Tipps für Spieler Teil 2: Charakterkonzept Ausarbeitung


Nachdem die Grundidee für das Charakterkonzept steht, geht es darum dieses auszuarbeiten. Auch hier verfolgen Felix und Thomas unterschiedliche Ansätze. Und es gesellt sich nun auch Marten dazu, der einen dritten Weg beschreitet.

Spezialist vs Allrounder

Nachdem man sich überlegt hat was man spielen möchte, bleibt zu sehen, wie sich dies auch regeltechnisch abbilden und umsetzen lässt. Sprich, welche Rasse(n) & Klasse(n) passen zu dem SC und welche Fertigkeiten und Fähigkeiten runden ihn ab. Bei der Umsetzung des Charakter-Konzeptes gibt es ebenfalls verschiedene Herangehensweisen. Felix und Thomas nehmen erneut zwei etwas extreme Haltungen ein. Es gibt ganz viele Möglichkeiten dazwischen, aber dafür haben wir nun Marten mit dazu geholt, der künftig galant zwischen den beiden anderen umherspringen wird.

Felix: Der Spezialist

Vor allem, wenn sich die Spieler gut kennen und vorher absprechen, sind Spezialisten als Charaktere ideal. Jeder kann seinen Bereich abdecken und bringt sich so perfekt in das Team ein. Klar mag es vielleicht ein paar Bereiche geben, die jeder zumindest adequat können sollte, wie zum Beispiel auf irgendeine Art im Kampf mitzuwirken oder sich zumindest ansatzweise vernünftig vorwärtsbewegen zu können, aber das kann jeder in der Regel auf seine Art und Weise.

Frage: Warum sollte sich der schwer gepanzerte Krieger an seinen Gegner anschleichen? Dann könnte er auch gleich seine Panzerung an den Nagel hängen und einen auf Assassinen machen. Wer stellt sich dann aber vor die Gegner, fängt die Schläge ab und deckt so den Magier? Ein Team aus Spezialisten ergänzt sich in der Regel perfekt und jeder kann in seinem Bereich Glänzen, ohne dass sich die anderen Nutzlos fühlen.

Besonders geeignet für Spezialisten sind übrigens Settings, die schon grundsätzlich auf Teams mit Spezialisten angelegt sind, wie die Crew eines Raumschiffes. Keiner verlangt, dass sich unser Marine im Maschinenraum oder der Pilot mit Wunden auskennt. Man stellt also sein Team entsprechend zusammen, sodass alles möglichst gut abgedeckt ist. Wer da als Allrounder daherkommt, nützt dem Team nicht besonders viel. Deshalb: Wenn ihr euch vorher absprechen könnt und dürft, würde ich zu einer Gruppe aus Spezialisten raten. Dann ist jeder in nur wenigen Saches richtig gut und nicht alle wissen überall ein bisschen Bescheid.

Thomas: Der Allrounder

Im Gegensatz zu Felix spiele ich lieber Allrounder als Spezialisten. Das liegt wohl daran, dass ich selber auch im Real Life eher ein Tausendsassa bin. Mir ist es nicht wichtig, dass der Charakter auf einem Gebiet besonders glänzen und den Rest der Gruppe in den Schatten stellen kann. Mein Charakter soll in jeder denkbaren Situation die Möglichkeit haben, die Gruppe in ihren Plänen zu unterstützen und seinen Teil zur Lösung der Aufgabe(n) beizusteuern. Was zeichnet also einen solchen Allrounder aus und wie kann man ihn umsetzen? Wichtig sind für mich hierbei fünf Bereiche:

Kampf, Interaktion & Unterstützung, Heimlichkeit und Überleben, Herstellung und Wissen sowie gegebenfalls auch Magie (Siehe auch: Charaktererstellung für One-Shots)

Jeder SC sollte meiner Meinung nach in diesen Bereichen Fähigkeiten aufweisen können. Wie stark diese sein sollen, mache ich meistens an dem Rest der Gruppe fest. Gibt es bereits andere Charaktere, die Spezialisten auf einem dieser Gebiete sind, ergibt es wenig Sinn, dieses Gebiet ebenfalls stark auszubauen. Hier gilt es für mich, die bestehenden und zukünftigen Lücken mit meinen Fähigkeiten zu schließen.

