Gotham – Die Geschichte vor Batman


Was ist Gotham, ohne seinen dunklen Rächer, der im Fledermaus-Kostüm Verbrecher verprügelt? Mehr als man denkt. Mit der Serie Gotham entführen Warner Bros Television und DC Entertainment in eine Zeit vor Batman und begleiten James Gordon durch die dunkle, regnerische Stadt.

Am Anfang

Ich nahm die Serie Anfang des Jahres mehr durch Zufall wahr. Bei einem Telefonat erzählte mir mein Vater von einer neuen Batman-Serie. Überrascht davon, dass ich es tatsächlich nicht mitbekommen hatte, dass eine neue Serie zu Batman raus gekommen war, setzte ich mich an Google.

91M5qwYKAHL._SL1500_Das, was ich fand, machte mich neugierig, aber es weckte auch Misstrauen in mir. Es sollte gar kein Batman in der Gotham-Serie vorkommen. Dieser war zum Zeitpunkt der Story noch ein Kind. Ein weiterer Punkt, der mich misstrauisch machte: der Name Fish Mooney. Es wurde sich extra ein neuer Bösewicht ausgedacht? Punkte, die mir im ersten Moment missfielen und auch die erste Folge konnte dem nicht entgegen wirken.

Eigentlich für mich beschlossen, dass die Serie nichts für mich wäre, tat ich mir dennoch die zweite Folge an und von einer Sekunde auf die nächste hatte die Serie mich gepackt. Die Figuren – oder sollte ich eher sagen: die Schauspieler (denn die Figuren waren mir ja bereits bekannt) – hatten sich Sympathie bei mir erkämpft. Es interessierte mich, was mit ihnen passieren würde. Und obwohl bei einigen Charakteren klar war, dass sie nicht sterben würden, weil Batman später auf diese stoßen würde, sorgte ich mich um das Wohlergehen einiger.

Für diejenigen, die gar nicht wissen, worum es geht und sich fragen, wie eine Batman-Serie ohne Batman funktionieren kann. Hier kurz die Handlung der Serie:

James Gordon (Ben McKenzie) ist neu in Gotham und ahnt noch nicht, welche Schrecken hier auf ihn warten. An seinem ersten Tag im Gotham City Police Department wird er dem korrupten Harvey Bullock (Donal Logue) als Partner zugewiesen. Ihr erster gemeinsamer Fall ist der Mord an den Waynes, den Eltern des späteren Batmans. In seiner Unerfahrenheit, wie es in Gotham zugeht, verspricht er dem Jungen, den Mörder seiner Eltern zu verhaften.

Kurz darauf kommt Gordon durch seinen Partner Bullok mit Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) in Berührungen, einem Mitglied der Mafiafamilie. Plötzlich kommen Gordon und Bullock auf die Spur des angeblichen Mörder der Waynes und der Fall scheint, nach dessen Tod, geklärt.

Doch James Gordon braucht nicht lange, um dahinter zu kommen, dass es sich um ein abgekartetes Spiel zwischen Mafia und Polizei handelt, damit der Fall möglichst schnell geklärt wirkt. Gordon kann dies nicht akzeptieren und wird schnell zur Zielscheibe der Mafia und des korrupten Polizeichefs.

Immer wieder muss Gordon gegen die Korruption der Stadt ankämpfen und gleichzeitig ungewöhnliche Mordfälle aufklären.

Die Superschurkengalerie

Während James Gordon versucht Recht und Ordnung durchzusetzen, machen die berühmten Superschurken, die man bereits aus Comics, Spielen und etlichen Filmen kennt, ihre ersten Schritte.

Schon in der ersten Folge wird der Zuschauer mit einer Menge Gegenspielern in Berührung gebracht. Besonders viel Zeit nimmt dabei der Pinguin, der noch den Namen Oswald Cobblepot bevorzugt, ein. Gespielt von Robin Lord Taylor erzeugt die Figur ungewöhnlich viel Sympathie, und obwohl ich in den Comics nie ein großer Fan des Pinguins war, freue ich mich bei jeder Folge erneut auf diese Figur.

Die Gesichtsmimik und Körperhaltung waren von dem ersten Moment an einfach faszinierend und es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie jemand der wie ein Pinguin aussieht bedrohlich wirken kann. Wer ein Fan vom Pinguin ist oder von Robin Lord Taylor wird bei der Serie mehr als nur auf seine Kosten kommen.

Doch nicht nur der Pinguin hat bereits seinen ersten Auftritt in der ersten Folge, auch der Riddler (Cory Michael Smith), Poison Ivy (Clare Foley), Catwoman (Camren Bicondova) und eventuell der Joker erscheinen bereits in der ersten Folge. Während bei Catwoman bereits ersichtlich wird, dass sie vermutlich eine größere Rolle spielt, da diese den Mord an Bruce Waynes Eltern beobachtet hat, haben die anderen in der ersten Folge nur einen ganz kurzen Auftritt.

