Laufbahn eines Rollenspieler: Realitätsvermischung


Die Gruppe saß an einem Tisch in einer ziemlich abgewrackten Kneipe. Lerek, der findige Schurke, und Arwion, Meister der Magie, stritten sich gerade leise, während Ersterer auf einen Mann zeigte, der nicht so recht an diesen Ort zu passen schien. Lerek wirkte ziemlich aufgeregt, während Arwion versuchte, beschwichtigend auf die Situation einzuwirken.

„Was tust du da? Dein Verhalten ist äußerst irritierend und ich bitte dich darum, es auf der Stelle zu unterlassen.“, Arwions ungehaltener Tonfall ließ Lerek zusammenzucken. Die letzten Wochen hatten seinen Nerven nicht gut getan. Seit dem Überfall auf offener Straße war seine Paranoia schlimmer als gewöhnlich. „Er ist doch total verdächtig. Sieh dir doch nur an, wie er aussieht – mit seinem bösen Monokel und dem abartigen Schnurrbart.“
„Dein Verstand spielt dir einen Streich. Das ist doch nur ein unangemessen wohlhabender Mann, der zufällig in einer heruntergekommenen Spelunke sitzt und garantiert nicht der geheime Auftraggeber unserer Attentäter ist, der sich gerade ein Bild von der Lage macht und nur darauf wartet, seine Assassinen auf uns zu hetzen.“

„Er heißt Larion Thessadon von Fugenfels. Ich weiß, dass er hinter dem Angriff steckt. Val hat doch den Brief gefunden. Den mit den Initialien L.T.F.“
„Lerek, woher weißt du denn den Namen des rein zufällig hier anwesenden Herren, der rein gar nichts mit irgendeiner Verschwörung zu tun hat?“
„Er hat ihn dir doch vorhin genannt, als du ihn angesprochen hast.“
„Ja, aber da warst du doch gar nicht dabei. Das mit dem Brief hast du IT übrigens auch nicht mitbekommen.“
„Aber ich habe doch…“

„Schluss.“, Mark war etwas ungehalten. „Ihr vermischt wieder IT mit OT. Lerek hat nie etwas von dem Brief mitbekommen, auch wenn du als Spieler bei der Situation dabei warst. Du würdest den Mann also gar nicht weiter beachten.“
„Würde ich doch. Er sieht total unpassend aus und außerdem allein schon dieser Name. Du würdest niemandem, der unwichtig ist, einen so langen Namen verpassen.“
„Gar nicht wahr. Ich muss wohl wieder jede Situation einzeln und im Geheimen abhandeln, damit so etwas nicht passiert. Es ist schon seltsam, dass Lerek, dem normalerweise gar nichts auffällt, vor allem nicht, wenn es um irgendeinen unwichtigen NSC geht, plötzlich einen sechsten Sinn für Bedrohungen entwickelt“
„Das ist sozusagen eingebaut. Er ist ein klassischer Schurke. Die haben einen Gefahrensinn.“
„Der ganz plötzlich aktiv wird, wenn er einen NSC sieht, auf dessen Stirn Plot steht?“, warf Mark ein.

„Der ist doch mega-auffällig. Das kann man doch eindeutig sehen.“, versuchte es Kevin.
„Nein, überhaupt nicht. Ich hatte ein sehr nettes Gespräch mit dem Herren, der einen durchaus vernünftigen Grund hat, in dieser Kaschemme zu sitzen.“, wandte Björn ein.
„Nur, weil du bei deinem Wurf seine Motive zu erkennen gepatzt hast. Was ist das überhaupt für eine Erklärung. Er ist hier, weil er den rustikalen Charme dieses Ortes zu schätzen weiß? Dieser Schnösel ist doch mit Sicherheit der Geldgeber dieser ganzen Halsabschneider.“

„Kannst du nicht wissen und kannst du nicht wissen. IT weißt du schließlich nicht, dass Arwion seinen Wurf gepatzt hat. Außerdem war Lerek noch nicht einmal in der Nähe, als das geschehen ist, weil er zu dem Zeitpunkt gerade mit der Kellnerin geschäkert hat.“
„Ja, aber er kann schäkern und gleichzeitig ein wachsames Auge schweifen lassen.“
„Lereks wachsamen Augen waren garantiert nicht mit dem herumschweifen beschäftigt, sondern ruhten auf den Rundungen in deiner Reichweite.“, spöttelte Björn.
„Ach komm schon! Das ist so offensichtlich, dass der uns Böses will.“

Mark hielt sich den Kopf, als er die Kopfschmerzen zu verdrängen versuchte. Es war nicht das erste Mal, dass die Vermischung von dem, was im Spiel passierte und was die Charaktere wussten (IT) mit dem kollidierten, was die Spieler wussten (OT). Bei bestimmten Situationen verdeckt zu würfeln war ja noch drin, aber die Spieler einzeln in die Küche zu rufen, um Situationen durchzuspielen, die nur sie betrafen, sorgte jedes Mal für eine Unterbrechung des Spielflusses. Die perfekte Lösung hatte er dafür noch nicht gefunden. Vor allem, weil bei dieser Einzelbetreuung öfter  bestimmte Spieler viel zu kurz kamen.

Was ist eure Erfahrung mit der Vermischung von IT und OT und wie geht ihr damit um? Kommen solche Situationen überhaupt auf, oder habt ihr eine perfekte Lösung gefunden?

Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden