Wahnsinn war schon immer ein guter Ratgeber


In Daedalic Entertainments Blackguards 2 versucht ihr als Cassia die Macht an euch zu reißen. Doch wir wissen alle: Hochmut kommt vor dem Fall und wenn man ganz oben sitzt….

Es war doch so schön

Irgendwo in Mengbilla, die Stadt, die in Aventurien für ihren gleichnamigen Giftdolch und der Ablehnung von Praios bekannt ist, führt die holde Cassia ein Leben in Reichtum und Wohlstand. Doch das soll sich ändern, als ihr Göttergatte entscheidet, sich ihrer zu entledigen. Die Gründe dafür bleiben zu Anfang noch im Dunklen, doch Cassia findet sich schon bald an einem äußerst ungastlichen Ort wieder. Ohne Freunde und ihre einstige Macht ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie an diesem zu Grunde geht. So war es jedenfalls geplant.

Stell dir vor du wirst in einem Labyrinth eingesperrt. Kein natürliches Licht kann dich dort unten erreichen und obwohl du nicht auf eine Zelle beschränkt bist und das Gewölbe frei erkunden kannst, führt dich dein mit tödlichen Fallen und Ungeziefer gespickter Weg früher oder später wieder zurück an den Anfang. Scheinbar gibt es kein Entkommen.

Dein Weg endet immer wieder in einer trostlosen kleinen Zelle, während du von weit über dir von einem Wächter verspottet wirst. Deine kläglichen Fluchtversuche sind zum Scheitern verurteilt und das einzige womit du hier unten neben den sporadischen Erkundungstrips die Zeit vertreiben kannst, ist ein wirres Buch, das als Lektüre kaum für einen gesunden Verstand zuträglich ist.

Als wenn das nicht genug wäre, musst du dir deine Zelle mit achtbeinigem Getier teilen, welches eine Vogelspinne vergleichsweise klein und niedlich wirken lässt. Nebenbei sind diese gastfreundlichen Kreaturen auch noch sehr giftig und ihre Bisse in jeder Hinsicht fatal.

So führen sie dich entweder zum Wahnsinn oder zum Tod. Da das Spiel hier aber noch lange nicht vorbei ist, lässt sich leicht erraten, welches Schicksal Cassia ereilt. Es geht noch einige Zeit ins Land, bevor es der Heldin schließlich gelingt, dem Kerker zu entfliehen.

Doch was da die Zelle verlässt hat nichts mehr mit der einstigen Schönheit gemein. Geschwüre haben Cassias Gesicht entstellt und der Wahnsinn hat sie völlig ergriffen. Einzig der Gedanke nach Rache an ihrem Peiniger hält sie aufrecht. Das bedeutet nicht weniger, als ein Feldzug gegen gegen den Stadtstaat und seine Verbündeten. Denn ihr ehemaliger Gatte ist niemand geringeres als der derzeitige Machthaber.

Rache serviert man am besten mit dem Schwert

So verrückt ist die gechasste Heldin aber noch nicht, als dass sie ihre Rache ganz alleine angehen würde. Noch immer gibt es einige, die ihr treu ergeben sind. Und dann wären da ja auch noch ein flüchtiger Zwerg, ein versklavter Magier und ein ehemaliger Gladiator, die so tief in der Tinte stecken, dass man sie mit ein wenig Überzeugungskunst ganz schnell mit ins Boot holen könnte.

Die Rede ist hier natürlich von den Protagonisten aus Blackguards, die ihr Comeback im zweiten Teil auf sehr eigenwillige Art feiern. Sie haben sie sich in so tiefe Sinnkrisen gestürzt, dass es selbst Cassia nicht so leicht fällt, sie wieder zu alter Größe und Stärke zu führen.

Eine handvoll Helden macht aber noch lange kein Heer aus, das es mit den feindlichen Streitkräften aufnehmen könnte.

Fertigkeitsbäume dürfen nicht fehlen

Fertigkeitsbäume dürfen nicht fehlen und haben einiges an Überarbeitung erfahren.

