Fan des Zeichenstils dieses Films outen! Die Zeichnungen sind ganz im Stil alter japanischer Tuschezeichnungen gehalten, wirken aber dennoch sehr plastisch und Detail verliebt. An einer Stelle gingen die Zeichner in einer sehr dynamischen Sequenz dazu über, die Zeichnungen noch weiter zu minimieren, ja fast skizzenhaft zu belassen – welch ein Augenschmaus! Davon hätte ich gerne mehr gesehen, da diese Art von Zeichnungen, gepaart mit der Musik, der ganzen Sache eine unglaublich dichte Atmosphäre verliehen haben. Aber auch wenn dieser experimentelle Exkurs nur ganz kurz war: Der ganze Film besticht schlichtweg mit seiner visuellen Ästhetik.

Klingt nach einem typischen Ghibli-Film!

Nein, nicht ganz! Wer einen unbeschwerten und lieblichen Ghibli-Film erwartet, ist hier an der falschen Adresse. Dieses Werk ist hingegen einiger anderer wohl doch eher etwas für die etwas Älteren unter uns. Denn die Geschichte ist über Strecken eine sehr traurige, melancholische Kost. Auch die Thematik unterscheidet sich aufgrund der Vorlage stark von anderen Ghibli-Filmen und wird wohl nicht jedermanns Geschmack entsprechen. Eingefleischte Ghibli-Fans werden trotzdem auf ihre Kosten kommen: Die Musik und Liebe zum Detail, die wir sonst auch von anderen Filmen gewohnt sind, sind auch hier wiederzufinden.

Fazit

Der Film Die Legende der Prinzessin Kaguya besticht auf den ersten Blick durch seine andersartige Zeichentechnik und Thematik. Trotz der Schwere und Langatmigkeit, gehört er jetzt schon zu einem meiner Lieblings-Filme. Aber Achtung: Man sollte ein wirklich unvoreingenommenes, offenes Gemüt aufweisen, da es sonst an einigen Stellen (besonders am Ende *no spoiler*) ein wenig nunja “merkwürdig” erscheinen mag. Es handelt sich letztendlich um eine japanische Volkserzählung: Mystik und Herzschmerz inklusive. Mir hat er sehr gefallen, die Rezensionen diverser anderer Zuschauer zeigt mir aber, dass der Film Geschmackssache ist. Wenn euch der Zeichenstil liegt und ihr auch einmal eine melancholischere Stimmung von Studio Ghibli ehren könnt, dann solltet ihr euch das Werk anschauen.

Was bedeutet nun diese Bewertung? Hier findet ihr es heraus.

Geschrieben von Isabel Hartmann

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