Edward Nygma, oder der Riddler, der im späteren Verlauf eine größere Rolle einnehmen wird, arbeitet für die Polizei als forensischer Wissenschaftler. Seine Affinität für Rätsel verbirgt er nicht und treibt bereits jetzt einige Menschen in seiner Umgebung in den Wahnsinn.

Schon in den Comics war der Riddler immer einer meiner Lieblingsschurken und die Figur ist mir auch in der Serie sehr ans Herz gewachsen. Besonders die kleine Liebesgeschichte, die in seine Geschichte mit eingewoben wurde, macht ihn sehr sympathisch und es fällt einem schwer in seinem Verhalten etwas Falsches zu sehen.

Wirklich vergleichbar ist der Riddler aus der Gotham Serie mit dem Riddler aus den Comics allerdings noch nicht, bis natürlich auf die unterschiedlichen Berufe. Wie nahe sich der Riddler jedoch an der Comicvorlage bewegen wird, zeigt wohl erst die zweite Staffel.

Im späteren Verlauf der Serie treten noch weitere Superschurken auf. Besonders gut hat mir dabei Victor Zsasz gefallen, obwohl mir dieser genau wie der Pinguin in den Comics nie wirklich wichtig war. Anthony Carrigan spielt auf eine außergewöhnlich krankhafte Art und Weise, dass es beeindruckend ist, wenn er spricht und sich bewegt. Er löst dabei keine wirkliche Sympathie aus wie der Pinguin oder der Riddler, sondern mehr eine Art Faszination, die schwer zu erklären ist.

Victor Zsasz ist in der Serie übrigens kein psychopathischer Serienkiller, sondern ein psychopathischer Killer der Mafia. Er ist die Person, die von Falcone (John Doman) geschickt wird, wenn er den Auftrag als besonders wichtig erachtet. Wie bereits in den Comics verziert sich Victor selbst mit kleinen Schnitten, um seine Opferzahl anzuzeigen. Im Gegensatz zu der gedruckten Vorlage überwiegen in der Serie noch die unbeschadeten Hautstellen und nicht die Schnittwunden.

Leider gibt es aber auch Darstellungen, die mir weniger gut gefallen haben. Darunter fällt die Darstellung von Scarecrow, was ich wirklich sehr schade finde, da dieser zu meinen Lieblingsfiguren gehört. Da es in der Story zu weit vorgreifen würde verzichte ich darauf allzu genau darauf einzugehen, warum er mir nicht gefallen hat. Dennoch glaube ich, dass es nicht an der schauspielerischen Leistung von Charlie Tahan liegt, sondern an den Gegebenheiten wie der Charakter vorgestellt wurde oder an meiner Befangenheit, was Scarecrow angeht.

Die beiden weiblichen Schurken, die bis jetzt ihren Auftritt hatten, sind leider nicht so eindrucksvoll wie ihre männlichen Kollegen. Poison Ivy ist noch ein Kind und bleibt damit eher im Hintergrund der Geschichte. Catwoman soll zwar cool wirken, kommt aber leider allzu oft eher wie eine pubertierende Zicke rüber.

Im Übrigen heißt Poison Ivy in Gotham mit richtigem Namen nicht Pamela Isley, sondern Ivy Peppers. Da bei jeder anderen Figur der bürgerliche Name aus den Comics übernommen wurde, fällt dies extrem auf. Daher kann ich nur annehmen, dass später durch eine Adoption oder eine Namensänderung Poison Ivy zu ihrem bürgerlichen Namen aus den Comics kommt – oder dass die Macher der Serie sich irgendetwas Tiefgründigeres dabei gedacht haben. Ich zumindest werde mich, was das angeht, einfach überraschen lassen.

Weitere Schurken auf die ihr euch freuen könnt: Two Face (soll in der zweiten Staffel eine größere Rolle einnehmen), Black Mask (auch wenn es nicht Roman Sionis ist), Hush und hoffentlich auch noch ganz viele andere.

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Von Links nach rechts: Der Pinguin, Fish, Riddler, Poison Ivy, Bullock, Gordon, Bruce Wayne, Alfred und oben rechts Catwoman

 

Und was ist mit Batman und Joker?

Bruce Wayne (David Mazouz) wird natürlich nicht nur in der ersten Folge als Opfer präsentiert, sondern macht im Laufe der Serie seine ersten Schritte Richtung Batman. Doch es wird nur allzu deutlich, dass er davon noch weit entfernt ist. Er ist ein Kind und wird nicht von einer Sekunde zur nächsten zum Superhelden und gerade das ist sehr angenehm.

