Wer überlebt die Zombie-Apokalypse?


Die Fernsehserie The Walking Dead feiert einen Erfolg nach dem anderen und hat die Zombies auf den Otto Normal TV-Zuschauer gelassen. Diese basiert allerdings auf einer Comic-Reihe, die in Deutschland von Cross Cult herausgebracht wird. Die Serie ist großartig, also müsste es der Comic auch sein, oder?

Was kommt eigentlich nach der Apokalypse…?

Hm… mal überlegen. Was würde ich tun, wenn die Apokalypse losbricht und ich diesen Mist dann auch noch überstehe? Wäre so etwas wie ein Gemeindeleben noch möglich? In wiefern würden Gesetze noch gelten, oder mach ich sie einfach selbst? Diese Fragen wird sich wohl auch Robert Kirkman gestellt haben, als er die Geschichte um Rick Grimes und seine Familie erschuf. The Walking Dead war geboren.

Der Comic erschien erstmals 2003 und wurde anfangs noch von Tony Moore illustriert. Nach Heft #6 reichte Moore die Zeichenfeder (wie ich find: leider) an Charlie Adlard weiter. Adlard macht ohne Frage einen guten Job und der düstere und realistischere Zeichenstil passt auch zur Endzeitstimmung, nur gefielen mir persönlich die Zeichnungen von Moore besser. Weniger schwarz, dafür wurde mehr auf das Liniengewicht (engl. line weight) geachtet. Zudem habe ich bei Adlards Bildern teilweise Probleme, die verschiedenen Personen zu unterscheiden, weil sie schlichtweg gleich aussehen.

Das 1088 Seiten starke Comic-Buch beinhaltet die ersten 48 Hefte, welche in acht Kapiteln zusammengefasst wurden. Bis auf das Cover sind alle Bilder in schwarz/weiß gezeichnet, was die düstere Stimmung verstärkt. Zusätzlich wird man am Ende mit einer zusätzlichen Kurzgeschichte über Morgan Jones und seinen Sohn Duane belohnt, in der die beiden ihr erstes Weihnachten nach dem Ausbruch “feiern”.

Von Toten, und solchen die es sein sollten

In The Walking Dead gibt es eigentlich nur eine Konstante: Rick Grimes! Dieser schafft es wie kein zweiter, sich gegen die Gefahren zu wehren, welche es in der “neuen” Welt zu überwinden gilt. Seien es nun die Streuner beziehungsweise Beißer, oder die noch lebenden Zeitgenossen. Letztere versuchen nämlich nicht selten, ihm das Leben schwer zu machen oder gar es ihm zu nehmen. Dabei geht auch gern das ein oder andere Körperteil flöten…

Glücklicherweiser muss er diese Probleme nicht allein bewältigen – meistens zumindest. Denn nach kurzer Zeit schart er bereits eine Hand voll Überlebender um sich, welche schon vor dieser Lappalie mit den Untoten schwer mit dem “am Leben bleiben” zu kämpfen hatten. Nun sollte man meinen, diese Leute wüssten, was sie tun. Schließlich haben sie das jüngste Gericht überstanden.

Fehlanzeige! Ohne eine vernünftige Polizeiausbildung (so wie Rick sie genossen hat) scheint niemand so recht am Leben zu hängen. Es segnet also fröhlich ein Protagonist nach dem anderen das Zeitliche. Sei es durch Unachtsamkeit – “Hey, hier wimmelt’s von Untoten die total auf unsere Innereien stehen, aber wieso sollte ich vorsichtig in dieses dunkle Gebäude gehen? Da wird schon nix passieAAAAaaahhhhhh….” – oder aber durch die Hand eines anderen – “ICH hab mit deiner Frau geschlafen, und deshalb musst DU jetzt sterben… oder so… weiß auch nicht… BLAM *Kugel im Kopf* “

Dieser (un)glückliche Umstand lässt Kirkman allerdings viel Freiraum. Dadurch geschieht es nie, dass ein Charakter langweilig wird. Und wenn doch, dann bleibt ja immer noch die Option mit dem heldenhaften Ableben…

“Home Sweet Home”

Ähnlich wie in 28 Days Later, erwacht unser Rick Grimes aus einem Koma, welches durch Fremdverschulden hervorgerufen wurde. Gut, Rick wurde zwar niedergeschossen und nicht mit dem Auto vom Fahrrad geholt, aber schließlich sind wir ja im knallharten Amerika und nicht in London. Seither muss er sich der Untoten erwehren, bei denen die Behandlung im Krankenhaus wohl nicht so erfolgreich war.

Ohne auch nur einen blassen Schimmer davon zu haben, was los ist und warum ihn plötzlich alle umarmen möchten, zieht er los, um seine Familie ausfindig zu machen. Erste Anlaufstelle ist natürlich das traute Heim. Dort angekommen macht er allerdings nur Bekanntschaft mit Morgan, seinem Sohn Duane und dessen Schaufel. Wieder kurzes Koma und hallo Kopfschmerzen!

Da außer diesen beiden sonst lebendiges Wesen mehr vor Ort zu sein scheint, macht sich Rick allein auf den Weg nach Atlanta. Dort angekommen schließt er sich einer kleinen Gruppe Überlebender an, welche unter anderem seine Familie UND seinen besten Freund beherbergt. Na, was´n Glück!

Gemeinsam muss dieses Trüppchen nun zusehen, am Leben zu bleiben. Nach und nach dezimiert und erweitert sich die Schar um Rick, was die Geschichte immer am Laufen hält. Dadurch gibt es in dem Comic eigentlich nie lange Atem- oder Lesepausen.

Aus alt mach neu

Wer die Serien-Adaption von The Walking Dead kennt, wird sich wahrscheinlich über die Unterschiede zur Originalgeschichte wundern. Diese sind zum Teil wirklich gravierend. Einige Charaktere sind viel früher dabei und andere wiederum erst viel später oder es gibt unerwartete Beziehungen (oder auch eben nicht). Andererseits sind Personen wie Daryl und Merle Dixon in der Comic-Version gar nicht existent. Mir persönlich hat die Differenz der beiden Medien allerdings sehr gefallen, da sich so alles sehr frisch und neu angefühlt hat.

Fazit

Dieser Comic ist zwar nicht für jeden geeignet, aber definitiv für jeden, der die Serie mag. Denn im Gegensatz zu dieser, wird die Geschichte hier nicht künstlich in die Länge gezogen. Da vergehen schon mal ein paar Wochen von einer Seite zur nächsten, ohne dass groß etwas passiert ist.

Wie bereits erwähnt ist der Zeichenstil passend, aber gewöhnungsbedürftig. Der stolze Preis von 50 Euro schreckt im ersten Moment vielleicht ab. Allerdings wäre es wesentlich teurer, sich die hier zusammengepackten Bände einzeln zu besorgen. Ich gebe eine klare Kaufempfehlung, vor allem jedem, der etwas mit Zombies und düsteren Comics anfangen kann!

Dieser Artikel wurde geschrieben von Dennis Rathjen. © Artikelbild Dennis Rathjen

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