Was dominiert die Gamingwelt?


Die E3 ist noch nicht lange vorbei und die Gamescom steht bereits wieder vor der Tür. Beides sind Messen, bei denen man sehr gut sehen kann, was die Computerspiel-Branche aktuell bewegt und in welche Genres den Markt dominieren. Was sind also aktuell die Trends bei Entwicklern und Publishern?

Multiplayer dominiert Twitch

Nutzen wir doch zunächst einmal eine andere Plattform, um eventuelle Trends im Gaming zu identifizieren: Twitch.tv. Wirft man einen Blick auf die meist gestreamten Spiele, dann findet man unter den Top sechs eigentlich immer diese hier vor: League of Legends, Counter-Strike, Dota 2 und Hearthstone. Hinzu kommen noch Heroes of the Storm, Fifa und seit kurzer Zeit Rocket League (und natürlich noch einige andere). Achtet einmal selbst darauf: Ihr werdet diese Spiele auf Twitch immer weit oben finden.

Alle nun erwähnten Spiele sind sogenannte MOC-Spiele. Dabei steht MOC für “Multiplayer Online Competetive”, kompetitive Games also. Das zeigt sich nicht nur bei den MOBAs League of Legends, Dota 2 oder Hearthstone, sondern auch im Shootergenre. Nur noch wenige kaufen Call of Duty oder Battlefield wegen der Einzelspielerkampagne; Counterstrike verzichtet direkt auf diesen “Ballast”. Mit Battleborn von Gearbox und Overwatch von Blizzard gesellen sich außerdem noch charakterbasierte Shooter hinzu.

“Neuere” Genres reihen sich ebenfalls in diesen Trend ein: Hearthstone und Magic haben den Weg für kompetitive Kartenspiele am Computer geebnet. Evolve hat den Teamgedanken komplett neu definiert und lässt mehrere Spieler gegen einen einzelnen mächtigen Gegenspieler antreten. Ein ähnliches Prinzip sollte Shadow Realm von Bioware werden, das aus mir leider nicht verständlichen Gründen allerdings eingestellt wurde. Bei der E3 stellte Ubisoft außerdem das Spiel For Honor vor, ein mittelalterliches Kampfspiel im kompetitiven Multiplayer-Modus.

Einzelspieler-Games setzen auch auf Multiplayer

Selbst eigentlich auf Einzelspieler designte Spiele bekommen mittlerweile einen Mehrspielermodus hinzu, wie Assassin’s Creed oder zuletzt Dragon Age. Ist das Ende der geschichtsträchtigen Rollenspiele also gekommen? Nein, denn das ist nicht der einzige Trend. Das eben erwähnte Dragon Age bietet im Mehrspielermodus kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander an. Gemeinsam erkunden die Spieler einen Dungeon. Es geht quasi zurück, zur Urmutter einiger Rollenspielabende. Auch Battleborn soll gemeinsame Missionen bieten.

Der eigentliche zweite (oder eigentlich dritte, wenn man den Trend für Pre-, Se- und Midquels hinzuzählt) Trend steht genau im Gegensatz zu den Mehrspielerkämpfen, die zwar ihre eigenen Geschichten schreiben, aber nicht viel mit einer wirklich gut durchdachten Story gemein haben. Diese sind “Open World Story Driven” (OWSD-)Spiele, getrieben von einer Geschichte und mit einer riesigen Welt ausgestattet. 

The Witcher 3: Wild Hunt ist so ein Spiel, ebenso Skyrim oder Batman: Arkham Knight. Ihr könnt euch dort grundsätzlich sehr frei bewegen, werdet aber dennoch von einer gut geschriebenen Geschichte durch die Welt gelenkt. Ihr erlebt Höhen und Tiefen, Glück und Trauer, vielleicht sogar Liebe und Wut.

Entwickler, erzählt Geschichten!

Geschichten, freie Entscheidungen und tiefgehende Charaktere zeichnen ein Rollenspiel aus, heute mehr denn je, ob nun am Computer oder auf dem Tisch. Wer Action will, greift zum Shooter, Kampfspiel oder Hack’n’Slay. Wer taktisch vorgehen will, spielt Starcraft oder eines der größeren MOBAs. Wer jedoch eine Geschichte erleben will, muss zu den OWSD-Spielen greifen. Denn diese sind zwar ohne Story noch immer Open World, aber diese große offene Welt ist auch nur eine Hülle, damit die Autoren darin ihre Geschichten erzählen können.

Ich bin sehr froh, dass es diesen Trend gibt, denn sonst würden gute Rollenspiele auf dem Computer bald aussterben. Dies geschieht übrigens auch wegen euch. Zwar bieten die Entwickler diese Spiele an, doch ohne Käufer wären sie auch nur Ladenhüter. Und einem Ladenhüter folgt kein anderes Unternehmen. Ich hoffe, dass künftig mehr Entwickler über die beiden Trends der Fortsetzungen und kompetitiven Spiele hinwegsehen, und sich wieder darauf besinnen, Geschichten zu erzählen und erlebbar zu machen.

Das ist mein Appell an die Entwickler da draußen: Erzählt Geschichten und erzählt sie gut. Man muss nicht nur neidisch auf die Verkaufszahlen von Witcher 3: Wild Hunt schauen. Schaut euch lieber etwas ab und analysiert, warum dieses Spiel so gut ist. Denn ein schlechtes Spiel würden wir, die Spieler, nicht kaufen. Haltet diesen Trend der Story Driven Games am Leben, den Rollenspielern zu Liebe.

Der Vollständigkeit halber sei auch noch der vierte Trend erwähnt: Open World Sandbox Spiele, wie Minecraft, Terraria und jüngst Ark. Wobei der Trend von Minecraft schon sehr dominiert wird und ich sehr gespannt bin, wie sich Ark hier schlagen wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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