Bericht von der Endzeitcon Bastion Beauregard: On enemy territory Teil III


Vom 13. bis zum 15. März fand in Remagen die Endzeit-LARP-Convention Bastion Beauregard: On enemy territory statt. Unser Redakteur Alexander Dorrenbach war dort und hat sich durch die endzeitliche Welt gekämpft. Hier der letzte Teil seines Con Tagebuchs als Leutnant der 5th Division im Bunker des Grauens.

Der Reaktor

Wenn ich jetzt zurückblicke, zurück auf den Anfang dieser Tragödie, frage ich mich: „Hatten wir überhaupt eine Chance uns anders zu entscheiden?“

Als ich den soeben gesicherten Raum betrat, in dem sich ein verschlossenes Schott und die Tür zum Reaktorraum befanden, vernahm ich ein Wimmern. Eine Frau? Ja, da war sie. In eine Ecke gedrängt hockte sie, der Kopf und ihre Hände in eine eigenartige Apparatur gespannt, die an eine Art Schafott erinnerte.

Der Doc saß bei ihr und kümmerte sich um sie. Gut! Mein Geist war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage, Trost zu spenden. In meinem Kopf malte ich mir für einen kurzen Moment aus, wie das, was einmal ihr Kopf gewesen sein könnte, sich über meine Kleidung verteilte, wenn diese Apparatur hochgehen sollte… Ich schüttelte diesen Gedanken ab und rang mich dazu durch, mir dieses DING erklären zu lassen. Ein Zeitzünder und zwei Nietenpistolen mit Drähten an hochsensiblen Drähten befestigt, die an den gekrümmten Fingern der Frau hingen. Ein kleines Fingerzucken alleine würde ihren Tod bedeuten. Immer mehr wollte ich diesen Bastard finden und zur Strecke bringen!

Bunkerkarte 7

„Da lebt noch einer!“ … Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen. Der Reaktorraum selbst war von einer hell und grünlich glimmenden Flüssigkeiten vollkommen verschmutzt. Der Reaktor schien recht „gesprächig“, da er mit den Jungs des zweiten Zuges des Chem-Korps, welche sich mit der Beseitigung der hässlichen grünen Flecken beschäftigten, offenbar ein Schwätzchen halten wollte. Kurze Zeit später zogen sie den Überlebenden heraus und säuberte danach den Rest des Raumes, während ich mir das Schott ansah. „Ein Handscanner, na wundervoll… und noch dazu ohne Strom!“

Wir hatten also eine Frau, der die Zeit weg lief, einen Handscanner ohne Energie und einen redseligen Reaktor. Eine kurze Befragung der Frau ergab, dass sie so gesehen nutzlos war. Warum ließ er uns jemanden wie SIE hier? Das passte nicht wirklich in sein bisheriges Spiel. 

Ich beschloss, mich im Reaktorraum um zusehen nachdem er für sicher erklärt worden war und das Chem Korps sich zurückgezogen hatte. Ein Terminal – fantastisch. Ich sah mich im Raum um. Tische an denen sie weiß Gott für Dinge gemacht hatten. Die Flüssigkeit, die sie bedeckte, war mir jedenfalls nicht geheuer. In einer anderen Ecke fiel mein Blick auf eine Hose…nebst Beinen darin.

Wir – das waren ich, der Soldat der Chemstädter Miliz, der kurz vor diesem Auftrag zu uns gestoßen war, und unser Technik-Spezialist – begutachteten etwas entnervt das Terminal.

„ Hallo Julian“ …wieder erschien dieser Text auf dem Monitor. Es schien als würde das Reaktormodul über eine Künstliche Intelligenz verfügen. Wir vermuteten, dass der Mechaniker, der diesen Reaktor wartete, diesen Namen trug. Die KI hielt uns also offenbar für eben jenen Julian.

Mit Mühe und Not tippten wir uns Frage für Frage durch die Bedienungsanweisungen des Reaktores, in der Hoffnung ihn wieder hochzufahren.

