Zeitlos schön


Am 5. Juli war es soweit, ein wunderbar zeitloser Film sollte im Savoy in Hamburg Station machen und jung und alt einmal mehr bei seiner Leinwand-Welttournee in seinen Bann schlagen.  Um welche Geschichte es hier geht? Um die Geschichte des letzten Einhorns

Zwei Jäger verirren sich in einen sehr wundersamen Wald: Geradezu zeitlos und seltsamerweise gibt es auch kein Wild zu jagen. Da erzählt der Ältere der beiden von einem ganz besonderen Hüter dieses Waldes: Ein Einhorn, angeblich das letzte seiner Art. Da sie hier nichts erbeuten werden, ziehen sie von dannen, nicht ahnend, dass ihr Gespräch von eben diesem Hüter belauscht wurde. Das Einhorn glaubt nicht daran, das letzte seiner Art zu sein, und bricht auf, um andere seiner (beziehungsweise ihrer, denn es handelt sich um ein weibliches Einhorn) Spezies zu finden.

20150705_094819Vor nunmehr 33 Jahren entstand dieses zeitlose Märchen über ein Einhorn, das seine Verwandten sucht und dabei letzten Endes doch das Einzige seiner Art bleiben wird. Es ist eine Geschichte über eine Reise, Freundschaft, Mut, Liebe und Selbsterkenntnis. Dazu nahmen die Macher das Beste, das klassische Märchen zu bieten haben: Einhörner, Magier, Prinzen, Bestien…

Und Himmel, ist es eine Geschichte geworden. Die Grundlage hierfür ist der gleichnamige Roman aus dem Jahr 1968 von Peter S. Beagle. Hilfreich zur Hand ging das japanische Studio Topcraft, aus welchem später das legendäre Studio Ghibli werden sollte. Gerade bei der Harpyie im Zirkus von Mommy Fortuna und dem roten Stier fällt der Zeichenstil sehr stark auf. Die harten Linien und vielen kleinen Details nutzte das Trickfilm-Studio in seinen frühen Werken ebenfalls. Von Die letzten Glühwürmchen bis hin zu Prinzessin Mononoke hat sich dies immer weiter verfeinert. 

Musikalisch erlebte die Band America ihr großes Comeback durch den von Jimmy Webb geschriebenen Titelsong, der sogar heute noch regelmäßig in den Radiostationen der Welt läuft und den damit auch viele Menschen kennen und toll finden, die den Film vielleicht nie gesehen haben.

20150705_095644Da ich den Film als Kind im TV erlebte, sind die Synchronsprecher für mich natürlich wie in Stein gemeißelt. Umso größer das Erstaunen, als es im Original-Ton einen Unterschied beim Einhorn gab. Hier verwendete man eine etwas veränderte Stimme, wenn sie dachte, und dann wieder normal, wenn sie mit zum Beispiel dem Zauberer Schmendrick spricht. Dass Christopher Lee seine Rolle sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Fassung spricht, ist bei seinem Repertoire nicht weiter verwunderlich und sorgt zusätzlich für Gänsehautstimmung. Generell war man bei der Auswahl der Stimmen für beide Fassung sehr sorgfältig, sodass es wunderbar mit den Darstellungen der Figuren harmonisiert.

Storytechnisch ist der Film sehr flüssig aufgebaut. Allerdings fällt auf, dass wir relativ wenig über die Figuren erfahren. Diese Aspekte des Romans mussten leider weichen, da wohl niemand einen dreistündigen Film produzieren konnte und wollte. Gerade zum Zauberer Schmendrick gibt es noch einiges zu erfahren, ist er doch zu ewigem Leben verflucht bis er endlich den Weg zu seiner wahren Bestimmung findet. Oder auch über das Reich des Königs Haggard, warum dieser so verbittert ist und nach Dingen sucht, die sein Herz zumindest erwärmen können.

20150705_095250Hier bleibt  leider nur der Griff zum  Roman übrig, welcher Jahre später tatsächlich nochmal eine kleine Fortsetzung spendiert bekam. 2004 erschien der Kurzroman Zwei Herzen, in dem ihr die lieb gewonnenen Figuren noch einmal begleiten könnt. Diese helfen dem Mädchen Sooz auf ihrer Reise. Schmendrick, Molly Grew und das Einhorn helfen dem Kind gegen einen bösen Greif, der das Dorf von Sooz bedroht.

Fazit

Wie oben schon gesagt, es ist ein zeitloses Märchen und kaum jemand, der mit diesem Film groß wurde, kann sich seiner Magie entziehen. Die Welttournee in Hamburg zu Besuch zu haben, war ein einmaliges Erlebnis. Denn dieser Film ist nie auf der großen Leinwand gezeigt worden. Großer Dank hierfür dem Savoy Kino. Zwei kleine Wermutstropfen haben dieses besondere Erlebnis ein wenig getrübt. Zum einen die Tatsache, dass der legendäre Christopher Lee mit 93 Jahren kurz vorher von uns gegangen ist, zum anderen, dass der Schöpfer dieses Meisterwerks, Peter S. Beaglem leider aus gesundheitlichen Gründen diesen Abschnitt der Welttournee nicht begleiten konnte und somit mein Treffen für ein Interview mit ihm noch ein wenig warten muss. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und sobald wir das nachgeholt haben werden wir davon berichten.

 

 

 

In diesem Sinne … Magie, tu was du willst.

Das letzte Einhorn

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Sven Strobach

Sven Strobach

Isst, trinkt und atmet Filme. Sie sind sein Lebenselixier. Für ein Filmbattle braucht ihr mindestens eine Filmsammlung, die einer Videothek würdig ist.
Hauptthemen: Filme, Serien

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