Bericht von der Endzeitcon Bastion Beauregard: On enemy territory Teil II


Vom 13. bis zum 15. März fand in Remagen die Endzeit-LARP-Convention Bastion Beauregard: On enemy territory statt. Unser Redakteur Alexander Dorrenbach war dort und hat sich durch die endzeitliche Welt gekämpft. Hier berichtet er weiter von seinen Abenteuern.

Ihr habt Teil 1 verpasst? Dann lest ihn euch hier als erstes durch und kommt dann wieder.

Die Mensa II

Das Hämmern, immer wieder dieses Hämmern. Es dröhnt in meinen Ohren und wir sind ihm nahe. Vor mir das wiederkehrende Geschrei meiner Männer, donnernde Befehle des Sergeant Major und dazwischen dieses hämmernde Geräusch.

Ein naher Tisch bot einen Einblick, wie sich die hier stationierten Argus-Agenten gefühlt haben müssen. Eine Pistole, eine Bibel…Blut, das Buch war getränkt damit. Ein Aufnahmegerät und Kassetten…Kassetten!

Der Hauptmann schien dasselbe zu denken und drückte mir die beiden Bänder nebst Aufnahmegerät in die Hand. Das Tagebuch eines Argus Inspektors: Das erste Tape befasste sich fast ausschließlich mit seinem Alltag. Ein Bürokrat wie er im Buche steht. Das Schwärmen über eine Frau, die in einem anderen Bereich arbeitete, und dass es in der Kantine heute Bohnen gab. Das half uns nicht weiter. Verdammt!

Ich setzte meinen Weg fort. Einige Männer hatten angefangen die Überreste der einstigen Bar auszuräumen. Einen Drink könnte ich auch gebrauchen! Mit dem einem Ohr am Recorder tastete ich nach meinem Flachmann… leer. Natürlich!

Vielleicht hatten die Männer so etwas wie Whisky gefunden. Dann würden meine Hände endlich aufhören zu zittern. Ich kam gerade am Ende des zweiten Bandes an, als lautes Geschrei vom anderen Ende der großen Halle zu hören war.

Wo waren diese Dinger hergekommen? Sie schienen sich durch jede Ritze des Bunkers zu quetschen und im Dunkeln zu lauern. Alarmsirenen…? Das Band! Für einen Moment vermischten sich der Kampflärm meiner Umgebung mit dem Alarm und dem Geschrei auf dem Tonband. Er spricht vom Kollektiv. Kollektiv, so nannte sich also unser Angreifer.

Ich feuerte meine Pistole im Takt des immer noch hämmernden Geräusches ab und traf etwas. Hoffentlich war es ein Gegner! Das Tonband ging in ein scheinbar endloses Rauschen über, während das monotone Hämmern blieb. Ich wurde aus meinen Gedanken aufgeschreckt. Die Truppen hatten den nächsten Raum eingenommen…endlich.

Vorstoss zur Kapelle

Vorstoss zur Kapelle

Die Kapelle

Was einmal die Bunkerkapelle gewesen war, entpuppte sich nun als das perverse Abbild eines Gotteshauses. Schädel, Fleischreste von denen ich nicht wissen wollte woher sie stammten, eine Ansammlung von Schneidewerkzeugen und eine dieser uralten Daten Discs mit der Aufschrift „SAW“. daneben Lagen weitere Kassetten und eine alte Musikbox, aus der das dröhnende Hämmern klang. Ich beendete es mit einem festen Tritt. STILLE! Endlich.

Wir richteten eine Verteidigungslinie ein und verlagerten das behelfsmäßige Lazarett in die Kapelle. Ein kurzer Moment des Verschnaufens. Ich schnappte mir eine der Flaschen aus dem Beutezug der Bar. Bier, naja, besser als nichts. Als ich die Flasche ansetzte konnte ich über ihren Boden hinweg zur nächsten Tür sehen. In der Mensa gab es zwei weitere Türen. Also hatten wir drei Möglichkeiten.

Das Schott vor uns war mit einem Zahlencode versehen. Eine der beiden Türen in der vorgelagerten Mensa wurde von drei einzelnen Schlössern versperrt. Den letzten Durchgang versiegelte ein Schott ohne erkennbaren Schließmechanismus.

Viele der Soldaten waren verletzt. Müde starrten die Verbleibenden ins Dunkel, darauf wartend, dass sich aus der nächsten Ecke eines dieser kybernetischen Monster schälte. Zeit die weiteren Bänder, die sich mittlerweile in meinem Besitz befanden, anzuhören. Die erste barg eine wirklich scheußliche Musik, die allein gereicht hätte mich dem Wahn auszuliefern.

Ich warf das Band hinter mich und widmete mich der nächsten Kassette. Es stammte offenbar vom selben Argus-Inspektor. Er beschrieb, wie sie immer weniger und ihre Leute verschleppt wurden. Sie hatten sich im Kühlraum verschanzt. Letztendlich nahmen sie sich nach und nach selber das Leben, um nicht das Opfer dieser Freaks zu werden. Einzig er war noch übrig. Er wiederholte einen Code – wie einladend.

Ein grausamer fund!

Ein grausamer Fund!

Die Kühlkammer

Ein Code, ein Schloss. Offenkundig war es die Tür gegenüber der Kapelle. Zug II bildete dieses Mal die Speerspitze. Wir tippten den Code ein und wurden belohnt. Ein leises Klicken signalisierte unseren Erfolg und Sekunden später schob sich das Schott knarrend auf. Der Anblick, der sich uns bot, ließ uns das Blut in den Adern gefrieren. Auf einer schimmligen Pritsche in der Kühlkammer lag eine Soldatin der Armee…

Weiter kamen meine Gedanken nicht. Mit dem ersten Schritt in diesen Raum schloss sich etwas um ihren Kopf. Eine bösartige Konstruktion voller Stacheln. Eine Eiserne Maske? Das Bluts spritzte. Es quoll aus Augen und Mund. Mein Magen machte Anstalten sich zu entleeren. Nur mit Mühe konnte ich den Brechreiz unterdrücken. Ein abartiger Anblick.

