Shadowrunning oder Ballern mit Grips


Es ist da: Shadowrun Chronicles (zugegeben, schon seit ein paar wenigen Wochen). Ein Spiel, das begeistert, enttäuscht und trotzdem toll ist. Findet euch, um gemeinsam Gangs in den Straßen zu bekämpfen, eurem Hund bei der Intimpflege zu zuschauen, dem Worldchat zu lauschen und den Megakonzernen mächtig auf der Nase herum zu tanzen.

Shadowrun?

Kurz eine Erklärung zu ShadowrunShadowrun_2015-14-5_14-33-51 Chronicles. Ursprünglich ist Shadowrun ein Pen&Paper, welches in unserer Zukunft spielt – mit der klitzekleinen Änderung, dass kurz nach Beginn des 3. Millenniums, also heute, die Magie Einkehr hielt. Zwerge, Elfen, Trolle und Zauberer sind keine Geschöpfe Tolkiens und Konsorten, sondern so Real wie du und ich.

Durch die Verbindung von Magie und Technologie entstanden ungeahnte Möglichkeiten und es folgten Fortschritt und eine goldene Zukunft. Dann schritt der Kapitalismus ein und riss sich alles unter den Nagel. Es entstanden Megakonzerne, die sich um den Markt streiten und Regierungen machtlos machten. Privatarmeen führen Kriege um Patente und Ressourcen und der große Teil der Bevölkerung lebt in Armut und Angst.

Hier kommt der Gegenstand des eigentlichen Rollenspiels zum Tragen: Die Shadowrunner! Söldner, welche durch ihre Fähigkeiten dazu in der Lage sind, selbst zahlenmäßig überlegene Feinde im Kampf zu besiegen und alles hacken können was bei Drei nicht offline ist – sofern man ihnen genügend Zeit gibt. Sie arbeiten nicht nur durch Schattenmänner für die Konzerne, sondern auch für jeden, der sich ihre Dienste leisten kann. Hier geht es nicht darum, ob man gut oder böse ist, sondern ob man sich Essen, Behausung und die ärztliche Versorgung auch morgen noch leisten kann. Sozialstaat ist ein vergessenes Wort.

Zuerst das System….

Das Spiel kommt mit einer eher schlichten Grafik daher, welche trotzdem hübsche Details enthält. So ist bei Missionsstart zu sehen, wie ein Charakter einen letzten Zug von seiner Zigarette nimmt, um sie dann wegzuwerfen und ähnliche schöne Kleinigkeiten. Da das Spiel ursprünglich als Cross-Plattform-Titel mit einem Ableger für mobile Geräte geplant war und erst später auf das reine PC-Spiel umschwenkte, ist dies nicht nur verzeihbar sondern bietet einen besonderen Charme, welcher vor allem, auf altgediente Spieler wirken dürfte.

Gespielt wird rundeShadowrun_2015-14-5_22-28-06nbasiert und das mit bis zu vier Spielern auf einmal. Fehlende Mitspieler können durch NPCs (auch uns, aber in dem Fall eher “Henchmen”) ersetzt werden. Eine Erfahrung die mal etwas Neues bietet, auch wenn man sich unter einem Online Titel zunächst etwas anderes vorstellt. Pro Runde sind zwei Aktionen verfügbar, welche eingesetzt werden für Bewegung, Fähigkeiten, Nachladen oder einfach alles zu zerballern, was in die Schusslinie gerät. Wie viele Aktionen am Ende der eigenen Runde übrig sind, spielt für den weiteren Verlauf keine Rolle.

Daneben gibt es Fähigkeiten, die faktisch kostenlos sind. Der Rigger ist hier besonders im Vorteil, da seine Drohnen (maximal zwei gleichzeitig) je zwei eigene Aktionen haben und extra gesteuert werden. Das heißt aber auch, dass während alle anderen ihre Runde beendet haben, sitzt ihr als Rigger selbst noch da und überlegt wie ihr eure geile Panzerdrohne rettet. Denn diese kann nur einmal in der Mission gerufen werden. Dafür bieten die Drohnen eine Menge Feuerkraft und können als mobile Schutzschilde eingesetzt werden, um dem frühen Charaktertod entgegen zu wirken.

Wo wir gerade vom Tod sprechen, stirbt ein Spieler beginnt ein Countdown und die Mission muss innerhalb einer gewissen Rundenzahl abgeschlossen werden oder die Mission gilt als gescheitert. Das ist fair dem Toten gegenüber, der sonst seinen Kameraden wer weiß wie lange noch beim Zocken zuschauen müsste und traurig auf der Ersatzbank dahin vegetiert. Zudem ist der dadurch ausgelöste Stress bei den Mitspielern ein herrliches Spektakel.

