Der Eiserne Thron oder: Verrat an Freunden


Es ist wieder soweit: Derzeit werden unsere Wohnzimmer von Intrigen, Verrat und Gewalt beherrscht. HBO und Sky senden die fünfte Staffel von Game of Thrones. Aber was tun, wenn die Wartezeit zur nächsten Folge, Staffel oder zum langersehnten nächsten Band vom Lied von Eis und Feuer zu lang ist? Das passende Brettspiel muss her!

Was tun bei Entzugserscheinungen?

Tisch 1 kleinDie neue Staffel von Game of Thrones ist da. Grund genug für mich, nochmal ein paar Jahre zurück- zuschauen auf ein Brettspiel, das ich viel zu selten spiele, und das einigen Fans der Serie eventuell noch gar nicht bekannt ist. 2011 gab Fantasy Flight Games dem bereits 2003 erschienenen Spiel “A Game of Thrones” das verdiente Update und brachte die 2nd Edition heraus. Dem Spiel, designed von Christian T. Peterson (bekannt für das epische SciFi-Brettspiel Twilight Imperium), wurden jetzt alle gelungenen Erweiterungen der ersten Edition, direkt mit in die Grundbox gepackt. Die Regeln und das Spielmaterial wurden überarbeitet und 2012 erschien das Ganze dann auch auf Deutsch beim Heidelberger Spieleverlag.

Die Regeln des Krieges

Gespielt wird maximal zehn Runden oder bis ein Spieler sieben Burgen und/oder Festungen kontrolliert. Jeder Spieler übernimmt dabei die Rolle eines der sechs großen Häuser, die nach dem Tod des Königs um Westeros kämpfen.

Machtmarker kleinZu Beginn jeder Runde außer der ersten wird die Westerosphase durchgeführt, in der geprüft wird, ob die Versorgung der Truppen neu berechnet werden muss, neue Truppen angeheuert werden dürfen oder die Spieler mit ihren erhaltenen Machtmarkern um Positionen auf den Einflussleisten bieten können. Die Einflussleisten bestimmen die Spielereihenfolge, geben Kampfboni oder erlauben mehr Flexibilität bei den Befehlen.

Befehle kleinIn der zweiten Phase dürfen alle Spieler gleichzeitig ihren Armeen verdeckte Befehle erteilen. Die Auswahl ist überschaubar: marschieren, verteidigen, unterstützen, plündern oder Macht ansammeln, die man wiederum in der Westerosphase zum Bieten benutzen kann.

In der dritten und letzten Phase werden reihum die Befehle ausgeführt, wodurch es zu Konflikten kommen kann, falls die Armeen zweier Spieler danach auf demselben Feld stehen. Gelöst wird der Konflikt denkbar einfach, indem ihr die Stärke der Einheiten miteinander vergleicht und dazu eine seiner Hauskarten spielt. Diese Hauskarten besitzen jeweils eine eigene Stärke und einen zusätzlichen Effekt; diese fallen bei den verschiedenen Häusern sehr unterschiedlich aus.

 

Der Verlierer des Konfliktes muss das Feld verlassen und verliert je nach Effekt eventuell auch Einheiten.

Und schon beginnt die nächste Runde.

Durchbohre sie mit dem spitzen Ende

Hauskarten kleinSoweit der Ablauf des Spiels. Klingt einfach, oder? In der Tat gibt es natürlich Regeln für die Versorgung der Armeen, es gibt gelegentlich Übergriffe der Wildlinge und einiges mehr. Ich möchte aber an dieser Stelle keine zweite Anleitung schreiben, sondern aufzeigen, dass dieses Spiel bei weitem nicht so komplex ist, wie es auf den ersten Blick mit seinem dicken Regelbuch erscheinen mag.

