Irgendwie hatte er sich das anders vorgestellt


Eigentlich hatte Scott Lang (Paul Rudd) es sich ganz einfach vorgestellt: Sobald er aus dem Knast raus ist, sucht er sich einen sauberen Job, wird Teil der Gesellschaft und ist für seine Tochter da. Tja, soweit in der Theorie – die Praxis zeigt eher, dass es ziemlich schwer sein kann, als Ex-Knastbruder einen Job zu bekommen, selbst wenn man eine Ausbildung zum Elektro-Ingenieur vorzuweisen hat. 

Geld, Gold, Juwelen? Nein, nur dieser alte abgewetzte Anzug liegt hier.

Wo ist das Geld? Hier ist nur dieser komische Anzug!

Wenn dann auch noch die Ex-Frau die Tochter mit einem neuen Mann großzieht, der auch noch Polizist ist… dann, ja dann kann es schon sehr verlockend sein, wenn man einen total sicheren, einmaligen Bruch angeboten bekommt. Doch nichts ist jemals einfach und dieser total ungefährliche, sichere, superlukrative Job soll Scott Lang zu seiner neuen Berufung führen.

In der Theorie wollten Scott und seine Freunde nur fix in den Keller des zurückgezogenen, als verschroben geltenden alten Zausels einbrechen, einen riesigen Tresor knacken, das Geld schnappen und genauso fix wieder abhauen. Doof nur, wenn es sich bei dem angeblich verschrobenen alten Mann um Hank Pym (Michael Douglas) handelt. Erfinder der Pym-Partikel, Ex-Großindustrieller und in einer Liga mit dem Vater von Tony Stark. Außerdem ganz nebenbei im Ruhestand von seiner Tätigkeit als Ant-Man, der im zweiten Weltkrieg aktiv war. Und eben dieser Hank Pym hat es sich in den Kopf gesetzt, die besonderen Fähigkeiten von Scott Lang zu nutzen, um seine Erfindung vor den falschen Händen zu schützen und ihn zum zweiten Ant-Man auszubilden.

Adios sauberer Job und anständiges Leben – Zeit in den Anzug zu schlüpfen und zu zeigen, dass Größe nicht alles ist!  Zumindest wenn Scott es schafft, sein vorlautes Mundwerk einen Moment zu schließen und aufmerksam zu lernen, was Pym ihm anbietet. Denn diese Aufgabe könnte eine Nummer zu groß für ihn sein, wenn er nicht aufpasst.

Ist seine kleine Tochter nicht niedlich

Schafft er es, der Mann zu sein, den seine Tochter in ihm sieht?

Mit Ant-Man endet offiziell die zweite Season der Marvel-Universum-Filmreihe. Gleichzeitig kommt damit ein in Deutschland bislang eher nebensächlichen Charakter ins Rampenlicht. Scott Lang ist einmal mehr ein sympathisches Arschloch, der sich mit Peter Quill von den Guardians of the Galaxy und Tony Stark von den Avengers in Sachen großer Klappe im falschen Moment wunderbar messen kann. Genau wie die beiden hat auch er das Herz am rechten Fleck und weiß, dass man manchmal alles riskieren muss, um das Wichtigste zu retten.

Generell sind die Schauspieler erstaunlich passend besetzt und Paul Rudd kann seinen Charakter glaubhaft wachsen lassen. Man nimmt ihm ab, dass er schließlich wirklich in das Kostüm schlüpfen und lernen will, was es heißt, das Erbe von Ant-Man anzutreten.

Anfangs war ich sehr skeptisch, ob Ant-Man als eigenständige Figur in einem Film funktioniert. Immerhin ist er irgendwie nur das kleine Anhängsel der Avengers. Aber gerade deshalb hat mich der Film eiskalt erwischt: Er ist schnell, sprüht vor Witz und lässt mir mehr als einmal die Kinnlade runterknallen! Die Special Effects sind absolut umwerfend.

Gerade wenn Ant-Man seine kleinen Helfer ins Rennen schickt, seht ihr, dass Marvel nicht kleckert, sondern klotzt. Vier verschiedene Ameisen-Völker haben die Macher dem kleinen Helden an die Seite gestellt – bis ins Detail recherchiert und animiert. Die Fähigkeiten von Ant-Man, mittels der Pym-Partikel blitzschnell seine Größe zu verändern, erweitert die Möglichkeiten des Protagonisten gewaltig und sorgt mehr als einmal für ein Schmunzeln, Ahs und Ohs.

Ups, das war wohl nichts

Ups, das war wohl nichts

 Auch bezüglich der Kontinuität hat Marvel wieder den ganz großen Mjölnir geschwungen. Im Film gibt es unter anderem auch eine kurze Sequenz, die vor knapp 20 Jahren spielt und bekannte Gesichter wie zum Beispiel Howard Stark  und Agent Carter zeigt (beide stehen Cap in Captain America: The First Avenger zur Seite), die inzwischen von Marvel ihre eigene Solo-Serie bekommen haben. Die Ereignisse führen in die heutige Zeit und setzen dann in der Zeit nach Age of Ultron ein.

Auch an die in den Comics fest an die Seite von Ant-Man gehörende Wasp a.k.a. Janet van Dyne wurde gedacht und sie wurde wunderbar in das Ganze integriert. Egal ob Comic-Fan, Film-Fan oder einfach nur unbedarfter Kinogänger, hier ist für jeden etwas dabei.

Was mir persönlich fehlt, ist der Gänsehaut-Faktor. Für mich gab es im Film keine Szene mit einer wirklich coolen Ansprache oder ein Musikstück, das meine Nackenhaare tanzen lies. Ich meine, der Bösewicht ist glaubhaft böse, die Guten sind ehrenwert und haben einen Grund ins Feld zu ziehen… aber das I-Tüpfelchen für einen PERFEKTEN Film im Kino fehlt dann doch.

Fazit

Ich glaube, ihr könnt es euch bereits denken, was jetzt kommt. Einmal mehr eine Lobeshymne auf das Marvel Cinematic Universum. Ich vereine viele Nerd-Aspekte in mir. Seien es Comics, Filme, Games, Bücher… und sämtliche Aspekte werden erneut gezielt angesteuert und getroffen.  Dieser Film ist allerdings auch für Leute geeignet, die bisher mit den Marvel-Filmen nicht in Kontakt gekommen sind oder sich dafür nicht begeistern konnten. Er funktioniert für sich allein wunderbar, aber eben auch als Bindeglied inmitten dieser Story-Line, die Marvel nun seit Jahren Stück für Stück aufbaut. Der Film bekommt von mir das Prädikat Empfehlung.

P.S.: GANZ WICHTIG, auch wenn der Abspann läuft…. SITZEN BLEIBEN bis das Licht auf 100 Prozent ist und das Reinigungspersonal euch rausfegt! Glaubt mir, es lohnt sich.

Sven Strobach

Sven Strobach

Isst, trinkt und atmet Filme. Sie sind sein Lebenselixier. Für ein Filmbattle braucht ihr mindestens eine Filmsammlung, die einer Videothek würdig ist.
Hauptthemen: Filme, Serien

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