“Der Schlafende muss erwachen”


“Der Beginn ist eine sehr delikate Phase. Sie müssen wissen, es ist das Jahr 10.191. Das bekannte Universum wird regiert von Patischa Imperator Shadam dem vierten, meinem Vater. Die allerwichtigste Substanz im uns bekannten Universum ist die Spice-Mellanche. Das Spice garantiert das Leben. Das Spice erweitert das Bewusstsein. Das Spice ist lebenswichtig für die Raumfahrt.”

“Die Raumfahrergilde und ihre Navigatoren, die das Spice über 4000 Jahre physisch verändert hat, benutzen das orangene Spicegas, das ihnen die Fähigkeit verleiht, den Raum zu krümmen. Das heisst, in jeden Teil des Universums zu reisen, nur durch Gedankenkraft. Achja, ich vergaß Ihnen eins zu sagen: Das Spice existiert nur auf einem einzigen Planeten des Universums. Eines einsamen und trockenen Planeten mit weiten Wüsten. Versteckt in den Gebirgen dieser Öde lebt ein Volk, bekannt als Fremen. Von altersher gibt es eine Prophezeiung, dass ein Mann kommen würde. Ein Messiahs. Der sie in die wirkliche Freiheit führen wird. Der Planet ist Arakis… genannt auch Dune, der Wüstenplanet.”

Dune_Movie_Planets_WikipediaMit diesen Worten beginnt er, DER Film meiner Kindheit, meiner Jugend und meines bisherigen Lebens. Ich habe ihn über einhundert mal gesehen, als VHS, DVD sowie als 3D Bluray und kann ihn inzwischen mitsprechen. Mit der Filmmusik habe ich meine Freunde und Rollenspielgruppen gequält. Ich habe die ersten Computerspiele zu Dune geliebt, die Popband Dune und Krieger von den Fanta 4 gehört sowie über den Namen der “Spice Girls” geschmunzelt.

Als Jugendlicher hatte ich die glorreiche Idee mir den Tag USUL zuzulegen und war in vielen Foren unter diesem Namen unterwegs. Vor einiger Zeit habe ich dann endlich alle Bücher von Frank Herbert gelesen und war endgültig begeistert. Kurz gesagt, Dune ist ein Teil meines Lebens und hier, an dieser Stelle möchte ich versuchen, ihn euch näher zu bringen:

Wo beginnt man bei einem solchen Film mit der Beschreibung, wie kann man für einen solchen Meilenstein der Filmgeschichte die passenden Worte finden? Wie kann man David Lynchs Version dieses fantastischen Buches gerecht werden? Beginnen wir doch einfach mit der grandiosen Besetzung des Films.

Die Besetzung

Auch bei der Besetzung muss sich Dune nicht hinter Star Wars verstecken. Kyle MacLachlan (Das Geheimnis von Twin Peaks) spielt die Hauptfigur Paul Atreides voller Inbrunst und haucht ihr Leben ein. Ich habe zwar erst im Anschluss die Bücher gelesen, aber ich könnte mir keinen besseren Schauspieler für “Usul” vorstellen. Jürgen Prochnow (Das Boot) spielt dessen Vater, Duke Leto Atreides, so überzeugend, dass ich mir mehr Szenen mit ihm gewünscht hätte. Patrick Stewart (Star Trek) mimt als Gurney Hallec, den Waffenmeister von Paul Atreides.

Dune_Paul_Letho_Gurney_Kynes_Schutzanzüge

Von Links nach Rechts: Doctor Kynes, Herzog Leto Atreides, Gurney Hallec, Paul Atreides.

 

Gurney ist im Film und im Buch sehr unterschiedlich dargestellt. Mir persönlich gefällt die Umsetzung von Patrick Stewart besser. Sollte Dune nochmal verfilmt werden, würde ich mir Mickey Rourke als Gurney wünschen, denn dieser kommt der Buchversion für mich ziemlich nahe. Max von Sydow  ist Doctor Kynes bzw. Liet-Kynes, der das Haus Atreides mit den Fremen und deren Schutzanzügen vertraut macht. Liet-Kynes ist im Buch eine Schlüsselrolle und Max von Sydow verkörpert sie wunderbar.

