Geburt eines Rollenspiels Teil 4: Eine Welt entsteht


Nach meinem noch immer ruhenden ersten Versuch, ein Rollenspielsystem in der realen – wenn auch historischen und mystifizierten – Welt zu entwickeln, zog es mich letztlich doch wieder in Richtung Fantasy. Doch vor dem Spiel, kam natürlich die Welt.

Ich kann mich noch recht genau daran erinnern, wann ich gedanklich zum ersten Mal die Welt Bardelion betreten habe. Auch, wenn ich damals weder ihren Namen kannte, noch dachte, dass dereinst ein eigenes Rollenspiel dort spielen sollte. Aber alles der Reihe nach.

Alles begann auf der Nordseeinsel Spiekeroog. Bereits in jungen Jahren, noch bevor ich an Rollenspielsysteme überhaupt gedacht habe, schrieb ich sehr gerne Geschichten. Das wollte ich wieder aufleben lassen und mich letztlich sogar zum ersten Mal an einem richtigen Buch versuchen. Was hat das nun mit Spiekeroog zu tun? Sagen wir es so: Ich habe dort so etwas wie einen die Kreativität fördernden Ort für mich gefunden.

Im Regelfall brauche ich maximal drei Tage und die Ideen formen sich in meinem Kopf. So auch zu jener Zeit, als ich zum ersten Mal Bardelion entdeckte. Zuerst formte ich zwei Protagonisten: einen berufsmäßigen Monsterjäger und einen Nekromanten, der seine Fähigkeiten als Geisterjäger verkauft. Dann strickte ich einen groben Rahmen für die Geschichte der beiden und folgte ihnen in ihre Welt.

Auf Erkundungstour in einer Fantasiewelt

Bevor jemand fragt: Ich verrate euch nicht, worum es gehen sollte, da ich diese Geschichte wahrscheinlich irgendwann einmal in Gänze erzählen werde. Ich folgte den beiden also in ihre Welt und erkundete sie. Manche bauen eine Welt ganz bewusst auf. Dem sei auch kein Abbruch getan. Ich dagegen bin da eher ein bisschen wie beispielsweise Tolkien, der selbst seine Welten erkunden musste und wollte.

Ich lernte also die Reiche und Mächte kennen, die das Land beherrschten. Das größte Land dieser Welt ist das Mittelreich. Die Gesellschaft ist typisch mittelalterlich geprägt, mit Ständen, dem Lehnsherrensystem und einer großen Kirchenhörigkeit. Die Kirche glaubt dort an einen Gott, den Erschaffer, dessen Prophet Gorgen als Aufständischer der damaligen größten Nation, dem Imperium von Duthos, gerädert wurde. Eine kleine Parallelität zu unserer Welt. Die Gläubigen tragen übrigens kleine Räder um den Hals – als Erinnerung an Gorgens Leiden.

Das Imperium von Duthos existiert übrigens noch immer und hat sich im Süden der Welt festgesetzt. Es erinnert militärisch an das alte Rom, allerdings durchzogen von mittelalterlichen Ständen, wie Rittern, Grafen und Herzögen.

Allein dieser kleine Ausschnitt dieser Welt machte mich neugierig und ich forschte weiter. Was war das für eine Religion und wie stehen die Staaten zueinander? Gibt es Elfen und Zwerge (Ja, gibt es) und welche Völker und Kreaturen bewohnen die Welt noch?

Ich gebe euch hier eine kurze Zusammenfassung der ersten Details. Später kamen immer mehr hinzu, was ihr aber in der nächsten Folge lesen könnt.

Religion, Magie und ein Krieg

Beginnen wir mit der Religion des Erschaffers. Die Strukturen und die Einstellung ähneln der katholischen zur Zeit des späteren Mittelalters. Sie ist also eine mächtige Institution mit ihren eigenen Soldaten, großem Einfluss auf den Kaiser und sogar einer fast autonomen Stadt. Da die Gläubigen nur an die Macht des Erschaffers glauben, sehen sie Magie als Sakrileg an und verfolgen jeden Magier unerbittlich. Es sei denn, er stellt sich als Mönch und Magiejäger in den Dienst der Kirche.

Allerdings hat die Kirche nur im Mittelreich eine solche Macht, dass sie unbehelligt Magier jagen kann und dies schließlich auch in die Gesetze des Reichs hat einbringen können. Aus diesem Grund hat sich das Land Kusjano entwickelt. Es liegt im Süden und grenzt im Osten an das Imperium von Duthos. Das Land ist das fortschrittlichste der Welt. Hier sind nicht nur die meisten Magier zu Hause, sondern auch zahlreiche Wissenschaftler.

Diese drei Länder sollten ursprünglich die Schauplätze meiner Geschichte werden. Also ließ ich den Rest der Welt in Ruhe, vorerst. Doch die Länder und Völker ließen mich nicht in Ruhe. Die Konzentration auf die Geschichte zu halten, fiel mir zunehmend schwer. Also ließ ich die Idee zu einem Buch für den Moment fallen. Denn ich spürte, dass ich bei dieser Welt auf etwas Wundervolles gestoßen war. Etwas, das weit mehr, als nur ein Buch beheimaten könnte.

Ich will nun nicht vermessen klingen, aber ich glaube, dass Tolkien sich ähnlich fühlte, als er anfing, Mittelerde zu erkunden. Also machte ich mich wieder imaginär auf den Weg in die bisher noch unbenannte Welt.

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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