Zwei Schlösser waren an dem Reaktor angebracht. In einem steckte bereits ein Schlüssel. Es wäre ja auch zu einfach gewesen.

„ Lagerung des Zweiten Schlüssels“ tippten wir verzweifelt in das Terminal. „ Aber Julian, den trägst du doch immer in deiner Tasche“, erwiderte die KI auf die Eingabe

Tasche, Tasche? Ich sah mich unwillkürlich um. Mit gepressten Lippen ging ich auf die Beinstumpen am Eingang zu. Warum mir zuerst diese in den Sinn kamen, wusste ich nicht. So langsam schien mein Geist den Geschehnissen hier nachzufolgen. Angeekelt griff ich langsam in die Tasche, vorbei an kalten Fleischlappen und Innereien die mir sicherlich ein Doc hätte besser beschreiben können…Bingo! Ein kleiner metallener Gegenstand und tatsächlich ein kleiner unscheinbarer Schlüssel! Nun konnten wir den Reaktor hochfahren.

Das Warten

Das Warten

Als ich aus dem Reaktorraum in den Vorraum trat, brannte das Licht am Handscanner. Und da war auch noch diese Frau, eine Angestellte dieses Bunkers. Vielleicht war sie der Schlüssel!

Innerlich musste ich kurz grinsen.“Zu leicht, da hast du uns unterschätzt“, freute ich mich. Ich kniete mich gerade zum Doc, der mit der Bunkerangestellten sprach, als ich vor unserem letzten Zugang Kampflärm hörte. Die Braminköpfe gaben einfach nicht auf .

Dazu hatte ich nun keine Zeit mehr! Wir mussten weiter! Leider war die Frau nicht wirklich…nützlich. Heulend gab sie mir zu verstehen, dass nur der Chef der Sicherheit durch diese Tür könne. Hätte ich noch Haare hätte ich sie mir gerauft. Wir waren so weit gekommen, nur um an diesem verdammten Schott zu stranden?

Die Hand, fuhr es mir wie ein Blitz durch den Kopf, die Hand aus dem Safe. Hierfür musste sie sein, ich war mir ganz sicher. Ich rief den Soldaten, der sie aufbewahren sollte. Dieser blickte mich länger an und sagte letztendlich, dass er sie verloren habe. Verloren? Himmel, Arsch und Zwirn. Wütend schickte ich die Soldaten aus, um diese gottverdammte Hand zu suchen.

Am Ende hatte ich drei abgetrennte Hände und einen Fuß. Ich kann es heute noch nicht glauben, dass ich nach und nach abgetrennte Gliedmaßen durchprobierte und den Soldaten zurief mir, mehr Hände zu bringen. Dem Schlaukopf mit dem Fuß gab ich eine Backpfeife mit einer der abgetrennten Hände.

Ich spürte wie die Fänge des Wahnsinns sich langsam aber bestimmt um meinen Kopf legten und ich fing an, an mir zu zweifeln. Kein normaler Mensch würde mit abgetrennten… Egal!

Kapitulierend befahl ich jedem Soldaten, die Hand an den Scanner zu legen. Nicht dass es von Erfolg gekrönt sein konnte, aber ich brauchte Zeit! Zeit, meine Gedanken wieder in richtige Bahnen zu lenken. Zeit, nicht vollends den Verstand zu verlieren, Zeit… ich stutzte. Der Milizionär weigerte sich vehement diesen Befehl auszuführen.

Warum? Still stand ich da, beobachtete, wie meine Männer auf ihn einredeten und letztendlich zum Scanner zerrten. Es schien, als würde sich die Zeit für einen langen Augenblick zäh wie Gummi ziehen. Dann blinkte die grüne Lampe.

Der Mann war uns kurz zuvor vom Hauptquartier zugeteilt worden. Das konnte einfach kein Zufall sein. Ich kam nicht dazu, ihn zu befragen. Denn mit dem lauten Ausruf „Verräter“ wurde er, ohne zu zögern, von einigen motivierten Soldaten erschossen. Nicht gut… So nahm er alles mit ins Grab. Ich hätte mich weiter darüber ärgern können, doch wir mussten weiter.

