Wenn Nanobots die Herrschaft wollen


Grey Box und Petroglyph schicken sich mit Grey Goo an, den Klassenprimus der Sci-Fi-Strategiespiele Starcraft vom Thron zu stoßen. Zumindest versuchen Sie es.

So könnte eine menschliche Basis aussehen. Schön aufgeräumt und alles immer mit Leitungen verbunden.

So könnte eine menschliche Basis aussehen. Schön aufgeräumt und alles immer mit Leitungen verbunden.

Tatsächlich war Starcraft nach Age of Empires das erste Strategiespiel, dass ich wirklich viel und lange gespielt habe. Man kann sagen was man will, aber Blizzard hatte damals mit den Protoss und vor allem den Zerg zwei außerirdische Rassen geschaffen, die das Strategiespiel wirklich interessant und spannend machten.

Aber hier solle es ja nicht um Starcraft gehen, sondern um Grey Goo. Und was die Rassen und die Unterschiedlichkeit dieser angeht, setzt dieses Spiel sogar noch einen oben drauf. Die drei Rassen Menschen, Beta (Außerirdische) und dem namensgebenden Goo erfordern nicht nur unterschiedliche Strategien, sondern spielen sich grundsätzlich verschieden.

Vom „Eingraben“ der Menschen über die vielen kleinen Basen der Betas bis hin zu den Nanobots im Goo, die sich einfach selbst reproduzieren und gar keine Gebäude brauchen, besticht das Spiel mit Abwechslung. Doch beginnen wir von vorne: Was ist das Goo eigentlich?

Graue Schmiere verzehrt alles

Das Grey Goo-Szenario (oder auch Graue-Schmiere-Szenario) ist eine rein hypothetische Überlegung, wie die Welt untergehen könnte. Bei diesem Szenario geraten winzige Nanoroboter außer Kontrolle und reproduzieren sich selbst. Dabei verbrauchen sie alle Ressourcen und überschwemmen die Erde mit sich selbst, was dann an eine zähflüssige Masse, eben Schmiere erinnert.

Die Beta wehren sich mit schwerem Gerät gegen das Goo in Form von Kampfläufern.

Die Beta wehren sich mit schwerem Gerät gegen das Goo in Form von Kampfläufern.

Diesem Szenario entspringt auch das Goo im Spiel. Es wurde von den Menschen – ja, es waren einmal mehr die Menschen – ursprünglich als eine Art Scout (oder wie es in der Übersetzung heißt „Pfadfinder“) ins All geschickt, um Daten über Planeten und außerirdisches Leben zu sammeln. Irgendwann zogen sich die Menschen wieder zurück und konzentrierten sich auf die Erde. Dabei deaktivierten sie das Goo –dachten sie zumindest.

Doch die Geschichte beginnt mit den Beta, einer gestrandeten außerirdischen Rasse, die mit Hilfe eines Raumschiffs den Kosmos bereisen und nach weiteren Kolonien des eigenen Volkes suchen will. Denn sie sind vor vielen Jahren vor den „Schweigsamen“ von ihrer Heimatwelt geflohen. Bei einem Wurmlochtest geschieht ein Unglück und die Beta werden angegriffen.

Wer mit wem gegen wen?

Zunächst vermuten sie die Schweigsamen hinter dem Angriff, da ihnen die angreifenden Maschinen fremd vorkommen. Die Beta sind dabei eine fast schon typische fortgeschrittene Alien-Rasse, die allerdings nicht auf große Ressourcen zurückgreifen kann. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man ihre Einheiten und Gebäude ansieht. Alles sieht schmutzig und auch schon etwas älter aus. Dennoch können sie durch ihre vergleichsweise hohe Mobilität punkten. Und im Spiel auf fast der ganzen Karte Gebäude errichten und sich so Stück für Stück vor arbeiten.

Die Beta (links) setzen sich gegen die Drohnen-Kampfgeräte der Menschen (rechts) zur Wehr.

Die Beta (links) setzen sich gegen die Drohnen-Kampfgeräte der Menschen (rechts) zur Wehr.

In der Kampagne stellt der Beta-Kommandant schnell fest, dass es sich bei den Angreifern nicht um die Schweigsamen handelt, sondern um eine bisher unbekannte Rasse: die Menschen. Diese sehen sich (wie irgendwie immer) im Recht bei ihrer „Forschungsmission“ (mit Kampfdrohnen, Panzern, Kampfflugzeugen und so) und wehren sich gegen die Beta (böse Wilde?).

