Ein Final Fantasy sie alle zu binden


Wie viele andere Spieler habe auch ich eine innige Beziehung zur Final Fantasy-Reihe. Leider hat das Franchise durch einige durchwachsene Teile nicht mehr die Bedeutung, die es einmal hatte.  Aber auch wenn die nummerierten Final Fantasy-Teile nicht die sicheren Hits sind, die sie einmal waren, gibt es nach wie vor viele interessante Spiele abseits der Hauptlinie.

Eines davon ist Final Fantasy Type-0, das bald für die neue Konsolengeneration neu aufgelegt wird. Ich hatte die Gelegenheit, diese Neuauflage im Rahmen eines Besuches bei Square Enix unter die Lupe zu nehmen.  Aber bevor ich euch erzähle, was mich dort erwartete, sollte ich einiges erklären:

Der weite Weg eines Spiels

Final Fantasy Type-0 hat einen relativ weiten Weg auf sich genommen, bevor es in der aktuellen Version endlich in den Westen kam. Angekündigt wurde es zusammen mit Final Fantasy XIII als Final Fantasy Agito XIII und Teil der Fabula Nova Christalis Initiative. Mit dieser versuchte Square Enix , ein ganzes Franchise rund um Final Fantasy XIII zu schaffen.

Nachdem Final Fantasy XIII nicht den Anklang fand, auf den Square Enix hoffte, wurde das Konzept geändert und das als Mobile Game geplante Agito XIII stattdessen unter dem Titel Type-0 für die PSP veröffentlicht. Da sich diese außerhalb Japans schlecht verkaufte, wurde bislang von einer Veröffentlichung im Westen abgesehen. Bis jetzt zumindest, denn Square Enix wird es nun am 20. März mit verbesserter Grafik auf die PS4 und die Xbox One bringen. 

Gleich zu beginn bricht Krieg aus, mit all seinen Konsequenzen.

Gleich zu beginn bricht Krieg aus, mit all seinen Konsequenzen.

Was sofort zu Beginn des Spieles auffällt, ist der im Vergleich zu anderen Teilen ernstere Ton: In der Introsequenz wird das Königreich der Protagonisten Schauplatz eines Krieges, als ein feindliches Land mit Hilfe von Magie und schwerem Geschütz einmarschiert. Anders als in ähnlichen Spielen, in denen man Explosionen sehen würde, der Tod von Hunderten allerdings nie wirklich thematisiert wird, wählt Type-0 einen anderen Weg.

Schrecken des Krieges

Schon nach wenigen Minuten werden die ersten Schüler einer Militärakademie brutal von feindlichen Soldaten getötet. Einer davon stirbt zusammen mit seinem Chocobo(!), während er weinend im gemeinsamen Blut liegt. Eindeutig nicht die Art von Intro, die man in einem Final Fantasy erwartet. Was mich außerdem überrascht, ist welche  Ernsthafftigkeit und Schwere diesen Elementen verliehen wird. Es artet aber nie in melancholisches Gejammer aus, wie es in vielen JRPGs zu sehen ist. Viel mehr verdeutlicht es die Schrecken des Krieges und wirkt somit authentisch und erwachsen. Wenn man das Chocobo mit einem Pferd und die Magie mit einem Karabiner austauschen würde, könnte man meinen, man schaue einen Film über den ersten Weltkrieg.

Die Geschichte scheint sehr politisch gehalten zu sein. Mehrere Parteien, die in mehr oder weniger problematischen Beziehungen zueinander stehen, wollen ihr Einflussgebiet ausbauen.  Der Spieler übernimmt die Kontrolle über die Class-0, eine Eliteklasse der Militär-/Magieschule der Republik Rubrum. Diese lehrt neben dem Gebrauch von Schuss- und Schlagwaffen aller Art auch Magie. Jeder der 14 spielbaren Charaktere hat eine andere Waffe, die er bevorzugt, weswegen jeder einzelne eine individuelle Spielweise bietet.

Ein weiterer Unterschied zu klassischen Final Fantasy-Spielen ist das Kampfsystem. Die Kämpfe laufen komplett in Echtzeit ab. Es gibt keine Runden, kein Active Time Battle, keine Zugreihenfolge. Nur den Spieler und sein Geschick.  Dieser kann drei Charaktere gleichzeitig in den Kampf schicken und zu jeder Zeit zwischen ihnen wechseln. So ist es möglich Scharfschützen mit einem eigenen Distanzkämpfer von Dächern zu holen, um daraufhin zu einem Nahkämpfer zu wechseln.

Critical Hit

FF-Type-0-Battle

Die Kämpfe laufen, untypisch für Final Fantasy, in Echtzeit ab.

