Chroniken von Mythodea – Argus Vermächtnis


Der LARP Chroniken von Mythodea – Argus Vermächtnis fand vom 30.04.2015 bis zum 03.05.2015 statt und hat die Conquest-Welt ganz schön aufgemischt. Gerrit war dort und berichtet hier von seinen Erlebnissen.

Wer im LARP unterwegs ist, hat mit Sicherheit schon vom Conquest gehört und, wenn ich meine eigenen Erfahrungen zu Grunde lege, wahrscheinlich nicht nur Gutes. Im letzten Jahr wurde der Handlungsort des Conquest in die Spiegelwelt gewechselt und hat so die bisher bespielten Lande hinter sich gelassen. Das Chroniken soll nun einen neuen Abschnitt der Geschichte des Kontinents beschreiben und den dortigen Krieg weiter vorantreiben. Da ich seit inzwischen acht Jahren den Hintergrund bespiele, hatte ich nicht vor, es mir entgehen zu lassen.

Die Con wurde als Abenteuer-Con mit hohem Bedrohungsgrad und einer hohen Wahrscheinlichkeit von Charaktertoden angekündigt. Um dies darzustellen, fanden die Ereignisse auf dem südlichen Kontinent Mythodeas statt – in den Regionen welche vom Untoten Fleisch1 bewohnt und noch nicht erobert… äh… befreit sind. Tatsächlich fühlte ich mein (fiktives) Leben aber zu keinem Zeitpunkt wirklich bedroht.

Auf dem Conquest und seinen offiziellen und inoffiziellen Ablegern gibt es seit jeher Methoden, um das (Über-)Leben von Spielercharakteren auch hinter den feindlichen Linien sicherzustellen. Einige davon wurden auch auf dem Chroniken eingesetzt, was leider dazu führte, dass ich mir OT keine Sorgen um das mein Wohl IT gemacht habe. Zwar sollte OT-Wissen mein Spielverhalten nicht beeinflussen, aber wenn ich weiss, dass mein Charakter nicht sterben wird, fällt es mir deutlich schwerer, diese Befürchtungen darzustellen.

Eine weitere Schwäche des Bedrohungsszenarios war der Mangel an Patrouillen des Feindes, welche ich bei Settings hinter feindlichen Linien sehr passend und ambientig finde. Allerdings habe ich inzwischen von einer SL/Orga erfahren, dass einige Dutzend angemeldete NSCs zwar bezahlt hatten, aber nicht zur Con gekommen sind. Die Orga vermutet die Schuld beim Wetter, welches wirklich schlimm war.

CvM - Aufmarsch

Foto von Katja Abich; Quelle: www.Live-Adventure.de

 

Gelände

Das Gelände war das Utopion bei Bexbach und mit Sicherheit hervorragend für die Con geeignet. Leider wurde allerdings gerade einmal die Hälfte des Geländes für etwas anderes als die Anreise genutzt. Das Areal ist riesig und bietet enorm viele Möglichkeiten für Plotlocations. Dennoch waren alle in der direkten Umgebung des Lagers angesiedelt, was viel mögliches Spielgebiet verschenkt hat. Das hat mich allerdings nicht wirklich gestört. Warum? Weil das Wetter beschissen war! Bei Dauerregen ist meine Motivation einen Kilometer zur Plotlocation zu laufen quasi nicht existent.