Verlässliche Söldner müssen her, die für schlagkräftige Unterstützung in den wie gewohnt verteufelt schwierigen Kämpfen sorgen. Denn nur so könnt ihr neue Versorgungspunkte, Fähigkeiten, Händler und Verbündete frei schalten.

Wie praktisch, dass erst vor kurzem eine ganze Kompanie eingesperrt wurde und nur darauf wartet in einer heldenhaften Aktion befreit zu werden. Mit dieser Unterstützung wäre es doch gelacht, wenn man es nicht mit den gegnerischen Truppen aufnehmen könnte.

Die bleiben allerdings nicht passiv auf der Karte hocken, sondern starten auch Gegenangriffe und haben ganz nebenbei ziemlich starke Magie im Gepäck. Beschworene Golems, Untote und Insektoide sind nur Beispiele, für ihre vielfältigen Streitkräfte und es gilt die Macht über diese Kreaturen zu brechen, um auf lange Sicht eine Chance zu haben, Mengbilla zu erreichen und zu erobern.

In diesem Konflikt ist das letzte Wort also noch lange nicht gesprochen. Die skurrilen Antihelden sorgen für das übrige, immer wieder neues Konfliktpotential einzubringen. Denn manche Schlachten schlägt man nicht auf dem Feld, sondern am Lagerfeuer.

Die Ruhe vor dem Sturm

Dort ist dann auch der Ort zum Aufstocken der Vorräte, für Gespräche und Planung zwischen den einzelnen Gefechten. Außerdem werden hier die sporadischen Gefangenen gelagert, die so ein Feldzug mit sich bringt und die auf ein Verhör wartet. Dabei muss man geschickt die Informationen benutzen, die man in den Dialogen mit den anderen Charakteren erhält.

Auf diese Weise könnt ihr eure Gefangenen davon überzeugen, wichtige Details über den Gegner preis zu geben. Ob das letztendlich ausreicht, Cassias Rache zu verwirklichen, das liegt allein bei euch…

Fazit

Es fällt auf, dass sich Daedalic für Blackguards 2 auf seine Stärken besonnen hat. Die liegen nach wie vor in der Erzählkunst und das merkt man vor allem Cassia an. Die ist nicht nur glänzend vertont, sondern auch einmal so gar nicht der übliche weibliche Mainstream-Held.

Obwohl vom Schicksal geschlagen, ist sie keineswegs bemitleidenswert und braucht weder Oberweite noch Schönheit um ihre Ziele zu erreichen. Sie verwendet vor allem ihren kranken, aber intelligenten Verstand, dessen Verdrehtheit ab und an einen fürchterlichen Sinn ergibt (Cthulhu lässt grüßen). Die Kämpfe sind wie gewohnt bockschwer und sicherlich nicht jedermanns (und -fraus) Sache.

Im Vergleich zum ersten Teil hat sich Blackguards 2 allerdings von unnötigem Ballast getrennt. Zum Beispiel hält sich das Spiel nicht mehr eins zu eins an die DSA-Regeln, die zum Teil für unbarmherzige Würfelorgien sorgten, und verzichtet stattdessen ganz auf Attribute.

Dafür setzt es auf entschlackte Fähigkeiten und Zauber. Diese haben dann auch nicht mehr acht, sondern vier Stufen, wirken am Ende aber zum Teil etwas schwach. Das macht sich vor allem bei den Zaubern bemerkbar, aber auch bei den Fernkampffähigkeiten.

Im Großen und Ganzen ist Blackguards 2 mit seinen Antihelden vor allem für Strategen interessant, die wert auf eine interessante Geschichte legen. Für Neulinge kann das Spiel sehr schnell frustrierend werden, da man gesteigerte Werte nicht mehr rückgängig machen kann und sich Fehlentscheidungen deutlich bemerkbar machen.

Wer den ersten Teil nicht mochte, wird sich mit Blackguards 2 vermutlich auch nicht anfreunden können. Ansonsten sollte man dem Spiel eine Chance geben. Dessen charmant verwirrte Heldin lohnt es sich allemal kennenzulernen. Daher von mir eine klare Empfehlung.

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Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

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