Viel wichtiger ist, was dieses Spiel so besonders macht, denn gute Area-Control-Spiele gibt es ja auch einige andere:

Der Eiserne Thron besteht nämlich nur zur Hälfte aus Material und Regeln – wenn ihr die erste Runde hinter euch habt, wird euch schnell bewusst werden, dass ihr nicht alleine siegen könnt. Gleichzeitig gibt es aber nur einen Gewinner in diesem Spiel. Es gilt also, Bündisse zu schmieden, Spielern, die zu mächtig werden, gemeinsam Einhalt zu gebieten und im richtigen Moment dem Verbündeten den metaphorischen Dolch in den Rücken zu stoßen…

teile kleinWarum aber wird Der Eiserne Thron so selten gespielt? Die beiden praktischen Gründe sind die Spielerzahl und die Spieldauer. Wenn es euch wie mir geht, werdet ihr selten sechs Spieler für zwei bis vier Stunden zusammenbekommen. Denn nur mit der vollen Spielerzahl entfaltet sich auch das volle Potenzial des Spieles. Aber dafür gibt es zum Glück Lösungen: Inzwischen gibt es zwei Erweiterungen, die lediglich aus jeweils einem Kartenset bestehen. “Fressen für die Krähen” beinhaltet ein Vier-Spieler-Szenario, in dem es alternative Siegbedingungen gibt und “Ein Tanz mit Drachen” verlagert das Spielgeschehen in eine spätere Zeit, in welcher der Krieg bereits weiter fortgeschritten ist, was zu einer kürzeren Spieldauer führt.

karten kleinDer wichtigste Grund warum Der Eiserne Thron so selten bei uns Spielern auf dem Tisch landet ist aber ein anderer, und gleichzeitig das was es so besonders macht: Dieses Spiel ist nicht nur konfrontativ, was schon einige Leute nicht mögen – ihr müsst eure Freunde manipulieren, belügen und verraten, um voranzukommen. Viele Spieler mögen diesen Aspekt nicht und einige empfindliche Gemüter geraten eventuell sogar an die Belastbarkeitsgrenze einer Freundschaft. Auf der anderen Seite muss man dagegen halten, dass wenige Spiele so emotional aufgeladen sein können, wie dieses.

 

 

Fazit

Nun zur Wertung: Das ist nicht ganz einfach, da es sich um ein Spiel handelt das nicht für jeden ist. Aber es hat auf jedenfall verdient von jedem mal ausprobiert und bekommt von mir eine klare Empfehlung. Kurz gesagt, wenn ihr wieder im GoT-Fieber seid und die nächste Veröffentlichung kaum abwarten könnt, nehmt euch einen Abend Zeit, packt Der Eiserne Thron aus, ladet ein paar Gleichgesinnte zu euch nach Hause ein und feiert eine rote Hochzeit aber vertragt euch danach wieder.

Der Eiserne Thron

Heidelberger Spieleverlag

120-240 Minuten

ab 14 Jahren

3-6 Spieler

Christian Turkiewicz

Liest bevorzugt Regeln zu Brett- und Rollenspielen. Liebt Bingewatching, hat aber keinen TV-Anschluss.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele, Pen&Paper, Serien

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden

  • DEGLTOONS

    Ich habe das Spiel auch, könnte es aber bisher auch nur einmal spielen. Da hockten wir dann zuerst 2 Stunden da und haben über den Regeln gebrütet, da wirklich noch keiner das Spiel in der Hand hatte. Macht irre viel Spaß und ich finde der “Intriegenfaktor” ist auch nicht viel schlimmer als beispielsweise bei Risiko. Wenn wir ehrlich sind, dann ist es doch genau das, was solche Spiele ausmacht. ^^

  • Christian Turkiewicz

    Wie eigentlich bei jedem Spiel das mehr 2 Seiten Anleitung hat sollte sich jemand vorher damit beschäftigen. Und wenn sich jemand die Zeit nimmt die Regeln zu lesen oder ein Tutorial zu gucken dann flutscht es recht schnell. Die Regelerklärung nimmt bei mir nicht mehr als 10 Minuten in Anspruch und der Rest kommt dann beim Spielen. Bei Risiko kann man auch gut gewinnen ohne jemanden zu verraten und der Glücksfaktor ist erheblich größer. Ich würde es dann eher mit Diplomacy vergleichen, nur das man den Eisernen Thron tatsächlich an einem Abend spielen kann.