Stress machen auch die gegnerischen NPCs. Zwar seht ihr in deren Gestaltung wenig Varianz, dafür sind sie nie um einen amüsanten Spruch verlegen und gehen sehr aggressiv und taktisch gegen euch vor. Oft fühlt ihr euch wie die Wurst auf dem Grill, welche von der Zange ergriffen wird. Das Allerdings auch nur, wenn ihr die Mission zum ersten Mal spielt. Wiederholung zeigt, wie so oft, dass den Gegnern vieles vorgegeben ist oder es zumindest so wirkt und sie nur minimal spontan agieren. Allerdings ist das Wiederholen bereits gemeisterter Missionen auch nicht besonders attraktiv, da es nur wenige Karmapunkte und keine Bezahlung für das zweite durchspielen gibt. Ist aber eigentlich auch in Ordnung, schließlich wurdet ihr dafür schon entlohnt.Shadowrun_2015-14-5_14-17-02

Der ein oder andere wird jetzt über das Wort Karmapunkte gestolpert sein und sich wundern. Karma wird genauso wie das Geld für Waffen, Panzerung und Hilfsmittel durch Missionen verdient. Dieses könnt ihr in den Skilltree investieren, der zuerst nach einer Menge aussieht. Einmal für eine oder zwei Spezialisierungen entschieden, vereinfacht sich die Weiterntwicklung aber deutlich. Wenn ihr also schon viele Punkte in Automatische Waffen und Klingen gesetzt habt, solltet ihr euch nicht noch umentscheiden und beispielsweise Decker (Hacker) werden. Möglich ist es, aber taktisch nicht logisch. Neben den Kampfskills gibt es noch die beiden Kategorien Geist und Körper, in welchen Dinge wie Hacken, Demolieren, Organentnahme und Schlösser knacken zu finden sind. Daneben verbessern sie Werte wie Zielgenauigkeit, Lebenspunkte und den Kritischen Schaden.

…dann die Story

Doch genug des Geschwafels, denn wirklich toll ist die Story. Im Tutorial erwacht man mitten in…

Wisst ihr was, das verrate ich euch nicht. Mich haben bereits die Vorkommnisse im Tutorial so begeistert, dass ich niemandem den Spaß am Entdecken nehmen will. Allerdings erzähle ich noch kurz, wie das Spiel sonst abläuft.

Zur Story sei nur so viel verraten: Smedley ist ein Arsch, Große Echsen mit Gehirnwäsche-Funktion und eine Gang, die als Kanonenfutter eine gute Figur macht.

Ein wirklich großes Areal zur freien Bewegung gibt es nicht. Ein kleiner Marktplatz ist alles, auf dem ihr zusammen mit anderen Spielern und eurer Gruppe frei herumlaufen könnt. Hier finden sich eure Questgeber und Verkäufer sowie ein Arzt, der euch gratis alle Körperteile gegen Technische Wunderwerke austauscht, solange ihr sie gekauft oder während einer Mission gefunden habt.

Shadowrun_2015-14-5_17-09-56Ach ja, Pets. Es gibt bisher drei, welche ganz toll aussehen, aber nur auf dem Marktplatz neben euch her hecheln. Bei den Missionen müssen sie zuhause bleiben. Nutzlos, aber hübsch.

 


Fazit

Trotz der eher altbackenen Grafik macht das Spiel vor allem mit anderen Spielern einen Riesenspaß und bietet ein tolles Erlebnis, nicht nur für Shadowrun erfahrene. Dazu kommt eine nette Community, die in der Regel nicht mit Humor geizt. Auch alleine ist es wunderbar spielbar und somit nicht vom eigenen Verlangen nach sozialer Interaktion abhängig. Von mir eine ganz klare Kaufempfehlung.

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Shadowrun Chronicles: Boston Lockdown [PC/Mac Steam Code]

Price: EUR 19,99

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Noch ein kleiner Hinweis: Daniel von den Kollegen bei Insert Moin hat Jan Wagner vom Entwickler hinter dem Spiel Cliffhanger Productions zu den Hintergründen interviewt. Sehr hörenswert. Den Podcast Insert Moin findet ihr hier.

Jakob Rabenhorst

Jakob Rabenhorst

Er zockt, wie es ihm gefällt, und liest sich durch die Welt. Wenn er nicht gerade am PC daddelt oder einen Roman liest, denkt er daran und freut sich darauf.
Hauptthemen: Games, Bücher.

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