Roguelikelikelikelike mit DSA-Lizenz-Verramschung


DSA Skilltree Saga ist ein interessantes Artefakt. Es ohne eine gewisse Wut zu betrachten, eröffnet einige interessante Analysemöglichkeiten, die ich in diesem Text nutzen möchte. Es würde leicht fallen, das Spiel von vornherein zu hassen – schließlich verkauft es sich auf einer ganzen Reihe von offensichtlichen und ziemlich dreisten Lügen. Dennoch gibt es Dinge, die ich verteidigen kann, wenn ich das möchte. Aber fangen wir von vorne an.

Natürlich hat dieses Spiel nichts mit dem Schwarzen Auge zu tun. Das Ganze wurde offenbar entwickelt, danach an einigen Stellen das DSA-Logo eingefügt und einige Bezeichnungen mit Sachen aus den verschiedenen Regelbüchern ersetzt. Das ist natürlich Bullshit. Aber die Entwickler dieses äußerst amateurhaft wirkenden Produktes tragen dabei nur einen kleinen Teil der Schuld. DSA-Fans: Wenn Ihr auf wen sauer sein wollt, dann auf die Rechteinhaber der DSA-Lizenz, die ihr Intellectual Property als brutaler Zuhälter offenbar für Ramschpreise auf den Straßenstrich schickt.

Nicht DSA.

Nicht DSA.

Die Macher von Skilltree Saga haben sich nur ein wenig mehr Aufmerksamkeit erhofft. Und vermutlich nicht einschätzen können, in was für ein Wespennest aus Nerdigkeit man mit der DSA-Lizenz stoßen kann. Ich weiß, wovon ich rede: Ich stehe bei zwei offiziell lizenzierten DSA-Spielen in den Credits. Als PRler war ich derjenige, der sich mit den wutschäumenden Fans rumschlagen durfte, weil zum Beispiel Memoria keine direkte Fortsetzung der DSA-Rollenspiele aus den 90ern ist. Und da war die Welt noch sehr originalgetreu umgesetzt…

Lügen über Lügen

Das Setting ist nicht die einzige Lüge, auf der sich Skilltree Saga verkaufen möchte. In der offiziellen Beschreibung lese ich „Roguelike-Elemente“, weshalb ich diese Review überhaupt bekommen habe. Ich gehe mit dem Begriff „Roguelike“ schon sehr locker um aber das hier… Eine lineare Aneinanderreihung von Encountern ist definitiv nicht Roguelike, nur weil die Reihenfolge der Gegner zufällig ist. Und wo zur Hölle ist mein Permadeath?

Selbst die Einstellungsoptionen von Skilltree Saga lügen, was vermuten lässt, dass dieses Spiel irgendwann in seiner Entwicklung mal anders funktioniert haben mag. Beim ersten Start wurde ich aufgefordert, Tasten für Bewegung und Angriff zu definieren. Diese werden im Spiel nirgends verwendet. Wozu auch, denn das Ganze läuft eigentlich von selbst.

Devil’s Advocate

Kommen wir jetzt zur Verteidigung von Skilltree Saga. Denn unter all den Lügen steckt ein Spiel, das für einige Leute durchaus interessant sein könnte. Leider wird es diese Leute niemals erreichen, da sein Selbstbild und besagtes Lügengerüst diese Zielgruppe definitiv abschrecken dürfte. Dumm gelaufen, Headup Games PR & Marketing-Mensch Gregor Ebert (aus den Credits entnommen).

Im Spiel wählt Ihr aus einer von drei Charakterklassen aus, die sich im Gameplay allerdings praktisch nicht unterscheiden. Dann kommt Ihr über eine Karte in lineare Dungeons, die einfach eine Aneinanderreihung von Kämpfen sind. Jeder Kampf geht über sechs Aktionen. Da Ihr am Anfang noch kaum Spezialattacken aus dem eponymen Skilltree freigeschaltet habt, sind die meisten davon reguläre Angriffe. Später allerdings habt Ihr eine größere Auswahl an magischen Attacken, Blocks, Heilkräften und Spezialangriffen. Diese müsst Ihr vor dem Kampf auswählen – die Kämpfe laufen automatisch ab.

Besagter Skilltree

Besagter Skilltree

Genau in der Reihenfolge dieser Attacken liegt das eigentliche Spiel. Dies fällt vor allem bei den Bosskämpfen auf: Auch Gegner können Spezialattacken durchführen und tun dies immer in derselben Reihenfolge. Wisst Ihr dies, könnt Ihr beispielsweise Euren Block gegen den stärksten Angriff des Gegners abpassen und dann eine Kombination aus Abwehrreduktion und massiver Attacke planen. Leider ist diese komplexere Mechanik im Spiel nirgendwo wirklich erklärt und das Interface ist dabei auch nicht gerade hilfreich.

Loot wie Waffen und Rüstungen verbessern die Werte, die Euren Attacken zugrunde liegen und jede Exkursion in ein Dungeon kostet Gold. Es gibt auch noch die zweite Währung Diamanten. Dazu später mehr. Mit steigenden Levels bekommt Ihr bessere Charakterwerte und könnt mehr Fähigkeiten auf dem Skilltree freischalten oder verbessern. Soviel zu den Rollenspielelementen.

Ein Browsergame vielleicht?

Dieses Spielprinzip beinhaltet natürlich insgesamt nicht gerade viel Interaktion. Dennoch erfreut es sich in einem anderen Genre einer Millionenschaft von Spielern: Browsergames. Shakes & Fidget – Das Browsergame zum Beispiel funktioniert nahezu identisch, lässt den Spieler allerdings keine Spezialangriffe auswählen. Auch das aktuell stark beworbene Big Bang Empire läuft ähnlich ab – vermutlich, weil es letztlich nur Shakes & Fidget mit einer anderen Skin ist.

Ebenfalls an Browsergames erinnern besagte Diamanten. Diese wären in einem Browsergame die Premium-Währung, für die Bargeld fällig wird oder man Werbevideos kucken muss. Auch in Skilltree Saga gibt es Dinge, die nur für Diamanten erhältlich sind. Das ist allerdings bei einem offline-Spiel etwas nervig. Auch die Achievements sind sehr browsergamehaft – sogar mit ihren dank Autokorrektur verhackstückten Composita.

Nice Job, Microsoft Word!

Nice Job, Microsoft Word!

Fazit

Ich glaube, es gibt da draußen durchaus ein Publikum für das Gameplay von DSA Skilltree Saga. Gewohnt an Flash-Browsergames würden diese Leute vermutlich sogar von den recht amateurhaft wirkenden Unity-Grafiken beeindruckt sein, weil sie in 3D sind. Allerdings wird dieses Publikum das Spiel unter seinem Lügenkostüm niemals zu sehen bekommen. Ob das schade ist, sei hier mal dahingestellt. Für mich riecht das Ganze nach einem absoluten Bitch-Job in der Entwicklung und beim Marketing. Von mir definitiv keine Kaufempfehlung – so etwas bekommt Ihr anderswo auch umsonst und ohne missbrauchte DSA-Lizenz. Definitiv also Schrott, das Spiel. Mehr braucht man auch nicht sagen.

Was bedeutet diese Wertung? Das erfahrt ihr nach einem Klick.

Marten Zabel

Marten Zabel

Bewertet Dich anhand Deiner Spiele, Serien und Rechtschreibung, wenn er nicht gerade selbst Spiele designt oder von größeren Dingen träumt.
Hauptthemen: Pen & Paper, Games, Brettspiele

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