You can’t take the sky from me…


Die Space Fiction TV-Serie Firefly gehört wohl zu den Fernsehproduktionen mit den meisten Fans – zumindest wünscht sich das mein kleines Fan-Herz. Es soll jedoch nicht um die Serie gehen, sondern die Brettspielumsetzung von Gale Force Nine, hierzulande vertrieben vom Heidelberger Spieleverlag. Ist das Spiel also auch für (die wenigen) Nicht-Fans geeignet?

In Ordnung, ich gebe zu, dass es wahrscheinlich sehr viele Menschen gibt, welche die Serie nicht einmal kennen. Was überaus schade ist. Falls du dazugehörst: Hol das schnell nach. Hier kannst du kurz etwas bei Wikipedia darüber lesen. Die Serie gibt es übrigens auch bei Diensten wie Netflix. Schon jetzt kann ich vorwegsagen: Das Spiel ist mit Vorwissen über die Serie deutlich besser.

Um was geht es beim Brettspiel?

Das Brettspiel orientiert sich grundsätzlich sehr stark an der Serie: Ihr beginnt als Kapitän eines Raumschiffes der Firefly-Klasse im ‘Verse. Eure Aufgabe ist es nun, Jobs anzunehmen, diese durchzuführen, eine Crew anzuheuern, euer Schiff auszubauen und für Ausrüstung zu sorgen. Crew und Ausrüstung braucht ihr, um einen Job erfolgreich abzuschließen. Jobs braucht ihr, um Geld zu verdienen. Geld braucht ihr, um eure Crew und euer Schiff zu erweitern. Der ewige Kreislauf.

Die Storykarte treibt das Spiel voran. Denn nur wer diese abarbeitet, kann gewinnen.

Die Storykarte treibt das Spiel voran. Nur wer diese abarbeitet, kann gewinnen.

Weil das aber irgendwie etwas langweilig wäre, gibt es eine Storykarte, die zu Beginn ausgewählt wird. Auf dieser stehen Siegbedingungen, die jeder Spieler abhandeln muss. So ist als Start-Story gedacht, dass sich die Spieler zuerst einen guten Ruf verdienen. Anschließend muss eine bestimmte Summe verdient werden, die dann an Niska gezahlt werden muss, der euch das Geld für euer Raumschiff geliehen hat.

 

 

Zwei Stunden Spielzeit? Wohl eher nicht

Ihr braucht sehr viel Platz für das Firefly-Brettspiel mit seinem Spielfeld und all seinen Karten.

Da ihr grundsätzlich ohne Crew (aber mit Schiff und Kapitän) startet, dauert das Spiel eine Weile, bis es in Fahrt kommt. Jeder versucht erst einmal, eine Mannschaft zusammenzusammeln und sich mit leichten Jobs über Wasser zu halten. In der Mitte des Spiels schießen dann die Fireflys förmlich durch das Weltall und die Crews erledigen einen waghalsigen Job nach dem anderen, weichen der Allianz oder sogar den Reavern aus, und kommen den Hauptzielen immer näher.

Unsere erste Runde war erstaunlich schnell vorbei, da ein Spieler besonders waghalsig Jobs erledigte. Mit insgesamt zwei Crewmitgliedern und seinem Kapitän pilgerte er durch das ‘Verse und verdiente erstaunlich schnell sein Geld, sodass er Niska ausbezahlen konnte. Solche Geschichten kann nur das Universum von Firefly schreiben. Doch auch andere Geschichten können in den weiten des Alls geschehen.

Unsere zweite Runde war genau das Gegenteil der ersten: Wir saßen über vier Stunden am Tisch. Bei einer offiziellen Zeitangabe von bis zu zwei Stunden eine extrem lange Zeit. Der Beginn gestaltete sich zunächst, wie auch die Runde davor. Dann bemerkten wir, dass diese Story sehr viel schwieriger zu beenden sein würde. Doch ein Firefly-Kapitän gibt nicht auf!

Nach dem Midgame zäh wie Kaugummi

Der grüne Spieler wird von den Reavern angegriffen. Wenn er ihnen nicht davon kommt, wird seine Crew wohl drastisch dezimiert.

Der grüne Spieler wird von den Reavern angegriffen. Wenn er ihnen nicht davonkommt, wird seine Crew wohl drastisch dezimiert.

Leider zog sich die Runde gegen Ende immer mehr hin. Unser vorheriger überraschender Sieger wurde zwei Mal komplett zurückgeworfen. Beim Reisen durch das Universum werden die “unparteiischen” Fraktionen auf die Fireflys aufmerksam. Im Allianzraum kann es sein, dass der Kreuzer der Allianz ein Spielerschiff abfängt und eventuelle Verbrecher der Crew festnehmen will. Außerhalb des offiziellen Raums wird es noch gefährlicher: Die Reaver sind auf Beutezug und töten nicht nur sämtliche Passagiere, sondern fast immer auch mindestens ein Besatzungsmitglied.

Das passierte unserem Glückspilz aus der ersten Runde, sodass er plötzlich nur noch mit halber Crew da stand. An das Erfüllen der Aufträge war nicht mehr zu denken. Also nochmals schnell eine Mannschaft angeheuert und weitergemacht. Dass dann aber erneut die Reaver auftauchen würden, frustrierte unseren Mitspieler völlig zurecht. Neustart, denn die Crew war komplett ausgelöscht worden. Auch solche Geschichten schreibt das ‘Verse. Den anderen Spielern ging es nicht viel besser – ein Rückschlag jagte den nächsten, aber zumindest gab es kein Gemetzel unter der Besatzung.

Dadurch kann sich das Spiel sehr hinziehen, was gegen Ende den Spielspaß sehr schmälert. Irgendwann war es allen egal, ob sie nun gewinnen oder nicht. Es galt letztlich nur noch, das Spiel zu schlagen. Jeder Erfolg der anderen Spieler wurde bejubelt und wir kamen dem Spielende näher, das wir in diesem Fall sehr herbeisehnten. Leider ein dicker Minuspunkt für das Spiel, wobei wir vermutlich wirklich sehr viel Pech hatten.

Gags aus der Serie aufgegriffen

Bekannte Gesichter und bekannte Ausrüstungsgegenstände sind Pflicht. Davon lebt das Spiel.

Bekannte Gesichter und Ausrüstungsgegenstände sind Pflicht. Davon lebt das Spiel.

Sehr schön dagegen ist, dass jeder Fan der Serie oder des Films total abgeholt wird. Nicht nur, dass Crewmitglieder bekannte Namen haben, sondern auch die Auftraggeber oder Gegenstände. Ein Cry-Baby ist fast schon Pflicht, um der Allianz unbeschadet zu entkommen. Und wenn man Wash als Piloten hat und Kaylee im Maschinenraum rumwerkelt, dann muss sich kein Kapitän sorgen um sein Schiff machen. Außerdem findet man überall Waffen, die einen Namen tragen, wie beispielsweise das Scharfschützengewehr namens “Vera”. Hier war offensichtlich Jayne unterwegs.

Dazu hat das Spiel den Humor der Serie aufgegriffen und sehr gut umgesetzt. So gibt es einen kleinen Dino, den man immer an den aktiven Spieler weiterreicht. In den Regeln steht dann noch die Empfehlung, dass man ihn am besten durch einen echten Plastikdino ersetzen sollte, da das viel mehr Spaß macht. Natürlich eine Anspielung an diese Szene hier:

Fazit

Ich als Fan freue mich, das Spiel im Regal stehen zu haben. Und auch wenn sich die zweite Runde sehr zäh spielte, habe ich nach ein paar Wochen Pause vom Spiel wieder Lust darauf. Es macht grundsätzlich Spaß, bekannte Gesichter nun in seiner Crew zu haben und sie zum Beispiel mit einer “Shiny Krawatte” oder dem Scharfschützengewehr “Vera” auszustatten. Das Grundprinzip ist auch aus anderen Spielen bekannt, jedoch häufig besser umgesetzt.

Da das Spiel von seiner Lizenz und den Anspielungen auf die Serie lebt, würde ich es deshalb nicht jedem empfehlen. Vorwissen macht das Spiel erst gut, deshalb für mich klare Geschmackssache. Für Fans aber allein schon wegen der vielen Infos und Zitate auf den Karten ein Muss im Regal.

Noch ein paar Worte zum Regelwerk: Dies ist leider nicht sehr übersichtlich und lässt zu viel Raum für Spekulationen und Hausregeln. Wir haben am gleichen Abend auch das The Witcher – Abenteuerspiel getestet, das sehr viel übersichtlicher daherkommt. Dazu aber in einem späteren Text mehr.

Was bedeutet diese Wertung? Findet es hier heraus.

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Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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