Sting spielt Feyd-Rautha, den Neffen von Baron Vladimir Harkonnen, welcher mit einer Atreides-Tochter eigentlich den Kwisatz Haderach hervorbringen sollte. Die Umsetzung durch Sting ist etwas besonderes und es gelingt ihm den Charakter von Feyd, in den wenigen dafür vorhandenen Szenen, vortrefflich darzustellen. Man könnte dieser Liste ohne Probleme weitere wohlklingende Namen hinzufügen aber ich möchte es mal bei diesen Fünfen belassen.

Die Story

“Und nun die Prophezeiung… Einer wird kommen. Mit der Stimme der Außenwelt bringt er den heiligen Krieg. Djihad. Er wird das Universum ordnen und führt uns aus der Dunkelheit.”

Die Story erscheint auf den ersten Blick einfach gehalten: Es gibt eine Prophezeiung, die von der Hauptfigur erfüllt werden soll. Doch wer ist eigentlich diese Hauptfigur und was ist so Besonderes an Ihm? Paul ist der Sohn von Lady Jessica, einer Bene Gesserit-Hexe und Konkubine des Herzogs, welcher befohlen wurde den Atreidis nur Töchter zu gebären. Denn das Haus Atreides hat eine Blutfehde mit dem Hause Harkonnen und die Verbindung einer Atreides Tochter mit einem Harkonnen Sohn hätte diese eventuell beseitigt.

Aus Liebe zum Herzog gebar sie ihm aber einen Sohn, Paul. Als ein Gildenavigator dem Imperator einen Besuch abstattet, weil dieser Paul tot sehen möchte, begibt sich die Mutter Oberin des Bene Geresserit-Ordens auf den Weg, um Paul zu testen. Denn es besteht die Möglichkeit, dass Paul – der auch ein Mentat, ein “menschlicher Computer”, ist – der Kwisatz Haderach, “ein Übermensch” sein oder noch werden könnte.

Zu Beginn des Films verlässt das Haus Atreides seinen wunderschönen Heimatplaneten mit weiten Meeren, um den im Titel gemeinten Planeten Arrakis, Dune, den Wüstenplanet in Besitz zu nehmen. Das Adelshaus soll dort die Spiceförderung übernehmen. Von da an überschlagen sich die Ereignisse auf die ich für jene unter Euch, die den Film vielleicht noch nicht kennen, nicht näher eingehen möchte.

Unterschiede zum Buch 

Der größte Unterschied zwischen Buch und Film sind mit Sicherheit die Schallmodule. Während im Buch das Haus Atreides eine geheime Kampftechnik entwickelt hat, mit denen sie sogar den Sardaukar-Legionen überlegen sein sollen, führt David Lynch die Schallmodule ein. Ein grandioser Schachzug, denn eine geheime Kampftechnik hätte bei den Sci-Fi-Fans mit Sicherheit nicht so viel Begeisterung hervorgerufen, wie die Idee der Schallmodule. Die Einführung der Schallmodule ist obendrein sehr witzig und beeindruckend gelöst worden:

“Dieser Obelisk ist aus dem härtesten Stein. Tritt ihn! Schlag ihn! Schrei ihn an!”

Nachdem auch Korba mit einer Lasgun nicht den kleinsten Kratzer am Obelisk hinterlässt, zerstört ihn Paul mit seinem Schallmodul und erklärt: “Manche Gedanken haben einen eigenen Ton, der gleichbedeutend ist mit einer Form. Durch Ton und Gebärde seid ihr fähig, Nerven zu lähmen, Knochen zu brechen, Feuer zu legen, einen Feind zu ersticken oder seine Organe zu sprengen.”

Wie ihr seht würde ich die Schallmodule sogar als Weiterentwicklung der Laserwaffen bezeichnen wollen. Obendrein sehen sie, wie die Fremenschutzanzüge, stylisch aber funktional aus. Ich wollte sie gerne mal für den Cosplaybereich umsetzen, aber dafür fehlte mir bisher leider die Zeit. Falls da Jemand mal eine gute Umsetzung gesehen hat, würde ich mich über Fotos davon freuen.