Dann taucht jedoch das Goo auf, also die schon zuvor erwähnten Nanoroboter, die scheinbar den ganzen Planeten „fluten“ wollen und sich alles, was ihnen in den Weg kommt einverleiben. Die Beta vermuten die Menschen dahinter, die Menschen wiederum die Beta. Es kommt, wie es kommen musste: Wenn zwei sich streiten, freut sich das Goo. Irgendwann verstehen auch die beiden Kontrahenten, dass das Goo scheinbar den wahren Feind darstellt und verbünden sich.

Was hat es mit den Schweigsamen auf sich?

Doch auch das Goo hat einen Plan. Und der hat nur bedingt etwas mit der Auslöschung allen Lebens zu tun. Dadurch entbrennt ein großer Kampf zwischen den drei Fraktionen. Die große Frage, die sich mir als aufmerksamen Kampagnen-Spieler stellte war: Wer oder was zum Geier sind diese immer wieder erwähnten Schweigsamen? Eine vierte geheime Fraktion oder doch nur ein anderer Name für Roboter?

Die epische Einheit der Beta verschießt gigantische Sprengköpfe. Dann entstehen so schöne Explosionen.

Die epische Einheit der Beta verschießt gigantische Sprengköpfe. Dann entstehen so schöne Explosionen.

Ich kann euch schon einmal so viel verraten: Trotz des kompletten Durchspielens der Kampagne, weiß ich es immer noch nicht. Ein Add-on oder gar zweiter Teil winkt mit zwei Fahnen am Ende der letzten Cutscene.

Die Kampagne ist also generell gut und vor allem sehr fordernd. Ich musste mehrere Missionen immer wieder neu anfangen, weil ich einfach zugrunde ging. Mal gegen die Goo, die einen ganz gerne gleich in den ersten fünf Minuten überrennen (Zerg lassen grüßen), aber auch mal als Goo, weil mich der Gegner mit Artillerie, Fliegern und schweren Panzern an mehreren Fronten gleichzeitig angriff. Nicht besonders leicht, wenn man keine Verteidigungsgebäude hat.

Im Internet gegen die Welt

Doch nach der Kampagne ist vor dem Multiplayer-Match. Dazu gibt es allerdings nicht besonders viel zu sagen. Ihr könnt in zwei Teams gegeneinander oder gegen Bots antreten. Die größten Karten im Moment sind für vier Spieler angelegt. Alle haben ihre eigenen Tücken und müssen entsprechend unterschiedlich gespielt werden. Mal gibt es einen Eingang, den man mit Einheiten und Verteidigungsgeräten bewachen kann, mal gibt es viele kleine.

Wenn nichts mehr hilft, holen die Menschen ihren Laserstrahlen verschießenden Alpha. Teuer aber vernichtend.

Wenn nichts mehr hilft, holen die Menschen ihren Laserstrahlen verschießenden Alpha. Teuer aber vernichtend.

Wenn ihr die Herausforderung sucht, dann ist dies kein Problem. Man findet relativ schnell Mit- und Gegenspieler für Multiplayer-Matches. Außerdem könnt ihr bei den Computergegnern nicht nur die Schwierigkeit einstellen, sondern auch ihr Verhalten: Von Defensiv über Aggressiv bis hin zur Wirtschaftskraft ist alles vertreten. Eine nette Idee, die hier einmal etwas mehr Variation rein bringt.

 

Fazit

Generell kann ich sagen, dass Grey Goo Spaß macht und für mich das Genre der Sci-Fi-Strategiespiele bereichert. Die Kampagne macht auch noch was her, was bei Strategiespielen nicht immer der Fall ist. Das einzige Manko dabei ist, dass Kampagnen-spezifische Einheiten fehlen. Es gibt keine Helden auf dem Schlachtfeld, nur Soldaten und Kanonenfutter. Da hätte Grey Box ruhig noch einen kleinen Blick Richtung Starcraft wagen können. Dennoch muss sich Grey Goo nicht hinter Blizzards Titel verstecken und ist wirklich sehr unterhaltsam.

Was bedeutet diese Wertung nun? Eine grobe Einschätzung findet ihr hier.

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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