Final Fantasy Type 0 spielt sich sehr dynamisch und flott, mit einer Einschränkung: Die Kameraführung macht einen hakeligen und ungenauen Eindruck. In den Kämpfen fällt das kaum auf, da man Gegner immer anvisiert. Bei der Erkundung der Umgebung ist es jedoch hinderlich. Vielleicht kann man dies durch ein Umstellen einiger Optionen beheben, dafür hatte ich allerdings in meiner kurzen Testzeit bei Square Enix nicht die Gelegenheit.

Im Kampf erlaubt das Spielsystem, Gegner mit einem einzigen Angriff zu besiegen. In unregelmäßigen Abständen blinkt ein Cursor auf, der erscheint, wenn man Gegner per Kamera-Lock-on anvisiert. Wenn man in diesem Moment den Gegner angreift, wird er -untermalt von einem sehr befriedigenden Soundeffekt- sofort besiegt. Bei sehr starken Gegnern reicht das zwar nicht ganz, aber sie verlieren einen großen Teil ihrer Energieanzeige.

Wie erwähnt spielen sich die Charaktere recht unterschiedlich. Ich stellte mir beispielsweise meine Partie aus einem sehr starken, mit einem Katana bewaffneten, jedoch langsamen Krieger und einem flinken, mit Pistolen bewaffneten Schützen zusammen. Die Schwäche des einen wurden durch die Fähigkeiten des anderen Party-Mitgliedes ausgeglichen. Aus den 14 verfügbaren Charakteren ergeben sich so viele Kombinationen, dass für jeden Geschmack und jede Situation etwas dabei ist!

Verbesserungen zum PSP-Ursprung

Zwischen den Missionen könnt ihr in der Militärakademie frei umherlaufen, bestimmte Ereignisse auslösen oder Sidequests bestreiten.  Es gibt eine frei begehbare Oberwelt, auf der ich mich bewegen musste, um zu meiner ersten Mission nach dem Intro zu gelangen.  Wer also befürchtet, dem Titel würde es durch seine Ursprünge als Handheldspiel an Umfang fehlen, den kann ich beruhigen: Es scheint sogar ein deutlich offeneres und größeres Spiel zu sein als die letzten paar Final Fantasy-Spiele auf der Konsole, die eher linear und einschränkend ausfielen.

Im Vergleich zur PSP-Version wurde etwas an der Grafik poliert.

Im Vergleich zur PSP-Version wurde etwas an der Grafik poliert.

Ein Spielelement welches auch ohne große Veränderungen überzeugt, ist der Sound: Der Soundtrack des Spiels unterstreicht mit seinen imposanten und sehr einprägsamen Melodien hervorragend die Geschehnisse und muss sich hinter den legendären Soundtracks anderer Final Fantasies nicht verstecken. Ein Aspekt des Sounds, der durchaus verändert wurde ist die Sprachausgabe. Das Spiel beinhaltet erstmals eine englische Tonspur, die sehr gelungen rüberkam. Puristen können allerdings die original japanische Synchro anwählen und mit deutschen Untertiteln spielen.

Während es keine inhaltlichen Veränderungen zur PSP-Version gibt, hat sich visuell einiges getan. Die spielbaren Charaktermodelle wurden drastisch aufpoliert, die Texturen verbessert, die Szenerie mit modernem Licht und Schatteneffekten bestückt. Die Effekte bei Explosionen und Zaubersprüchen sehen teilweise sehr beeindruckend aus.

Leider haben nicht alle Teile des Spiels die gleiche Aufmerksamkeit erfahren. Während spielbare Figuren sehr gut aussehen, haben die meisten NPCs im Spiel (also nicht wir) lediglich besser skalierte Texturen und etwas Schimmer durch aktuelle Shader erhalten. Vor allem im Vergleich zu den Spielercharakteren wirken diese etwas Fehl am Platz und erinnern mich an Playstation 2 Charaktere.

Dadurch kann das Spiel grafisch sicher nicht mit aktuellen Titeln mithalten, das Gameplay ist allerdings sehr unterhaltsam und die Story auf Anhieb interessanter als die der letzten nummerierten Final Fantasies.

Wer bisher nicht die Gelegenheit hatte Type-0 zu spielen (also ziemlich jeder außerhalb Japans), bekommt hier die eindeutig beste Version des Spiels geboten. Zusätzlich gibt es sogar noch eine Demo zum heiß erwarteten Final Fantasy XV, welche laut Square Enix mit etwa vier Stunden durchaus umfangreich ausfallen soll. Es gibt also genügend Gründe sich auf den 20. März zu freuen, wenn Final Fantasy Type-0 seinen langen und steinigen Weg in den Westen endlich abschließt.

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Dominik Krawczyk

Dominik Krawczyk

Games for life. Das ist Dominiks Devise. Wenn er gerade nicht irgendwas zockt, dann spricht und schreibt er darüber.
Hauptthemen: Games

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