Die Technik des Films

“Allein durch meinen Willen setzt sich mein Geist in Bewegung und Sapho-Saft verleiht den Gedanken Geschwindigkeit.”

dune_GildenraumschiffeDune hat meines Wissens nach, als einer der ersten Filme, konsequent die inneren Monologe der Charaktere durch Dialoge umgesetzt. Ich frage mich immer wieder, warum man dieses Stilmittel nicht auch in anderen Filmen einsetzt, denn es wäre für viele Verfilmungen eine Bereicherung. Eine weitere – im wahrsten Sinne herausragende – Leistung stellen die Miniaturen dar, die für den Film angefertigt wurden.

Einige waren so groß, dass sie in einem Stadion aufgebaut werden mussten, um sie zu filmen. Auch die Special Effects müssen sich nicht verstecken und sind meiner Meinung nach auch heute noch zeitgemäß. Was aber wirklich beeindruckend war und ist, sind die unterschiedlichen Kulissen, welche den einzelnen Planeten ihren jeweils eigenen Charakter verleihen.

Aber auch die unterschiedliche Kleidung der einzelnen Häuser hat mit Sicherheit ein riesiges Team erfordert. Der teuerste, aber auf den ersten Blick unscheinbarste Effekt, waren aber die blauen Augen der Fremen, welche per Hand, Bild für Bild nachbearbeitet wurden! Der Effekt kann sich aber sehen lassen und wirkt meiner Meinung nach deutlich besser als die digital bearbeiteten blauen Augen des Fernsehdreiteilers Children of Dune.

Fazit

Kommen wir zu meinem Fazit. Dune ist ein Film den ihr gesehen haben müsst – und zwar nicht nur einmal. Er ist ein Pflichtkauf für alle Sci-Fi Liebhaber der Welt und gehört in jede gute Filmsammlung. Dass die IMDb ihn nur mit 6,6 Punkten bewertet ist für mich dabei völlig unverständlich. Dieser Film hätte für mich zehn Punkte verdient und keinen Bruchteil weniger.

Die aktuelle 3D-Bluray ist erschwinglich, es gibt inzwischen aber deutlich bessere 3D-Umsetzungen und ich hoffe, dass es da nochmal eine neue geben wird. Aber für derzeit elf Euro kann man bei einer 3D Bluray nichts falsch machen, zumal die Bluray-Qualität meiner Meinung nach sehr gut ist und es bereits deutlich schlechtere 3D Fassungen von Dune gab.

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Thomas Klöck

Thomas Klöck

Hat Pen & Paper mit der Muttermilch aufgesogen und mit sieben Jahren das erste Mal als "Game Master" fungiert. Zaubert aus Papier Drachen und Yodas.
Hauptthemen: Pen&Paper

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  • Sicher bewertet man einen Film wie “Dune” anders, wenn man ihn durch die nostalgische Brille sieht und damit aufgewachsen ist.
    Ich finde auch, dass der Film sehr viele coole Momente hat. Ich liebe das Set-Design und die Spezialeffekte, besonders den Navigator und die trippige Sequenz mit ihm, als er den Kurs des Raumschiffes bestimmt. Das sieht immer noch spitze aus. Und natürlich ist die Besetzung absoluter Hammer, ein geiler Typ jagt den Nächsten.

    AAAAAAAAAAABER:
    Versucht man ein wenig objektiv an die Sache ranzugehen, muss man zugeben: Eigentlich ist “Dune” eine ziemliche Katastrophe. Als Adaption des Buches auf alle Fälle, denn grundsätzlich ist es an sich schon völlig fatal, einen dicken, epischen Wälzer wie Frank Herberts Buch in einen 2stündigen Film pressen zu wollen.

