Bag- statt Deck-Building


Statt Karten zu ziehen und auszuspielen, wie sonst üblich bei solchen Spielen, folgt Hyperborea einem aktuellen Trend und lässt den Spieler seine Aktionen aus einem Beutel fischen. Dies spart nicht nur das ständige Karten mischen, sondern ist auch einfach cooler.

Die Story

„Das legendäre Reich Hyperborea wurde einst von einer uralten Zivilisation beherrscht, die magische Kristalle als Energiequelle nutzten. Über die folgenden Jahrhunderte formierten sich sechs rivalisierende Fraktionen aus dem Staub der hyperboreanischen Zivilisation: Hyperborea2das militärische Scharlachrote Herzogtum; das Smaragdene Königreich mit seinen todbringenden Bogenschützen; das Violette Matriarchat, in dem der Lebensgöttin fanatisch gehuldigt wird; die Goldene Baronie mit ihren gewieften Diplomaten und Händlern; der sogenannte Korallen-Thron, eine äußerst effizient organisierte Volksgemeinschaft; sowie die isolierte und rätselhafte Himmlische Herrschaft. Jede Fraktion entsendet seine besten Krieger und Entdecker nach Hyperborea, um dort die Vorherrschaft zu erlangen. Nur du, der Anführer einer dieser Fraktionen, kannst dein Volk zu seiner Bestimmung, der Herrschaft über ganz Hyperborea, führen!“ (Auszug aus der Anleitung)

Groß, schwer und viel drin

Die überdurchschnittlich große und schwere Spielbox ist prall gefüllt und enthält allerlei schönes Spielmaterial. Benötigt wird pro Partie aber nur knapp die Hälfte, was den Wiederspielreiz erhöht. Herzstück ist der zumindest ein wenig an Siedler von Catan erinnernde aus neun Hexfeldern plus drei je Spieler zusammengestellte Spielplan. Vom Basislager am Rand entsenden 2-6 Spieler ihre Miniaturenkämpfer auf Eroberungstour. Es gilt, Städte zu besetzen, Geister in Ruinen zu überfallen und natürlich auch die eine oder andere Miniatur des Gegners abzuluchsen.

Gesteuert werden die Aktionen mit dem bereits genannten Beutel und über ein eigenes Spielertableau, auf dem die gezogenen Aktionssteine abgelegt werden. Hyperborea3Jeder Stein besitzt eine den Völkern nachempfundene Farbe und steht für eine spezielle Aktion. Mit roten Steinen lässt sich zum Beispiel kämpfen. Grüne erzeugen Bewegungen, Gelbe Siegpunkte, Blaue neue Aktionsmöglichkeiten und Violette bringen neue Miniaturen auf das Feld.

Spielgefühl                

Gesondert erwähnen möchte ich die Orangenen. Mit diesen erhält der Spieler nämlich neue Steine für den Beutel. Hier kommt auch einer der Hauptreize des Spiels zum Tragen: Ähnlich wie bei einem Deckbauspiel richtet ihr je nachdem welche Aktionssteine ihr euch besorgt eure Strategie aus. Beschafft ihr euch viele rote, ist der Kampf die Strategie der Wahl. Holt ihr euch viele gelbe, zielt ihr wohl eher direkt auf Siegpunkte ab. Das Spiel bietet eine Vielzahl von Ansätzen und Kombinationen und die Spieler können so in jeder Partie neue Sachen entdecken und ausprobieren.Hyperborea4

Hyperborea erzeugt den inneren Zwang, in jeder Runde das Bestmögliche aus seinen drei gezogenen Steinen herauszuholen. Hierbei muss die aktuelle Situation auf dem Spielbrett und seinem eigenen Spielertableau beachtet werden. Hinzu kommt, dass die künftigen Runden vorgeplant werden müssen, immer mit dem Gedanken “Welche Steine sind noch in meinem Beutel” im Kopf. 

Dieser Zwang wurde von meinen Mitspielern und mir durchweg positiv und als Motivation, sich zu verbessern, wahrgenommen. Wer nur nach dem Bauchgefühl spielt, hat hier keine Chance. Wer sich aber auf den geistigen Wettkampf einlässt, kann sich zum Herrscher von Hyperborea machen.

Fazit

Wer von Hyperborea ein auf Kampf ausgelegtes Schlachtepos á la Risiko oder Game of Thrones, das Brettspiel erwartet, könnte hier möglicherweise enttäuscht werden. Hyperborea ist ein die Gehirnzellen teilweise sehr stark in Anspruch nehmendes Spiel, bei  dem es auf ständiges Vorplanen, Reagieren auf Spielzüge der Mitspieler und Optimieren seiner Beutelauslage ankommt. Für den ambitionierten Spieler, der den gehobenen Einstieg ins Spiel nicht scheut, spreche ich dem Spiel in der Spielerzahl zwei bis fünf (bei sechs Spielern ist die Warte- und Grübelzeit einfach zu lange) auf jeden Fall eine Kaufempfehlung aus.

Was bedeutet diese Wertung? Klickt hier und findet es heraus.

PS: Boardgamegeek-User (und welche, die es noch werden wollen) rate ich vor allem für den Anfang, sich eine kleine Übersicht für den einzelnen Spieler runterzuladen. Sie zeigt alle möglichen Aktionen und erklärt diese nochmal. Hier geht’s zum Download.

 

Hyperborea

Autor: Pierluca Zizzi, Andrea Chiarvesio
Verlag: Asterion, Marabunta & Yemaia
2-6 Spieler
25 min pro Spieler

Asmodee 002494 – Hyperborea

Price: EUR 79,95

4.9 von 5 Sternen (7 customer reviews)

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Jan Kempf

Ist Anhänger des analogen Spielens zu Tisch. Ein wahrer Wettkampf findet für ihn immer noch im Angesicht seiner Gegner statt.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele

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