Ein Sandalenfilm zum Lesen


Wer kennt sie nicht, die Eroberer der Antike, die einen Großteil Europas, Nordafrikas und des mittleren Ostens eroberten, um dies alles dann zu verwalten? Die Römer. Bilder zahlloser alter und neuer Sandalenfilme kommen dem modernen Menschen bei diesem Volk vor das geistige Auge. Dass diese natürlich nicht historisch korrekt sind, muss man nicht erwähnen. Es ist auch schwierig, etwas so lange Vergangenes vollständig nachzuempfinden und wieder herzustellen. Mit dem ersten Buch der bisher achtteiligen Empire-Reihe Die Ehre der Legion versucht Anthony Riches auch nicht, das römische Reich vollständig darzustellen. Er begnügt sich mit einer Soldatengeschichte.

Ciao Roma

Der junge Marcus Valerius Aquila wird überraschend von der Prätorianergarde in Rom an den Hadrianswall versetzt. Wie sich bald herausstellt, geschah dies zu seinem Schutz, da seine Familie des Hochverrats an Kaiser Commodus beschuldigt wurde und dieser eine Problemlösung von eher direkter Art vorzieht. In England fällt Marcus von einem glücklichen Zufall zum nächsten und überlebt so mehrere Versuche, auch an ihm das Urteil ohne Anklage zu verrichten. Unter falschem Namen schließt er sich einer Legion an, um von dort auf seinen Moment hinzuarbeiten.

Da ist auch schon das erste Problem. Ein wenig Glück darf in solch einer Geschichte durchaus seinen Teil beitragen, aber Marcus hat nicht nur Glück, er kann nur von allen bekannten und unbekannten Göttern geschützt werden. Zugegeben, so schlimm ist es auch nicht. Aber es summiert sich im Verlaufe des Buches schon so einiges an glücklichen Zufällen.

Trotz dessen ist Marcus Valerius ein interessanter Charakter, der auch im Verlauf des Buchs eine Entwicklung erfährt – nicht zuletzt aufgrund seiner Rachegelüste und Trauer. Aber auch, dass seine Familie gar nicht seine Familie ist, sorgte nicht nur für Verwirrung bei ihm, sondern auch bei mir als Leser. Ein Story Twist, mit welchem ich auch jetzt noch nicht ganz zufrieden bin. Keine Sorge, das ist dem Leser bereits nach den ersten 100 Seiten bekannt und somit kein großer Spoiler.

Story a la So Lala

Bei der Story und den Nebenfiguren könnte man schon ein wenig schimpfen. Darüber, dass dort Innovation fehlt, dass die Nebenfiguren eher zweidimensional sind und dass die Gefahr einer Rebellion der Bevölkerung nicht spürbar ist und daher einfach immer wieder von Charakteren erwähnt werden muss. Aber es ist Anthony Riches erstes Buch und somit sein erster Versuch, eine Geschichte zu erzählen. Zudem glichen für mich die Kämpfe und Schlachten all dies aus. 

Hier ergeht sich der Autor in taktischen Beschreibungen und blutigen Erzählungen. Bei diesen Passagen bemerkt man auch die eigentliche Profession des Autors: Dieser ist nämlich ein Absolvent der Manchester University in Militärgeschichte. Er beschreibt nicht heroische Kämpfe, sondern militärische Realität. Man sollte nicht immer versuchen, sich das gerade Beschriebene plastisch vorzustellen.

History done well

20662Und hier kommt auch endlich ein echtes Lob. Die Ausrüstung, die beschrieben wird, die Kleidung, die Siedlungsorte, die Hackordnung innerhalb einer Legion – diese und noch andere historische Details werden nicht nur korrekt, sondern spannend und visualisierbar beschrieben. Als Archäologiestudent bringe ich dem viel Bewunderung entgegen. Es ist schwierig, so etwas nicht langweilig und langwierig zu gestalten.

Ein Gedanke, welcher mich vom Anfang des Buches begleitete, war, dass dieses Buch ein toller Film wäre. Mehr ein optisches als intellektuelles Erlebnis.

Etwas weiteres für mich Positives ist die Art der Sprache: Wo in Historienromanen irgendwelches gestelztes Geschwafel genutzt wird, um es „historisch“ wirken zulassen, sprechen die Figuren hier auf unsere moderne, gewohnte Art und Weise. Außer natürlich, dass die Legionäre sehr derb sind. Das empfand ich als eine sehr gute Entscheidung, da es sich angenehmer liest.

Fazit

Auch wenn die Story und Nebenfiguren schwächeln und die Motivation der Hauptfigur anfangs wenig innovativ ist, war ich von Anfang an vom Buch angezogen. Vor allem von der brutal ehrlichen Vorgehensweise der Figuren. Wer Römer und Kriegsbeschreibungen mag, ist hier gut bedient und wird ein unterhaltsames Buch in Händen halten Wer nach innovativer Story und emotionaler Achterbahn sucht, sollte dann vielleicht doch zu Jane Austen greifen. Der epische Sandalenfilm ist nun auch als Buch erhältlich.

Die Ehre der Legion: Roman (Imperium-Saga, Band 1)

Price: EUR 14,99

3.9 von 5 Sternen (26 customer reviews)

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Jakob Rabenhorst

Jakob Rabenhorst

Er zockt, wie es ihm gefällt, und liest sich durch die Welt. Wenn er nicht gerade am PC daddelt oder einen Roman liest, denkt er daran und freut sich darauf.
Hauptthemen: Games, Bücher.

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