Als das Schott sich aufschob, stürzte ein Körper klatschend vor uns auf den Boden. Schon eine zeitlang tot, dem Zustand seines Körpers nach zu urteilen. Die Posamente und Abzeichen ließen auf einen höhergestellten Rang schließen. Ich hatte nicht viel Zeit, mir Gedanken zu machen. Als der Sergant Major den Vorstoß befahl, erwartete uns ein Kugelhagel aus der oberen Ebene.

Fassungslos musste ich mit ansehen, wie die Hälfte des Trupps auf den Treppenstufen förmlich durchlöchert wurde. Ich hechtete nach vorne. Diese Leute waren nicht nur Soldaten, in den letzten Jahren waren sie meine Familie geworden und ich wollte keinen weiteren verlieren!

Geduckt zog ich die drei vordersten Soldaten zurück in den Vorraum und sah auf das, was noch übrig war. Die meisten der Soldaten waren verletzt, eine handvoll Leute stand noch aufrecht. Ich schloss die Augen. Der Sergeant Major hatte die rettende Idee. Wir schafften alles an festen Tischen herran und schoben uns Tisch für Tisch vor. Das Einzige, was uns schützte, war der Mut und die Hoffnung, dass die Waffen unserer Gegner keine massiven Tischplatten und Schrott durchdringen konnte.

Nicht viel übrig!

Nach Oben!

Der enge Kriechtunnel aus Schrott ermöglichte uns das Vorankommen auf der Treppe. Ich sah hinter mich. Nur noch eine handvoll Leute…Ich trieb sie weiter, den General in meinem Rücken wissend. Am Ende des Ganges gabelte sich dieser. Ein Gang endete vor einer Tür mit Zahlencode, ein weiterer führte in die Dunkelheit. Ich ging mit zwei Soldaten vor, bis wir auf einen engen Durchgang stießen. Hinter dem gähnenden schwarzen Loch waren gedämpfte Hilferufe zu hören.

Bunkerkarte 8

Das Gefängnis! Endlich! Meine Leute durchsuchten die Zellen hastig. Zwei Leute waren noch am Leben, doch der Lordnant war nirgends zu sehen. Es wäre auch zu einfach gewesen. Also der Zahlencode. Irgendwas hatten wir übersehen, aber was?

Da schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Der Tote, der uns entgegen geworfen wurde. Schnell schickten wir einen Soldaten nach unten, um nachzusehen ob er irgendwelche Zahlen bei sich trug, die uns nützlich sein könnten.

Bingo! Die Zahlen waren schnell eingetippt. Ein süßlicher Geruch schlug uns entgegen und raubte uns fast den Atem. Es roch nach Tod! Allerlei Flaschen mit eingelegten und konservierten Gliedmaßen, Tinkturen und medizinische Gerätschaften lagen im Raum verstreut herum.

Am anderen Ende des Raumes stand hinter einem Operationstisch ein großgewachsener Mann, der gerade,…mir stockte der Atem… bei allen alten und neuen Göttern… Er aß genüsslich ein Stück Fleisch…eine Leber…und sie stammte von einem Menschen…

Kranker Hunger

Breit grinsend empfing er uns. Er sah aus wie der perfekte Schwiegersohn: geschniegelt, nahezu freundlich und er war wortgewandt!
Ich muss gestehen, dass eine gewisse Faszination von ihm ausging. Es drängte mich förmlich, ein Gespräch mit ihm zu beginnen – anstatt ihn augenblicklich zu erschießen.

Das war er also, der Doktor!

In einem Moment, der sich nahezu in Zeitlupe vor meinem Auge abspielte, stürmte der Sergeant Major vor! Er er hatte einen wesentlich kürzeren Geduldsfaden als ich und er schien deutlich weniger fasziniert von diesem seltsamen Mann als ich!

