Geburt eines Rollenspiels Teil 13: Meine ersten Testspieler


Man kann noch so lange an etwas in seinem stillen Kämmerlein rumtüfteln – erst der Test zeigt, ob sich die eigene Idee auch in der Welt da draußen beweisen kann. Deshalb brauchte auch mein Rollenspiel-System Bardelion Testspieler. Das ist manches Mal gar nicht so einfach.

Deshalb begab ich mich auf die Suche. Als ich Bardelion so weit fertig hatte, um es auf andere Spieler loszulassen, gab es meine Rollenspieltruppe leider nicht mehr. Die einen hatten die Schule gewechselt, die nächsten haben dem Hobby den Rücken gekehrt und wieder andere waren nach dem Ende der Schulzeit vom Beruf sehr eingenommen. Dennoch trommelte ich ein paar alte Gefährten zusammen.

Die erste Testrunde

Meinen älteren Bruder konnte ich aus seinen Studienvorbereitungen zerren; ein guter Freund, der bereits die ersten Versionen mit mir testete, war mit Freuden dabei; auch mein erster Spielleiter, der mich zum Hobby gebracht hat, brauchte nicht besonders viel Überzeugungsarbeit (liebe Grüße an dieser Stelle an Niki, Paddy und René). Ich hatte die Spielleitersicht bereits vorher mit meinem guten Freund getestet hatte. Nun wollte ich einmal erfahren, wie es sich anfühlt, selbst zu spielen. Es war übrigens bis heute das einzige Mal, dass ich selbst als Spieler in die Welt von Bardelion eintauchte.

Das Abenteuer war für uns alle fordernd und ich brachte den Spielleiter regelmäßig mit den Talenten aus dem Konzept: In keinem vorgegebenen Abenteuer, das man gut umbauen kann, steht etwas von Charakteren, die in der Dunkelheit sehen können. Aber das ist eine andere Geschichte. Zu dieser Zeit wurden die Charaktere noch nach Klassen erstellt, was es gerade meinem Bruder und dem Spielleiter für den Anfang etwas leichter machte, da sie so etwas generischer vorgehen konnten.

Die erste Spielrunde offenbarte einiges, was ich im Anschluss für die Verbesserung des Systems verwenden konnte. Die Kampfzauber stellten sich als zu mächtig heraus, einige Klassen sind schwer zusammenzubringen und die Konflikte zwischen den Rassen funktionieren ganz gut. Wobei wir die Gruppe sehr auf Konfrontation ausgelegt haben, mit einem Waldelfen, einem Zwergen und einem Dunkelelfen.

Leider blieb es in dieser Konstellation bei nur einer Runde. Das Studium rief nun bei mir selbst und es ging in eine andere Stadt. Wie bereits im Artikel zur Charaktererstellung erwähnt, fand ich zwei Tester über das Internet. Leider kam es nie zu einer Spiel-Sitzung, aber der Input war schon sehr hilfreich.

Neue Mitstreiter

Als ich das Gefühl hatte, die großen Änderungen testen zu können, zwang ich meine Mitbewohner dazu, meine neuen Testspieler zu werden. Das war besonders interessant, da von den dreien nur einer Rollenspielerfahrung hatte, diese aber nicht besonders groß war. Ich hatte es also mit Neulingen zu tun. Dank dieser komplett neuen Konstellation fielen neue Dinge auf, die entsprechend angepasst werden mussten. Trotz der noch immer vorhandenen kleinen Fehler und Ungleichheiten hatten wir sehr viel Spaß. Ich holte zu einem späteren Zeitpunkt eine Kommilitonin dazu, die bereits Rollenspiele gespielt hatte.

Alle bescheinigten letztlich, dass das System Spaß macht. Immerhin fanden wir uns zu insgesamt drei Runden zusammen. Zwei der Abenteuer nutze ich immer noch gerne für neue Runden. Wie es aber nach einem Studium so ist, zerstreute sich auch diese Gruppe recht schnell. Jeden zog es in eine andere Stadt, sei es für ein anschließendes Studium, ein Praktikum oder später einen Job.

Ein dritter Anlauf

Glücklicherweise verschlug es mich nach meinen Abschluss nach Hamburg. Sascha, mit dem ich diese Seite gegründet habe, war bereits ein guter Freund und er gliederte mich in seine allwöchentlich stattfindende Spielrunde ein. Nachdem ich die Jungs gut genug kannte, fragte ich vorsichtig nach, ob sie sich als neue Testrunde anbieten würden. Immerhin hatte ich hier drei bis vier sehr erfahrene Rollenspieler vor mir, die nicht nur Fehler aufzeigen würden, sondern auch gleich Verbesserungsvorschläge bringen könnten.

Erst vor Kurzem haben wir eine längere Kampagne abgeschlossen und bei jeder Runde mindestens eine Verbesserung vornehmen können. Mal ging es um Zauber, mal um das Schießen und dann um die Stärke der Waffen. Die Magie konnte ich mittlerweile um einiges abschwächen, sodass sie noch immer mächtig ist, aber lange nicht mehr so stark, wie zu Anfang. Das Schießen wirkt nun grundsätzlich etwas natürlicher und auch ein daneben gegangener Schuss kann mittlerweile Schaden anrichten. An wem, das hängt davon ab, wie weit daneben er ging.

Ein wichtiger Punkt war die Stärke der Waffen: Gemeinsam stellten wir fest, dass zweihändige Waffen keinerlei Zweck erfüllten. Es war grundsätzlich sinnvoller, mit zwei Waffen zu kämpfen. Diese teilten einfach mehr Schaden aus. Mittlerweile sind Zweihändige Waffen besonders gegen gepanzerte Gegner (ab einem Rüstungswert von fünf) stärker als zwei Waffen. Und schon greifen die Charaktere wieder zu den großen Waffen, statt zu zwei Kleinen.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle allen Spielern und Spielleitern danken, die sich bis hierher mein Rollenspielsystem angeschaut haben. Dank euch konnten kleine Fehler, Ungereimtheiten und Logik-Probleme bereinigt und das Balancing verbessert werden. Egal, wie lange ich noch in meinem stillen Kämmerlein an diesem Spiel herumgetüftelt hätte, es wäre sicherlich nie so spielbar geworden, wie es heute ist. Und dank meiner bisherigen Testspieler kann ich ich Bardelion auch bald in die Open Beta führen. Doch zuerst muss ich noch an ein paar kleineren Dingen schrauben.

Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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