Eine Ausnahme stellt für mich dabei der Bereich Kampf dar. Schließlich ist dieser Bereich häufig ein elementarer Bestandteil eines Abenteuers. Was wäre ein Fantasyfilm ohne einen epischen Endkampf oder eine große Schlacht? Das Gleiche gilt auch für die anderen Bereiche. Was wäre ein Film oder Spiel ohne Dialoge und Wortgefechte, dem Kampf ums nackte Überleben oder Schleichpassagen?

Da ich mit dem A-Team und MacGyver aufgewachsen bin, ist es für mich auch wichtig, dass der SC die benötigte Ausrüstung im Zweifelsfall auch selbst herstellen kann. Selbst erstellte oder verbesserte Ausrüstung verleiht dem eigenen Charakter außerdem einen besonderen Flair. Eine Drachenhautrüstung zu finden oder kaufen zu können, ist toll, aber sich die eigene Drachenhautrüstung nach einem Kampf anfertigen zu können, ist unbezahlbar! Also denkt darüber nach, bevor Ihr einem dieser Bereiche den Rücken kehrt.

Marten: Der angepasste Allrounder

Normalerweise vertreten Thomas und ich ja diametral gegenüberliegende Ansichten, wenn es ums Rollenspiel geht – bei diesem Thema aber definitiv nicht. Klar sollte jeder Charakter in einer Gruppe seine eigenen Fähigkeiten und Besonderheiten mitbringen, letztlich aber macht es zu große Diversität unklar, wieso man überhaupt zusammen unterwegs ist: Ein Trupp Ninjas auf Mission, den Shogun auszuschalten, wird hauptsächlich aus besagten Ninjas bestehen. Die Besatzung eines Raumschiffs mit verschiedenen Rollen zu besetzen ist schön und gut aber mit welcher Entschuldigung nimmt irgendwer den Piloten (oder sonst irgendeinen wichtigen Offizier) immer wieder mit auf eine potenziell gefährliche Außenmission? Und was macht die Crew, wenn der Pilot das Schiff bedient?

Ihr dürft dabei natürlich nicht aus den Augen verlieren, dass Ihr jemanden spielen wollt, der sich vom Rest der Truppe abhebt. Aber denkt einfach nur an die Fellowship of the Ring: Auf Reisen machen sie (abgesehen von den Level 0-Hobbits) alle das Gleiche. Der Zauberer zaubert nie und ihre Fähigkeiten sind auf das konzentriert, was für ihre Mission wichtig ist: Überleben und Orks oder Goblins töten.

Klar mag dies in Felix’ Gedanken zu Grundfertigkeiten mitspielen, aber im Gegensatz zu vielen Rollenspielcharakteren, die von den Mainstream-Systemen vorgesehen sind, haben echte Menschen eben weit breiter gefächerte Fähigkeiten. Viele von uns sind, wie Thomas sagte, Tausendsassas – und eben diese machen wirklich Spaß zu spielen. Captain Jack Sparrow beispielsweise ist nicht nur ein Schwertkämpfer und Seefahrer, sondern auch ein Hochstapler und Charmeur. Ein ähnlicher Charakter ist Indiana Jones: Kämpfer, Bücherwurm, Tausendsassa.

Diese Überlegungen gelten natürlich nur für bestimmte Settings. Wenn es zum Beispiel an Superkräfte geht, sind alle Argumente für Allroundertum hinfällig. Da ist es dann wichtig, dass ein Team von Helden eben nicht nur Feuerbälle werfen kann, sondern auch Autos, falls mal ein Bösewicht eine Haut aus Asbest hat.

Wie diese Konzepte umgesetzt werden, erfahrt ihr im dritten Teil dieser Reihe.

Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

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