Laufbahn eines Rollenspielers: Am runden Tisch


Er sollte Platz für Miniaturen, Karten, Würfel und Notizen bieten. Manchmal quillt er aber auch über mit Chips, Flips und Süßigkeiten. Beim Rollenspiel wird kaum ein Gedanke daran verschwendet und doch ist er so wichtig: der Tisch.

Als ich damals zum besten Hobby der Welt gefunden habe, stellte ich mir viele Fragen. Wie soll mein erster Charakter aussehen? Soll es ein Mensch, ein Elf oder etwas viel exotischeres sein und wie kann ich das schlüssig darstellen? Was soll er besonders gut können und lassen sich mit den Regeln des Systems meine Wünsche umsetzen? Wie wird er sich wohl im Verlauf der Kampagne entwickeln und welche Werte werde ich beim ersten Stufenanstieg verbessern?

In meinem Kopf entstanden schon wilde Szenarien , bevor überhaupt das erste Mal gespielt wurde und damals rangierte das Wo – also der Ort des Rollenspiels – ganz weit hinten, Hauptsache es wurde gespielt, egal wie und egal womit. Wenn man keine anderen Würfel zur Hand hatte, ließ sich fast alles mit einem stinknormalen W6 simulieren. Radiergummis, Stifte und Anspitzer wurden zu Geländemerkmalen und Miniaturen. Improvisation war eine nötige Tugend und manchmal wurde sogar die ganze Kampagne von vorne bis hinten spontan aus dem Stegreif erfunden. Je nach Spielleitung und dem individuellen schauspielerischen Talent kann das dann durchaus unterhaltsam oder einfach nur sehr schlecht sein.

Mit den Jahren wird man schlauer und merkt welche Vorzüge ein Abend im Spielkeller gegenüber dem Rollenspiel im Pausenhof hat. Noch mehr lernt man dabei gutes Material wie passende Würfel und vor allem einen ordentlichen Tisch zu schätzen. Der Spieltisch ist nämlich nicht weniger als der Mittelpunkt des Geschehens jedes Rollenspiels und muss dabei einigen Kriterien gerecht werden.

Der Mittelpunkt des Rollenspiels

Ein recht großzügiger Tisch für die Rollenspieler von Welt.

Ein recht großzügiger Tisch für die Rollenspieler von Welt (beziehungsweise in diesem Fall Berlin).

Natürlich muss er groß genug sein, damit jeder Spieler nebst Charakter Platz darauf findet. Im Regelfall braucht der Spielleiter mehr Fläche als die Spieler. Bei den ganzen Büchern, Notizen und Unterlagen wird es schnell eng, wenn nur ein gewöhnlicher Esszimmertisch zur Verfügung steht. Braucht man im Spielverlauf mehrere Referenzen, etwa um Regeln zu überprüfen, kann das hantieren auf kleinen Raum schnell zur Gratwanderung werden. Und ist dann auch noch der Proviant der Spieler auf dem Tisch, endet Kartenmaterial auch mal in der klebrig-verschmierten Hölle der persönlichen Patzer.

Zu groß sollte er aber auch nicht sein. Das wird dann schnell unpersönlich und sollte der Spielleiter die Spieler oder die Spieler den Leiter aus den Augen verlieren, überschlagen sich plötzlich die glücklichen Würfe und kritischen Treffer. Mittelsmänner und Kameraüberwachung haben sich bislang am Tischrollenspiel nicht durchsetzen können und ich hoffe auch, dass das so bleibt.

Durchaus praktisch ist es auch, wenn sich der Tisch umrunden lässt. Entweder für die, die zwischendurch den durch Cola und Co. vorherbestimmten Weg zum Porzellan nehmen müssen oder aber auch für den Spielleiter, wenn er aktiv für Stimmung sorgen will. Also wenn der Leiter weniger auf Frontalleiten setzt und den Raum nutzen will.

Wer das Geld übrig hat kann mit einem Beamer die Umgebung auf den Tisch projizieren.

Wer das Geld übrig hat kann mit einem Beamer die Umgebung auf den Tisch projizieren. (Quelle: imgur.com)

Oder besser gleich eine Highend-Lösung? In den letzten Jahren hat sich eine Menge getan, so gibt es Beispielsweise Tische auf die Karten mit Lichtanlagen projiziert werden können oder die mit LED-Beleuchtung arbeiten, mit der sich die Spielumgebung darstellen lässt. Das spart Platz, geht aber kräftig ins Geld.

Auch das Material des Tisches kann eine wichtige Rolle spielen und zur Stimmung am Spielabend beitragen. Bei einem mittelalterlichen Szenario macht ein Holztisch einen besseren Eindruck, als die Variante aus Metall oder Plastik. Ganz anders könnte das aber bei einem Ausflug im Cyberpunk sein.

Eine Sache ist aber immer wichtig: stabil sollte er sein. Nichts ist frustrierender als ein Tisch, der unter der Last des neuesten Regelwerks spontan zusammen und dabei alle Charakterbögen, Karten und Figuren mit sich reißt. Das ist kein schöner Anblick, kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

Letztendlich hat alles seine Vor- und Nachteile, aber die Rollenspielwelt speist sich vor allem aus Erfahrungen und daher gebe ich die Frage an euch weiter: Wie sieht der perfekte Rollenspieltisch für euch aus und wo habt ihr ihn  gefunden?

Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

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