Shadows of Brimstone – Horror trifft Western


Ist es ein Rollenspiel? Ein Miniaturenspiel? Oder doch ein Brettspiel? Nein, es ist Shadows of Brimstone! Ein Spiel, welches die Grenzen zwischen den Spielarten verwischt und dabei ein ganz eigenes Gefühl vermittelt. Aber macht es auch Spaß?

 Die Wurzel allen Übels

SoB CoA Cover

Flying Frog Productions (ab hier einfach FFP genannt) ist in den USA und Großbritannien berüchtigt für stark thematische Spiele wie Last Night on Earth oder A Touch of Evil. 2013 wurde das von Jason C. Hill designte Spiel Shadows of Brimstone mit FFP’s Hilfe gekickstartet und erschien kurz vor der Spiel ’14. Weil bis heute noch kein Spiel von ihnen übersetzt wurde, sind FFP und Spieledesigner Jason C. Hill im deutschsprachigen Raum eher unbekannt. Warum das so ist, kann man nur vermuten, aber eventuell ändert sich das alles mit Shadows of Brimstone. Zwischen dem Heidelberger Spieleverlag und FFP gibt es wohl Gespräche über eine deutsche Version. Wann und ob es dann aber auf deutsch erscheint, steht derzeit noch in den Sternen.

Gruseliger Goldrausch

Shadows of Brimstone ist ein kooperativer Dungeoncrawl in einem Western-Horror-Setting.

SoB SoD Cover

Vor einiger Zeit wurde in der Gegend um den Ort Brimstone die kostbare Mischung aus Metall und Gestein, genannt Darkstone, gefunden. Da dieser Darkstone anscheinend nicht nur selten ist, sondern auch damit erschaffenen Waren besondere Kräfte verleiht, gibt es bald einen neuen „Goldrausch“ auf dieses Material. Blöderweise scheint dieser Darkstone aber auch negative Nebenwirkungen zu haben. Monster aus anderen Dimensionen erscheinen, und Tote wandeln wieder unter uns. Und unsere Helden wollen natürlich mit von der Partie sein.

(Hier wurde wohl auf starke Anleihen aus einem bereits bekannten Rollenspiel zurückgegriffen.)

 

SpieltischGespielt wird mit ein bis vier Spielern, eine zweite, alternative Grundbox erlaubt aber bis zu sechs Spieler. Ihr verkörpert archetypische Charaktere aus dem klassischen Westernsetting. Je nach gewählter Grundbox (es gibt derer zwei, aber dazu später mehr) stehen verschiedene Typen zur Auswahl: US Marshal, Prediger, Indianer, Saloongirl und einige mehr. Gemeinsam begebt ihr euch dann in eine Mine und versucht, das Missionsziel zu erreichen.

Es gibt zwölf Missionen im Spiel, sechs davon sind in beiden Grundboxen identisch, wobei aber das mitgelieferte Material auch diese Missionen sehr unterschiedlich verlaufen lässt. Die Charaktere besitzen verschiedene Eigenschaften und Gegenstände, die sie mit sich führen, und können im Verlauf mehrerer Missionen neue Fertigkeiten erlernen, vorhandene verbessern und neue Artefakte finden.

Im Großen und Ganzen gibt es nur einen Mechanismus im Spiel: Würfeln. Es wird gewürfelt, um sich zu bewegen, um Fertigkeitsproben zu absolvieren, anzugreifen, Schaden auszuteilen und sich zu verteidigen. Zu Beginn mag einem das Spiel dadurch ziemlich willkürlich vorkommen, aber durch unterschiedliche Gegenstände und besondere Fertigkeiten lassen sich die Wahrscheinlichkeiten der diversen Würfe manipulieren, ganz ähnlich den meisten Rollenspielen.

Nach Absolvierung einer Mission, gleich ob gewonnen oder verloren, geht es in die Stadt. Hier können eure Helden Verletzungen, Wahnsinn oder Mutationen, welcher der kostbare Darkstone hervorruft, heilen lassen. Oder ihr besucht eine der Stationen, um eure Charaktere mit neuer Ausrüstung zu versorgen, oder das Kopfgeld, das auf diverse Monster ausgesetzt ist, zu kassieren.

Aber auch hier wird gewürfelt, um zu sehen was in der Stadt gerade passiert. Ist eine Seuche ausgebrochen oder wurde das Fort niedergebrannt? All dies hat Auswirkungen darauf, was ihr in der Stadt machen könnt. Und im Gegensatz zu den Monstern in der Mine kann ein betrunkener Arzt einen mit einem einzelnen Wurf das Leben kosten.