Ein Mann stürzte an mir vorbei in Richtung der Pritsche. „Richtig,“ erinnerte ich mich, „der Kerl den wir im Leichensack in der Küche gefunden hatten.“ Ich hatte ihn schon ganz vergessen. Er brach zusammen, blickte zur blutverschmierten Uniform und brachte einzig ein Wimmern heraus. Eine Freundin, eine Geliebte? Im Nachhinein mag es kalt klingen, doch ich war froh, dass es niemand meiner Soldaten war. Wir fanden einen Schlüssel und ein weiteres Tape bei der Toten. Ich beschloss den Raum zu verlassen. Egal was ich bereits gesehen hatte, das Gefühl des Ekels und die Übelkeit verrieten mir, dass ich nicht vollends abgestumpft war.

Wir schlossen die Kühlkammer und niemand wagte einen weiteren Blick hinein. Ich schob das nächste Band in das Abspielgerät.

„Wenn du das hörst, wird SIE schon tot sein. Ich möchte ein Spiel mit dir spielen. Ihr alle seid mir in die Falle getappt. Und wer weiß, vielleicht seid ihr es wert, zu einer höheren Lebensform aufzusteigen.“

Das überhebliche Lachen der Stimme auf diesem Band ließ mich innerlich kochen und ich trat wütend gegen eine der Bänke in der Kapelle. Die Stimme fuhr fort und berichtete in freudigem Ton, dass dies alles geplant gewesen sei. Dieses Loch, uns hierher zu locken, einfach alles!

Ich ging auf und ab, während meine Gedanken rasten. Wer auch immer dieser Kerl war, dies waren seine Geschöpfe und dies war sein Spiel! Die Argus, gegen die wir hier kämpfen wollten, und die Gefangenen, die wir befreien wollten – alles Teil dieses Spiels. Vermutlich aber nicht freiwillig!

Vor Wut schäumend machte ich Meldung beim Hauptmann. Äußerlich schien er ruhig zu bleiben. Doch ich bin mir sicher, dass er innerlich ebenso kochte wie ich. Unruhe breitete sich unter den Männern aus, als einer der zuvor verschwundenen Soldaten scheinbar ziellos auf unseren Wachposten zu torkelte. Zwei Soldaten nahmen ihn in Gewahrsam und übergaben ihn unsrem ohnehin schon völlig ausgelasteten Doc.

Was war das da an seinem Kopf? Ich sah dem Doc über die Schulter der ebenso ratlos schien. Dem Soldaten war eine skurrile Apparatur an seine Stirn gepflanzt worden, offenbar mit Drähten in seinem Gehirn verankert. Diese Kybernetik ähnelte jener, die wir an den toten Kultisten, Kollektivlern – oder was auch immer sie waren – gesehen hatten. Hatte man ihm dies eingepflanzt, um uns zu infiltrieren? War er eine tickende Zeitbombe oder nur ein Opfer? Nervös fingerte ich am Griff meiner Pistole, als der Doc versuchte das Gerät zu entfernen.

Hier hätten wir wohl eher einen Mechaniker gebraucht. Unser Doc gab sein Bestes und entfernte das Teil. Doch der Mann sollte nie wieder richtig sprechen können. Dieses Gerät war tatsächlich mit seinem Hirn verbunden. Beim Entfernen musste etwas beschädigt worden sein. Armer Teufel!

Die Lage wurde also nicht besser und noch immer saßen wir fest. Nachdem sich die Kühlkammer als Sackgasse entpuppt hatte, waren noch zwei Durchgänge: Einer, der nicht zu öffnen war, und einer, an dem sich drei Schlösser befanden zu denen wir nur einen Schlüssel hatten. Das Spiel nahm seinen Lauf. Wir fühlten uns wie hilflose Schachfiguren auf einem überdimensionierten Spielbrett des Grauens!

Untätiges Warten zermürbte uns zusehends. Dazu kam, dass nach und nach einer unserer Kameraden zurück kam. Jeder von ihnen hatte eine dieser perversen Apparaturen in den Kopf gepflanzt. Der Letzte dieser armen Schlucker brachte jedoch einen Funken Hoffnung für uns mit sich. An einer Kette um seinen Hals hing ein Schlüssel!

Der Unbekannte ließ uns wissen das ER es war, der hier die Regeln machte, und nun war er gewillt, weiter zu spielen! Zähneknirschend ließ ich die Truppen antreten. Mittlerweile waren wir an sehr viel Munition ärmer und an einigen Verwundungen reicher. Ein schlechter Tausch. Ein Mann vom dritten Zug schien immer noch zu fehlen. Er sollte nie wieder auftauchen!

Als die Soldaten gesammelt und die Problematik des fehlenden Schlüssels erörtert worden war, meldete sich einer der Zugführer kleinlaut zu Wort: Auch sein Trupp hatte einen Schlüssel gefunden. Dies war jedoch in den Wirren der letzten Stunden völlig in Vergessenheit geraten. Einen nach dem anderen versenkten wir die Schlüssel in den Öffnungen der Shlösser. Sie schnappten, die Tür schwang langsam zur Seite und gab den Weg frei, weiter in Richtung Rettung oder Verderben. Wir hatten keine Wahl.

Fortsetzung folgt…

 

Alexander Dorrenbach

Alexander Dorrenbach

Ist meist in irgendeinem Endzeitszenario zu finden, ob nun als LARPer oder Gamer.
Hauptthemen: LARP

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