    Klappt ja auch hinten und vorne nicht. Im Grunde erzählt der Film die Buchgeschichte bis etwa zur Hälfte, nur um dann sofort das Finale dranzuhängen, wenn ich mich richtig erinnere. Letztlich geht dem Film die inhaltliche Tiefe und Mythologie, die das Buch ausbreitet, völlig ab.
    David Lynch selbst hat den fertigen Film übrigens gehasst und tut das immer noch. Danach hat er nie wieder große Hollywood-Produktionen gedreht. Er fand den Film so scheiße, dass er sich weigerte, seinen richtigen Namen dafür zu verwenden. Deshalb steht in den Credits auch “Directed by Alan Smithee” (ein bekanntes Pseudonym).
    Im Grunde ist die desastergeplagte Entstehungsgeschichte des Films deutlich interessanter, als er selbst.

    Das wirklich tragische an “Dune” ist, das Jodorowsky mit seiner Fassung gescheitert ist und diese nie verwirklichen konnte. Er hat die Geschichte für den Film sehr stark verändert und wollte nicht, wie in der Lynch-Version, einen halbgaren StarWars-Klon draus machen. Das wäre sicher ein Wahnsinnsfilm geworden (im doppelten Wortsinn).

    • Marten Zabel

      Also als “epischen Wälzer” würde ich das originale Dune mit 400 Seiten jetzt nicht bezeichnen. Und auch das Buch schafft es nicht, einen Großteil seiner (ziemlich coolen) Hintergründe in der Geschichte unterzubringen: Ähnlich wie Tolkien hat Herbert massive Infodumps einfach in den Anhang gepackt. Ich erinnere mich daran, dass mein erster Versuch, Dune zu lesen (ich muss etwa 11 oder 12 gewesen sein) gescheitert ist, ich aber das Glossar fasziniert verschlungen habe.

      Aber auch Dune hat diverse logische Lücken sowohl im World-Building als auch in der Charakterisierung seiner Pro- und Antagonisten. Mein Lieblingsaspekt ist allerdings, dass in Herberts Zukunft nicht nur die Technologie weiter entwickelt ist, sondern auch Sozialwissenschaften wie die Psychologie. Die Bene Gesserit können halt Menschen extrem tief analysieren und dies gegen sie verwenden. Die meisten SciFi-Autoren gehen ja immer davon aus, dass sie nur die Technologie verändert, Geisteswissenschaften aber keine Zukunft haben. Das halte ich für etwas naiv, wenngleich einzelne Wörter zur Kontrolle über Menschen aller Wahrscheinlichkeit nach eher Fantasy sind. Und da kommt dann auch schon mein Problem mit den Schallmodulen ins Spiel, die für mich etwas zu esotherisch in ihrer Verwendung sind.

      Ich denke, Jodorowskys Fassung wäre definitiv interessant gewesen. Die Vielschichtigkeit des Ausgangsmaterials macht eine wirklich originalgetreuer Verfilmung allerdings vermutlich nahezu unmöglich, da jeder Leser die Gewichtung der Geschichte woanders wahrnimmt. Mich haben damals bei Lynchs Verfilmung, von der mein Vater ein ziemlicher Fan ist, vor allem die Holzmann-Generatoren und die damit verbundenen Special Effects beeindruckt.

    • Thomas Klöck

      Das einzige was ich David Lynch vorwerfen würde ist, dass er das Ende verändert hat und dadurch keine weiteren Bücher von Dune verfilmt wurden. Er hätte sich an das Buchende halten und die anderen Bücher ebenfalls verfilmen sollen. Ich denke dann hätte Dune eine ebenso große Popularität wie Star Wars erreichen können. Vielleicht nimmt sich ja Peter Jackson irgendwann den Büchern an und verfilmt die komplette Reihe. Ich denke Dune hat sehr viel Potential, meiner Meinung nach sogar mehr als Star Wars und würde eine Neuverfilmung verdienen.

  • Das Studio hinter Dark Knight und Interstellar hat sich die Rechte an Dune gesichert. Könnte ein gutes Revival werden.

    http://io9.gizmodo.com/dune-is-about-to-make-a-major-comeback-1789227586