Frisch versorgt geht es auch schon auf zur nächsten Mission.

Heute ist ein guter Tag zum SterbenMonster 1

Shadows of Brimstone ist nicht perfekt. Die Miniaturen sind zweitklassig und müssen vor dem Spielen in Kleinstarbeit zusammengebaut werden. Die Anleitung ist über zwei Hefte verteilt, was wiederum zu einiger Sucherei führen kann, und hier und da finden sich auch ein paar Fehler im Gedruckten. In wieweit die Heidelbären hier nachbessern werden, bleibt abzuwarten. Nichts desto trotz ist Shadows of Brimstone ein Spiel, das es in die Herzen vieler Spieler schaffen wird.

 Nie zuvor habe ich etwas gespielt, das sowohl Miniaturenspieler, als auch Rollen- und Brettspieler so harmonisch einen Abend verbringen lässt. Am eigenen Tisch habe ich erlebt, wie wir in einer Spielerkonstellation, die ich bereits durch negative Erlebnisse als unvereinbar abgeschrieben hatte, gemeinsam sofort die nächste Runde spielen wollten. Endlich haben wir etwas, das wir in dieser Spielerkombi gerne spielen.

 

Fazit

IMGP3262Hier ist wirklich für jeden was dabei, ob taktische Kämpfe, Charakter leveln oder sich per Wahrscheinlichkeitsrechnung mit dem Spiel messen. Dadurch, dass es ohne „Overlord“ auskommt, gibt es auch kein Gegeneinander unter den Spielern, und auch dass in Koopspielen oft gefundene Problem des Alpha-Spielers tritt hier so gut wie nicht auf. Sogar die Spielzeit ist für einen Dungeoncrawler äußerst kurz, lediglich 60-90 Minuten für eine Partie, inklusive Aufbau, machen es möglich, dieses Spiel auch einfach mal unter der Woche zu spielen.

Für größte Abwechslung und Auswahl oder eine Spielrunde mit fünf oder sechs Spielern empfehle ich, beide Core Sets, City of the Ancients und Swamps of Death, zu erwerben. Solltet ihr aus Vorsicht oder aus finanziellen Gründen erst mal nur ein Core Set anschaffen wollen, empfehle ich, mit Swamps of Death zu beginnen. Die darin enthaltenen Helden bieten die größte Abwechslung und spielen sich sehr unterschiedlich.

Eines noch: Shadows of Brimstone ist als Kampagnenspiel ausgelegt. Das heißt, ihr solltet über mehrere Spielabende mit den gleichen Spielern spielen, um den maximalen Spaß zu haben. Solltet ihr des Englischen mächtig sein, geht und holt euch Shadows of Brimstone! Ansonsten, wartet und hofft, dass das Spiel auf deutsch erscheint.

Shadows of Brimstone ist ein absoluter Pflichtkauf für jede Spielrunde.

 

Shadows of Brimstone

City of the Ancients & Swamps of Death

1-4 Spieler

Spielzeit ca. 60 Minuten

Flying Frog Productions

 

Shadows of Brimstone: Swamps of Death

Price:

5.0 von 5 Sternen (3 customer reviews)

1 used & new available from

Shadows of Brimstone: City of the Ancients

Price: EUR 142,32

4.4 von 5 Sternen (5 customer reviews)

1 used & new available from EUR 142,32

Christian Turkiewicz

Liest bevorzugt Regeln zu Brett- und Rollenspielen. Liebt Bingewatching, hat aber keinen TV-Anschluss.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele, Pen&Paper, Serien

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  • Ich bin ebenfalls absolut begeistert! Habe auch schon einige Solorunden hinter mir, das war auch eine Premiere.

    • Christian Turkiewicz

      Freut mich dass du auch Spaß daran hast. Hast du auch vor die Minis zu bemalen? Ich habe meine diese Woche grundiert und werde demnächst anfangen.

      • Ja, in der Tat. Grundierung ist schon gekauft. Bei der Farbe bin ich etwas unschlüssig, von Army Painter gibt es ja SoB-Material, aber schwer erhältlich. Dass zu Zombicide gibt es hierzulande, das leg ich mir wahrscheinlich zu. Auch Bemaltutorials schon gesichtet …

        • Christian Turkiewicz

          Ich hab meine alten GW Farben ausgegraben, die meisten davon konnte ich wiederbeleben und der Harbinger macht den Anfang.

  • Pingback: Podcast: Spielgeflüster Folge #6 – Brettspiele mit Rollenspiel-Elementen | Teilzeithelden - Rollenspiel-, LARP- und Phantastikmagazin()