Alias a.k.a. A.K.A. Jessica Jones


 Alias ist die Comic-Vorlage der neuesten Netflix-Kollaboration mit Marvel. Gerrit hat hineingeschaut und sagt Euch, was Ihr darin zu erwarten habt – und ob es eine Pflichtlektüre für Fans von Superhelden ist.

 

Alias Titel (TPB #3)

Trade Paperback #3, vom schlechten Fotografen mit schlechter Kamera. (© MAX Comics)

Hintergrund a.k.a. “Warum schreib’ ich das hier?”

Wer Fan von Comic-Adaptionen ist, hat mit Sicherheit schon die von Netflix produzierte Daredevil-Serie gesehen. Und wer das nicht hat, sollte dies dringend nachholen, alleine schon für Vincent D’Onofrios Darstellung des Kingpin – aber ich schweife ab. Das nächste Projekt für Netflix und Marvels TV-Abteilung ist A.K.A. Jessica Jones, welches im Dezember Online gehen soll. Die Vorlage hierfür ist die Comic-Reihe Alias.

Alias war tatsächlich der erste Comic des Hauptuniversums1 von Marvel, welchen ich gelesen habe. Angefangen habe ich hauptsächlich aufgrund des Autors: Brian Michael Bendis, der Autor nahezu der gesamten Ultimate Spider-Man Serie und diverser anderer Titel im Ultimate Universum. Sehr passend illustriert wurde die Serie von Michael Gaydos, einem Künstler, dessen Stil ich tatsächlich jedes Mal erkennen würde. Sie erschien von 2001 bis 2004 monatlich in insgesamt 28 Ausgaben. In dieser Zeit wurde sie zweimal für einen Eisner-Award nominiert2.

Doch fast wäre die Serie garnicht veröffentlich worden. Alias war der erste Titel von Marvel’s neuem MAX-Imprint, welches im Rahmen von Marvels Trennung von dem System der Comics Code Authority gegründet wurde und entspricht einer Film-Wertung von R. Also Verkauf an unter 17 nur mit Genehmigung der Eltern, oder sowas in der Art. Laut Bendis selbst, war Alias überhaupt erst der Grund für die Gründung von MAX3. Als die Druckerei, die ALIAS #1 drucken sollte, aber die Druckvorlage erhielt, hat sie sich geweigert es zu drucken, da ihr der Inhalt des Comics zu anstößig war.4 Warum ist mir ein Rätsel, das Wort “Fuck” kommt bloß Elfmal vor… auf den ersten 3 Seiten.

Der Plot a.k.a. “Worum geht es eigentlich?”

Kurz gesagt: Es ist eine klassische Detektiv-Geschichte im Noir-Stil – mit Superhelden.

Jessica Jones ist Superheldin im Ruhestand. Als Jewel hat sie einige Zeit ihre Fähigkeiten5 genutzt um den Menschen zu helfen. Warum sie ihr (sprichwörtliches) Cape an den Nagel gehängt hat, will ich weder dem Comic noch der Serie vorweg nehmen. Zu Beginn der Serie betreibt Jessica also ihre eigene Detektiv-Agentur: Alias Investigations. Und wie jeder gute Protagonist eines Noir-Krimis raucht sie Kette und hat ein Alkoholproblem.

Die Serie teilt sich in vier Storylines und ist dementsprechend auch in vier Trade Paperbacks aufgeteilt. In Heft eins bis neun werden Jessica und ihr Leben vorgestellt – und  prompt in eine Intrige rund um die Geheimidentität von Captain America verstrickt. Die Ausgaben 11-15 laufen unter dem Titel “Come Home” und erzählen von ihrer Suche nach einem verschwundenen Mädchen in einer amerikanischen Kleinstadt. 16-21 sind gesammelt als “The Underneath” und behandeln den Drogenhandel in einer Welt, in der Superkräfte das ultimative High darstellen. Die Ausgaben 22 bis 28 schließlich erzählen “The Secret Origin of Jessica Jones“. Band zehn ist eine einzelne Story, welche Inhaltlich alleine stehen kann, aber mit “The Underneath” als Trade Paperback gesammelt ist, da diverse Charaktere dort mit Jessica Jones in Kontakt kommen, welche in der späteren Handlung von Relevanz sind.