Tatsächlich vermute ich, dass die Plotlocations kurzfristig näher ans Lager verlegt wurden, um die Wege zu verkürzen. Einzig für die Anreise wurde die Fläche vollständig ausgenutzt, da wir für diese in sechs Gruppen getrennt wurden, welche alle einen anderen Weg zum Lager nahmen, das wir dann im Spiel erobern mussten. Dieser Teil hat mir hervorragend gefallen, gerade da wir als Nachhut sehr wenige Kämpfer dabeihatten und plötzlich alleine an einem Ort standen, an dem wir einen Brückenkopf mit 100 Soldaten erwarteten. Hier hat das Bedrohungsszenario noch voll und ganz funktioniert.

gelände

Foto von Katja Abich; Quelle: www.Live-Adventure.de

 

Plot

Auf dem Weg zum Lager stießen wir auch prompt auf den Plot: Zwei Gruppen von Feuerelementaren, welche jeweils die Aspekte der (bedingunglosen und allgemeinen) Liebe und der (gerechten) Rache verkörperten. Diese dienten ihren jeweiligen Quihen Assil2, welche in einem Wettstreit miteinander standen, wer von ihnen die Vorherrschaft im nächsten Zeitalter innehaben würde. Zwar gab es auch andere Plots, wie das Auftauchen eines weiteren Mitglieds der Familie De Vo Canar3, diese sind an mir aber größtenteils vorbeigegangen, weshalb ich nicht näher auf sie eingehen werde.

Der Plot um den Wettstreit der Quihen Assil war durchaus Interessant. Die Entscheidung zwischen Liebe und Rache wird schwierig, wenn Liebe bedeutet, dass man alles und jeden lieben und verstehen muss, auch die Verfemten4. Einige der Entscheidungen bezüglich diese Plots fand ich allerdings ungünstig und teilweise kontraproduktiv. Beide der Quihen Assil wurden durch ein Geliebtes Kind vertreten. Der der Liebe durch die Regentin des östlichen Siegels, welche schon seit Jahren diesen Titel trägt. Ihr Gegner in diesem Fall war Mertyar5, der in der Vergangenheit dadurch bekannt war, dass er die Körper diverser Bewohner des Kontinents gegen deren Willen verändert. Mit einer nicht unbeachtlichen Sterblichkeitsrate.

Meines Erachtens nach war dies ein Fehler; dadurch, dass Mertyar derartig negativ und seine Gegnerin eher positiv vorbelastet waren, wurde viel Augenmerk auf die Geliebten Kinder gelenkt und nicht auf deren Aspekte. Allerdings wurde Mertyar dadurch gestärkt, dass er konkrete und kurzfristige Antworte auf akute Probleme bieten konnte. Dennoch hätte ich es bevorzugt, jemand anderes an seiner Stelle zu sehen. Tatsächlich gab es unter den NSCs eine Spielerin, die mit demselben Charakter eine prominente Stellung im östlichen Siegel einnimmt und auf Seiten Mertyars stand. Hätte man sie in Mertyars Position gehoben, wäre das östliche Siegel gespalten worden, was meiner Meinung nach sehr viel Spiel generiert hätte. Dennoch war der Plot interessant und generierte eine ganze Reihe an gut aufgemachten Sidequests.

Streit mit Mertyar

Foto von Katja Abich; Quelle: www.Live-Adventure.de

 

OT-Beobachtungen

Zu den Kämpfen, beziehungsweise dem Mangel daran, habe ich ja schon kurz etwas geschrieben, muss aber sagen das ich bei den Wenigen die ich mitbekommen habe, eigentlich recht zufrieden war. Das hohe Niveau bin ich aber von den Spielern des Untoten Fleisches inzwischen fast schon gewohnt. Zu den ebenfalls anwesenden Spielern des Schwarzen Eises kann ich leider nichts sagen, aufgrund von zu wenig Kontakt.

Kampf

Foto von Katja Abich; Quelle: www.Live-Adventure.de

 

Organisatorisch muss ich aber tatsächlich die Sanitären Anlagen bemängeln. Die vorhandenen Duschcontainer haben vor 7 Jahren auf dem Conquest schon nicht vernünftig funktioniert und kalt duschen ist im August deutlich akzeptabler als Anfang Mai. Außerdem wären mehr als 3 Toilettenkabinen für die anwesenden Männer ganz nett gewesen, oder zumindest eine Beleuchtung der vorhandenen Dixis.