Die Schwächen von Bruce und sein Umgang mit dem Verlust seiner Eltern stehen im Vordergrund und bilden einen sehr interessanten Charakter. Schön ist, die Zeit zu sehen, die der junge Bruce mit seinem Butler Alfred Pennyworth (Sean Pertwee) verbringt. Einerseits zeigt es, wie wichtig dieser für Bruce ist, andererseits wird deutlich, wie viel der spätere Batman noch zu lernen hat.

Alfred selbst hat in der Serie auch einiges zu lernen. Zwar hat er Erfahrung aus seiner Militärzeit (was durch einige Szenen sehr eindrucksvoll gezeigt wird), jedoch hat der Gute noch keine wirkliche Erfahrung darin, einen Jungen zu erziehen.

Und der Joker? Nun das ist nicht wirklich bekannt. Zwar gibt es immer wieder Anspielungen, wer der Joker sein könnte, doch bis jetzt wurde das Geheimnis noch nicht gelüftet. Das Spiel, welches die Serie sich hierbei erlaubt, ist mehr als unterhaltsam. Denn der Joker hat im Gegensatz zu den meisten anderen Schurken nicht die eine feste Hintergrundgeschichte.

Nicht nur, dass es unterhaltsam ist, zu raten, wer denn nun später der Joker werden könnte. Es ist zumindest für mich ganz angenehm, nicht schon wieder den Joker im Vordergrund zu haben. Auch wenn er der Erzfeind von Batman ist, ist es schön, dass endlich mal anderen Schurken Zeit gewidmet wird. Besonders da nicht nur dieser einen interessanten Charakter aufweist.

Der eigentliche Protagonist

Die Folgen werden größtenteils aus der Sicht von Gordon erzählt. Auch wenn immer wieder zu anderen Figuren gesprungen wird, liegt der Fokus auf den aufzuklärenden Fällen. In jeder Folge werden Gordon und sein Partner vor ein neues Problem gestellt.

Besonders schön ist zu sehen, wie die beiden zusammen ermitteln. Im Gegensatz zu den meisten anderen Serien in denen Mordfälle geklärt werden, legt die Serie mehr Wert auf ein bisschen Action und nutzt die düstere Atmosphäre perfekt, um ein bedrückendes Gefühl zu erzeugen.

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Gordon und der Pinguin treffen aufeinander

Interessanterweise schafft es die Serie, neue Charaktere für ihre Fälle zu erschaffen und gleichzeitig die bereits vorhandenen Schurken einzuführen, ohne sie gleich hinter Gittern zu bringen. Besonders oft kommt Gordon mit dem Pinguin in Berührungen, welcher hin und wieder Hilfe zu Fällen bietet. Natürlich hilft der Pinguin Gordon nicht aus moralischen Gründen, sondern ist immer wieder auf seine eigenen Vorteile bedacht.

Doch wie macht sich Gordon eigentlich als Protagonist? Im Großen und Ganzen eigentlich gut. Es ist schön, eine Serie zu sehen, die in Gotham spielt und keine typische Superheldenserie ist. James Gordon als normaler Mensch, ohne ausgefallene Gadgets, hat oft mit seinen Gegnern zu kämpfen und muss sich gleichzeitig immer wieder mit dem Gesetz auseinandersetzen.

Dass Gordon, der noch versucht etwas in der Stadt zu ändern, und Bullock, der bereits von der Stadt gebrochen wurde, dabei immer wieder aneinander geraten, unterhält. Dies jedoch nicht wie in anderen Krimiserien auf humoristische Art und Weise, sondern macht deutlich in welchem Konflikt sich James Gordon befindet.

Während Batman sich selber Regeln auferlegt hat, werden Gordon die Regeln von außen vorgegeben. Die Konflikte, die daraus entstehen, sind oft weitaus interessanter, weil Gordon es nicht nur mit sich allein ausmachen kann und für Kompromisse, die ihm nicht immer passen, offenbleiben muss.

Es gibt nur eine Sache die ich an dem James Gordon aus der Gotham Serie bemängele und diese Sache scheint einigen redundant: Irgendwie stört es mich ungemein, dass Gordon keinen Schnauzbart hat.

Fazit

Die Serie ist atemberaubend! Obwohl ich einige Sachen zu kritisieren hatte, weil ich die Comics gewohnt bin, schafft die Serie es immer wieder, mich mitzureißen. Jeder, der spannende Storys liebt, sollte reinschauen. Ich persönliche bevorzuge es, die Serie mit englischer Sprachausgabe zu schauen, obwohl die deutsche Synchronisation sehr gut ist. Glücklicherweise wird nicht versucht die Namen krampfhaft zu übersetzen, wie es einst bei der Batman The Animated Series aus dem Jahr 1992 gemacht wurde. Selbst für diejenigen, die nicht viel mit Comics anfangen können, ist die Serie sehenswert und sobald sie im November auf DVD erhältlich ist, auch eine klare Kaufempfehlung.

Gotham – Staffel 1 [Blu-ray]

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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