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Auszug aus “Come Home” (© MAX Comics)

Der Grund aus dem ich die Serie so überaus mag ist schlicht und einfach, dass sie Aspekte einer Welt voll von Menschen mit Superkräften beschreibt, welche wir sonst nie zu sehen bekommen. Ein Blickwinkel, der später von District X und Gotham Central aufgegriffen werden würde. So sehen wir schon im ersten Band, wie die Polizei zu “Talenten”, wenn ich die Bezeichnung aus Avengers 2 verwenden darf, steht. “Come Home” zeigt den Rassismus, den die (nicht gewalttätige) Zivilbevölkerung des Marveluniversums den Mutanten entgegenbringt. Und “The Underneath” beschäftigt sich mit der Ausnutzung einer Minderjährigen als Quelle für MGH6, welches dem Anwender nicht nur ein High, sondern auch Superkräfte verleiht. Über Secret Origins möchte ich wenig sagen, da es potentiell zuviel von der Serie vorweg nehmen könnte. 

All das wird begleitet von Jessicas Versuchen, trotz ihrer Fähigkeiten und ihres Jobs ein normales Leben zu führen und einen Partner zu finden. So geht sie unter anderem mit Luke Cage7, der ebenfalls bald seine eigene Serie kriegt, und Scott Lang, alias Ant-Man aus. Allerdings ist Paul Rudd wohl nicht in der Serie involviert, was mich nicht wundert, da er Jessica von Carol Danvers, alias Captain Marvel, vorgestellt wird, und die ist noch nicht gecastet.

Die Serie endete tatsächlich nicht wegen schlechter Verkaufszahlen, sondern weil Bendis der Ansicht war, die Geschichte zuende erzählt zu haben. Als er dies seinem Chef Joe Quesada mitteilte, schlug dieser vor, Jessica Jones und ihre Geschichte in The Pulse weiter zu erzählen. Darauf will ich an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen, außer um zu sagen, dass auch The Pulse mir sehr gut gefallen hat.

Das Artwork a.k.a. “Wie sieht es aus?”

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(© MAX Comics)

Wie eingangs erwähnt, würde ich Michael Gaydos Stil jederzeit erkennen. Das heißt aber nicht, dass ich ihn immer gut finde. Der Stil, den er größtenteils verwendet, passt fantastisch zu dem Noir Setting der Story und bringt den Krimi-Aspekt wirklich zum leben. Leider finde ich die Mimik stellenweise etwas unterwältigend.

Die Komposition der Seiten, beziehungsweise die Anordnung der Panels ist teilweise ungwohnt, mit deutlichen Abständen zwischen den einzelnen Panels. Dies wird jedoch zu gutem Effekt genutzt, um besondere Aufmerksamkeit auf den Inhalt der einzelnen Panels zu richten. Beispielsweise, wenn Jessica sich den Raum eines entführten Mädchens ansieht.

 

Besonders möchte ich noch lobend erwähnen, dass für Jessicas Flashbacks in Secret Origins entweder ein anderer Stil verwendet wird, oder sogar ein anderer Künstler hinzugezogen wurde. Hierdurch bekommen diese Segmente der Geschichte ein deutlich anderes Gefühl, welches sehr angemessen ist. So wird ihr Anfang als Schülerin im Stil von Steve Ditko gezeichnet. Die folgenden Segmente werden nach und nach zunehmend dem Stil der “Gegenwart” ähnlicher. Die große Ausnahme bilden die Segmente, welche ihre Zeit als Jewel darstellen: Gezeichnet von Mark Bagley, zeigen sie einen deutlich bunteren Stil, was wiederum Jessicas Gefühlszustand wiederspiegelt.

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Jessica als Jewel, Traumsequenz (© MAX Comics)

 

A.K.A. Jessica Jones

Abschließend noch einige Worte zur Netflix-Serie. Dass der Titel geändert wurde ist jetzt nicht verwunderlich, schließlich gab es im Fernsehen schon eine Serie “Alias”. 

Die Screenwriter sind Bendis selbst und Melissa Rosenberg, die auch als Produzentin das Team leitet. Zu ihren bisherigen Leistungen gehören drei Titel der Twilight Filme… Naja, auch Joss Whedon hat schon Mist gebaut. Desweiteren hat sie an Birds Of Prey8, und Dexter gearbeitet, wofür sie dreimal für Emmys nominiert wurde. Ich muss sagen, das klingt gut. Letztlich waren auch die Twilight-Filme gut produziert und adaptiert, aber das Quellenmaterial gibt halt nur soviel her.9 Birds Of Prey war gut, aber nicht erfolgreich und Dexter ist, nun ja, Dexter.

Regie führt S.J. Clarkson, ebenfalls Veteran von Dexter, sowie einzelner Folgen von Titeln wie Heroes, House und Orange Is the New Black. Ich bin zwar mit seiner Arbeit nicht übermäßig vertraut, aber er bringt auf jeden Fall ausreichend Erfahrung von guten Serien mit.

Der Cast:

Jessica Jones – gespielt von Krysten Ritter. Ich bin weniger als begeistert. Sie gefiel mir in Veronica Mars nicht, sie gefiel mir in Gravity nicht und Don’t Trust the B—- in Apartment 23 war generell nicht meins. Aber sie hat das Team irgendwie überzeugt, sie zu casten. Und bisher hat mich da bei einem Marvel Projekt noch niemand enttäuscht. Wir werden sehen.

Malcolm – gespielt von Eka Darville. Malcolm ist Jessicas nerviger, selbsternannter, aber irgendwo liebenswürdiger Assistent. Darville kenne ich ausschließlich durch seine Arbeit bei Power Rangers R.P.M.10, wo er mich durchaus überzeugt hat. Da Malcolm in den Comics eine sehr kleine Rolle spielt, wundert es mich nich,t hier keinen bekannteren Schauspieler zu sehen.

Luke Cage – gespielt von Mike Colter. Luke Cage ist ein Charakter, den Marvel in den frühen 70ern erschaffen hat und der seitdem eine recht solide Fangemeinde besitzt. Nicht zuletzt, weil er einer von vergleichsweise wenigen schwarzen Helden ist. Außerdem wird er nach den Ereignissen in Alias und The Pulse Gründungsmitglied der New Avengers. Zu Mike Colter kann ich wenig sagen, da ich tatsächlich noch nichts von ihm gesehen habe. Ich könnte mich aufregen, das er Glatze trägt und Luke Cage nicht, aber das wäre nun wirklich etwas lächerlich.

Kilgrave – gespielt von niemand anderem als David Tennant, anderweitig bekannt als der Zehnte Doktor. Zebediah Kilgrave, oder auch Purple Man, ist ein Superbösewicht, der eng mit Jessica Jones’ Vergangenheit verbunden ist. Wie möchte ich nicht verraten, aber ich hoffe sie behalten seine Psychose aus den Comics bei. Dort ist er vollkommen davon überzeugt, ein Charakter in einem Comic zu sein. Ja, ich weiss, das hat Deadpool auch schon gemacht. Nur wird es hier nicht als Gag gespielt. Er kommentiert den Stil des Künstlers und beschreibt die Panels, die wir gerade lesen, was ehrlich gesagt einen recht gruseligen Effekt hat, wenn man sich plötzlich von einer Zeichnung ertappt fühlt.

Fazit

Empfehle ich Alias? Absolut, aber es ist kein Pflichtkauf. Tatsächlich wurde es meines Wissens nach bisher noch nicht einmal übersetzt, wobei sich das mit dem Start der Netflix Serie ändern könnte. Man kommt im Marvel-Universum wunderbar zurecht, ohne Alias gelesen zu haben, aber wenn es euch interessiert wie das Zivilleben von “Talenten” so aussieht, dann schaut, ob ihr Alias findet.

 

Random Fact

In Avengers: Age of Ultron werden Scarlet Witch und Quicksilver durchgängig als “Die Zwillinge” bezeichnet. Sie teilen dies mit Andrea und Andreas von Strucker (gemeinsam alias Fenris). In den Comics sind diese die Kinder von Baron von Strucker, welcher im MCU den Maximoffs ihre Fähigkeiten gegeben hat.

 

 

1Marvel hatte bis Mai diesen Jahres eine ganze Reihe von Universen, in welchen verschiedene Storylines spielen. Die Bekanntesten sind davon 616 (das Hauptuniversum), 1610 (Ultimate-Titel) und 199999 (das MCU)

2“Best Continuing Series” und “Best Serialized Story”

3“Leserbrief”-Seite ind Heft #28

4http://www.comicbookresources.com/?page=article&id=322

5Superstärke und Fliegen, nicht so sehr landen, aber irgendwas ist ja immer…

6Mutant Growth Hormone

7“Ausgehen” ist evtl. Etwas übertrieben. Sie betrinkt sich und schläft mit ihm. Soetwas passiert ihr häufiger.

8Auch eine Superhelden TV Serie, basierend auf dem gleichnamigen Comic von DC, sollte ich auch mal etwas drüber schreiben.

9Ja, ich habe alle Twilight Bücher gelesen, Problem damit?

10Ich verweise auf Fußnote #6

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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