Alles hat ein Ende

Und so kommen wir zum Ende, sowohl der Con als auch dieses Berichtes, und das heißt vor allem eines *seufz*: Die Endschlacht. Am Samstag wurden wir IT informiert, dass eine Streitmacht des Untoten Fleisches auf dem Weg sei, der wir nicht gewachsen wären. Für uns bedeutete dies ein Rückzugsgefecht, auf das alle mit denen ich gesprochen habe ,sich sehr gefreut hätten, da wir etwas derartiges noch nicht erlebt hatten. Stattdessen hatten wir ein langweiliges und künstlich verlängertes HP-runterschlagen vor den Toren unseres Lagers. Die Schlacht war vollkommen überflüssig und diente nur dazu, eine Plattform für ein letztes Bisschen Plot zu liefern, der aber eine bestimmte Zeit brauchte, weswegen die NSCs nicht früher fallen durften. Danach erst durften wir also zum Portal heimwärts aufbrechen.

Diese Reise wurde getellt. Nein, Ernsthaft. Wir sind auf dem größten Larpgelände Deutschlands, wenn nicht Europas, und als Abreise gehen wir vielleicht einen Kilometer ins Gelände. Dort wird uns dann erzählt, dass wir sicher am Portal ankommen und durchgehen können und jetzt zu dem vorbereiteten Lager aufbrechen. Also drehen wir uns um und gehen denselben Weg zurück.

Ich habe keine Einwände dagegen, einen OT-Punkt einzubauen, an dem diejenigen aussteigen können, welche nicht laufen möchten oder können. Einige Spieler hatten beispielsweise Kinder dabei, denen ich das nicht hätte zumuten wollen. Aber wir sind eigentlich aus den Zeiten raus, in denen Telling akzeptabel ist. Vor allem, da es genügend Alternativen gegeben hätte um die Con passend zu beenden und uns eine plausible Möglichkeit zu geben, am Samstag Abend zu feiern.

Fazit

Schlussendlich fand ich die Con trotz allem gut, wenn auch mit Einschränkungen. Organisatorisch waren ein paar Fehler drin, die aber verzeihbar und vor allem behebbar sind. Der Plot war solide, aber nicht sehr gnädig zu denjenigen die noch nicht auf Mythodea-Cons waren. Das Telling wurde und wird an so vielen Stellen kritisiert, dass ich bezweifle, dass es noch einmal passieren wird. Werde ich auf das nächste Chroniken fahren? Ja. Empfehle ich das nächste Chroniken? Nur, wenn ihr schon im Mythodea-Hintergrund drin seid, oder Anschluss an eine Gruppe habt, die es ist.

Ende

Foto von Katja Abich; Quelle: www.Live-Adventure.de

 

1Lebende Tote, allerdings Intelligent und weniger an Gehirnen als an Ersatzteilen interessiert.

2Gottartige Wesen, welche jeweils einem der 5 Elemente zugeordnet sind. In diesem Falle Ignis/dem Feuer

3Familie, die an allem Schlechten auf Mythodea schuld ist (VORSICHT: Diese Aussage könnte Subjektiv geprägt sein)

4Sammelbegriff für die feindlichen NSC-Fraktionen auf den Mythodea

5Vermutete Schreibweise

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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  • Micha

    War als Neuling dort, muss sagen dass ich die Kritikpunkte komplett unterstreichen kann. Unsere Gruppe (außer mir alles gestandene Mythodea-Plotter) hat jede Nacht Nachtwachen organisiert und gestellt, die sich dann zu Tode langweilen und frieren mussten.
    Es hat zwar auch schönes Spiel generiert (vor allem tagsüber) aber das nicht vorhandene Bedrohungslevel hat die Wachen komplett überflüssig gemacht (entgegen der Ankündigung der SL noch am Donnerstag)

    Alles in allem bin ich aber selbstverständlich jetzt mit LARP angesteckt >_<