Game of Thrones als Comic?


George R. R. Martins Song of Ice and Fire ist spätestens seit der unglaublich erfolgreichen TV-Serie ein kulturelles Phänomen. Jetzt liegt uns die Graphic Novel vor, welche eine weitere Adaption des Lesestoffs darstellt. Aber lohnt die mittlerweile dritte Version der Geschichte um die Sieben Königslande?

Ich muss vorweg sagen, dass ich nach anfänglicher Skepsis ob des großen Hypes (Massengeschmack?! Transformers ist einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten!) irgendwann vor zwei Jahren auf den großen Game of Thrones-Zug aufgesprungen bin. Bücher, Audiobuch-Version, Serie und Zusatzmaterial waren schnell herangeholt – und es bleibt eine der wenigen Instanzen, in denen auch Leute weit ab von Fantasy einen Zugang zu dieser Form von Literatur finden können. Man kann mit Fug und Recht sagen: Marten ist ein Fan. Und Marten ist nicht von vielen Dingen Fan.

So liegen jetzt also zwei Bände der Adaption des Stoffs als Graphic Novel vor mir. Ich war nie ein großer Fan von Comics, schon gar nicht mit der etwas prätentiös anmutenden Bezeichnung als Graphic Novel. Watchmen etwa, fand ich vor allem künstlerisch eher enttäuschend. Kann mich die von Daniel Abraham geschriebene und von Tommy Patterson gezeichnete Version eines meiner Lieblingsepen überzeugen?

Die Graphic

Tyrion Lenniister in seinem Element © Panini/Dynamite Entertainment

Tyrion Lennister in seinem Element © Panini/Dynamite Entertainment

Was als erstes positiv auffällt, ist die Tatsache, dass sich der Zeichner nicht vom Aussehen der Schauspieler der TV-Serie hat ablenken lassen: Die Figuren sehen eher so aus, wie in den Büchern beschrieben. Aber auf der zeichnerischen Seite liegen auch die meisten meiner Kritikpunkte an dieser Adaption. So wurde zum Beispiel die Chance vertan, Tyrion Lennister wirklich so hässlich zu zeichnen, wie er in der Romanvorlage beschrieben wird.

Zwei Generationen Stark?! © Panini/Dynamite Entertainment

Zwei Generationen Stark?! © Panini/Dynamite Entertainment

Ein durchwachsener Aspekt des Comics ist das Charakterdesign: Auf der einen Seite sehen die Mitglieder der verschiedenen Familien sich eindeutig ähnlich, mit distinktiven Nasen, Haarfarben und Gesichtszügen. Das ist keine Selbstverständlichkeit und die Zeichnungen von Personen sind durchweg gut. Auf der anderen Seite scheitert der Künstler definitiv daran, Altersunterschiede überzeugend darzustellen. Mag es in Hollywood normal sein, dass eine 32-Jährige und eine 25-Jährige eine Mutter und ihre Tochter spielen, ist dies in einem Comic eher unnötig. Dennoch sind etwa Catelyn und Sansa Stark optisch nicht zu unterscheiden.

Eine wirklich schöne Burg – wie baut man sowas? © Panini/Dynamite Entertainment

Eine wirklich schöne Burg – wie baut man sowas? © Panini/Dynamite Entertainment

Lust auf mehr machen vor allem die Landschaftsbilder. Die fantastischen und riesigen Festungen von Westeros, die alle ihren eigenen Charakter und ihre eigene Übersteigerung unseres Mittelalters mitbringen, sind schön in Szene gesetzt. Ebenfalls schick sind Totalen der Stadt der Dothraki oder Szenen von aufeinanderreitenden Kämpfern. Hier bin ich als Leser froh, diese Aspekte der Geschichte visuell vor mir zu sehen, die in der TV-Serie aus Budgetgründen eher spärlich gezeigt werden.

(passender Kommentar) © Panini/Dynamite Entertainment

(passender Kommentar) © Panini/Dynamite Entertainment

Ebenfalls vorhanden sind die Nacktszenen, für die vor allem die erste Staffel der TV-Serie berüchtigt ist. Anders als bei den bewegten Bildern gibt es hier allerdings nicht nur Brüste zu sehen – und auch gleich einen kleinen Gag bezüglich Hodors Gemächt. Ihr könnt dazu stehen, wie Ihr wollt, ich persönlich finde die nur leichte Selbstzensur der Graphic Novel gut – dies ist schließlich ein Werk für Erwachsene und beinhaltet auch Szenen recht brutaler Gewalt.

HODOR! © Panini/Dynamite Entertainment

HODOR! © Panini/Dynamite Entertainment

Der Novel-Part

Die Geschichte ist natürlich bekannt. Viele Dialoge sind verbatim aus den beiden Vorlagen entnommen und erfüllen auch in dieser Adaption den Zweck, die Charaktere auszuarbeiten. Dass ich die Geschichte mag, habe ich ja bereits erwähnt. Wer keine Lust auf die Buchversion hat, kann zudem mit der Graphic Novel eine ganze Menge Zeit sparen: An einem längeren Abend könnt Ihr hier den Stoff einiger Tage Leserei oder einer ganzen Staffel der TV-Version aufnehmen – der Zeichnungen sei Dank. Für mich stellt sich jetzt vor allem die Frage, welchem Pfad die Graphic Novel nach dem fünften Band des Song of Ice and Fire folgt, ab dem die Serie ja deutlich andere Wege einschlägt. Wir werden sehen.

Fazit

Die Game of Thrones Graphic Novel ist hierzulande bei Panini erschienen, im Original bei Dynamite Entertainment. Pro Band kostet sie 19,99 Euro – benötigt aber vom Umfang her locker drei Bände, um das erste Buch der Vorlage abzudecken. Entsprechend kostet das Ganze deutlich mehr, als die Romanversion. Wer mehr Westeros will, für den ist dies eine Kaufempfehlung, vor allem, wenn Euch die Zeit für die Bücher fehlt. Ansonsten würde ich sagen, ist die Graphic Novel unterhaltsam.

Was bedeutet diese Wertung? Findet es heraus, nach einem Klick.

Marten Zabel

Marten Zabel

Bewertet Dich anhand Deiner Spiele, Serien und Rechtschreibung, wenn er nicht gerade selbst Spiele designt oder von größeren Dingen träumt.
Hauptthemen: Pen & Paper, Games, Brettspiele

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