Der Doktor griff ihn nahezu zeitgleich und mit einer fast schon kunstvollen Bewegung an, wehrte die Attacken des Sergeant Majors ab und rammte diesem blitzschnell eine Spitze, die er plötzlich in der Hand hielt, in den Hals. Der Sergeant Major brüllte gepeinigt auf, nur um kurz darauf keuchend zur Seite zu stolpern und von einer Explosion zerrissen in einem widerwärtigen Regen aus Fleischfetzen und Blut zu enden.

Im selben Moment ertöntete das Donnern der Waffen hinter mir, welche den Doktor voller Zorn und Hass durchsiebten. Doch es änderte nichts…der Sergeant Major war tot!

Was ich bis heute nicht vergessen kann, ist sein Lachen. Es schein, als würde der Mann den Tod selbst auslachen. Selbst als nur noch ein Zucken seinen durchlöcherten Körper durchzog, konnte ich sein Gelächter hören. Dann fiel mein Blick auf etwas, das mein Herz in diesem Moment der grausamen Stille einen Sprung tun ließ.

In einem Nebenraum auf einen Stuhl gefesselt saß er, mehr tot als lebendig… Lordnant von Brechersgarden.

Es gab wohl nicht viele Menschen die er als Freund bezeichnen konnte, aber ich hatte den miesen Bastard vermisst. Wir schleppten ihn zurück zu den anderen, wo er notdürftig zusammengeflickt wurde. Wir hatten dieses kranke Spiel gewonnen.

Raus!

Bunkerkarte 9

Wie um diesen Gedanken zu unterstreichen, meldete ein Soldat, dass sich das Schott geöffnet hatte. Inmitten des von dort aufsteigenden Dampfes konnte man nur schemenhaft einzelne Gestalten ausmachen.

Na gut, ein letztes Mal würden wir voranstürmen. Mit geschundenen Körpern und gebrochenen Knochen. Ich sah in meinen Revolver. Acht Schuss. Mit einem „VOR!“ zog ich meinen Säbel und wir kämpften uns stetig voran bis zum großen Eingangsbereich. Ich stutzte und wir kamen abrupt zum Stehen. Mitten vor dem Ausgang stand ein…Ding.

Es war verdammt groß! Schläuche steckten in seinem Rücken und verbanden ihn mit seiner Hand…in der ein gewaltiger, steinerner Hammer ruhte!

Ich musste schlucken und ich sah in den Gesichtern meiner Männer, dass sie es mir gleich taten.

„Scheiß drauf“, fluchte ich innerlich und schritt todesmutig den Revolver im Anschlag voran. Kugel um Kugel jagte ich in den massigen Leib. Das Monstrum strauchelte nicht einmal. Dann holte es aus. Mit einem grollenden Scheppern krachte der gewaltige Hammer auf den Boden und ließ diesen für einen Moment erzittern. Wir verteilten uns und hieben mit Knüppeln und Klingen auf diese Monstrosität ein. Immer wieder krachte es, als der schwere Hammer zu Boden donnerte!

Mein Magazin war leer. Verzweifelt griffen die Männer weiterhin an…Schlag um Schlag…Schuss um Schuss! Ich weiß nicht wie wir es schafften, doch wir brachten es zu Fall.

Der Fall des Monsters

Ich atmete durch. Vor uns lag der der Ausgang. Ich wies an, die Verletzten zu holen. Es war endgültig geschafft, wir waren den Schrecken des Bunkers entkommen.

Als ich nach draußen trat, blendete mich das Licht einer hochstehenden Nachmittagssonne und wir funkten nach der Kavallerie.

Am Abend hielten wir Andacht für die vielen, die es nicht geschafft hatten. Ich hielt mich im Hintergrund und lies die Soldaten in ihrer Trauer in Ruhe.

Wenn es dort draußen mehr von dieser Sekte geben sollte… Ich schwor mir, ich würde sie finden!

 

Alexander Dorrenbach

Alexander Dorrenbach

Ist meist in irgendeinem Endzeitszenario zu finden, ob nun als LARPer oder Gamer.
Hauptthemen: LARP

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden