Der Untergang der Welt steht kurz bevor


Die Pest forderte zwischen 1347 und 1351  Millionen von Todesopfern. 1892 sorgte die Erkrankung Cholera für 9000 Tote in Hamburg. Im Herbst 1918 raffte die Spanische Grippe allein in New York 20 000 Menschen dahin. Die Seuche, die in der Serie The Strain, von Guillermo del Toro und Chuck Hogan losgelassen wird, fordert jedoch noch viel mehr Opfer.

Die Story

Ein Flugzeug aus Berlin landet am John F. Kennedy International Airport in New York. Kein Lebenszeichen dringt daraus. Alle Fensterrollos sind heruntergelassen. Seuchenschutzbehörde und Militär streiten darum, wer zuerst das Flugzeug betreten soll.

Der Epidemiologe Dr. Ephraim Goodweather (Corey Stoll) ist sich sicher, dass es sich um eine Seuche handeln muss und betritt zusammen mit seiner Partnerin Dr. Nora Martinez (Mía Maestro) zuerst das Flugzeug. Ihr Fund: 206 Leichen und vier Überlebende.
Während Dr. Goodweather diese Überlebenden unter Quarantäne stellt und die vermeintlichen Leichen wegschaffen lässt, werden im Hintergrund die Fäden von jemand ganz anderes gezogen, damit die Überlebenden schnellst möglich entlassen werden. Denn die Seuche wurde gezielt freigesetzt und soll ein neues Zeitalter einläuten: Das der Vampire.

Trotz Warnung des armenischen Professors Abraham Setrakian (David Bradley), der schon früher mit den Kreaturen zu tun hatte, reagiert Dr. Goodweather zu spät. Die Leichen erheben sich, suchen ihre Liebsten heim und die Überlebenden, die mittlerweile entlassen wurde, fangen an sich zu verändern.

Endlich weg vom Teenie-Schwarm Vampir

Wer hübsche und charmante Vampire erwartet, die junge Außenseiterinnen verführen, ist bei dieser Serie eindeutig verkehrt. Es gibt keine glitzernde Haut im Sonnenlicht und keine Vampire, die von Gewissensbissen geplagt werden. Sie sind das, was sie früher schon waren: Raubtiere.
Die meisten Vampire sind hier nicht einmal in der Lage zu sprechen – ihnen fallen die Haare aus, die Augen sind blutunterlaufen und sie fahren eine lange Zunge mit einem Stachel aus, um ihre Opfer leerzusaugen. Ja, eine lange Zunge. Wer Resident Evil gespielt hat, wird sicher an die Licker denken und wird damit 51RLzfvzRGLgar nicht so falsch liegen.
Die Vampire wenden sich damit zwar wieder von dem romantischen Bild ab, kehren jedoch auch nicht ganz zu den alten Wurzeln zurück. The Strain versucht etwas Neues und kann an einigen Stellen damit Punkten. Oft versucht die Serie, den Vampirismus wissenschaftlich zu erklären. So wird die Krankheit durch einen kleinen Wurm übertragen, der durch offene Wunden (meist durch die Zunge verursacht) oder andere Körperöffnung eindringt. Es handelt sich dabei also um einen Parasiten, der den Körper des Menschen als Wirt missbraucht und seinen Bedürfnissen anpasst.
Selbst die Empfindlichkeit gegen Silber und Sonnenlicht wird wissenschaftlich erklärt. Leider zieht die Serie diesen Ansatz nicht immer durch oder kann mir jemand wissenschaftlich erklären, warum zum Henker sich ein Vampir nicht in silbernen Spiegeln widerspiegelt?
Neben den Vampiren, die rein ihren Trieben folgen, gibt es ein paar wenige, die mehr Kontrolle über sich haben. Darunter fällt einmal „Der Meister“, der die ganze Seuche erst in Gang gesetzt hat und oh, große Überraschung, aus Rumänien stammt. Dieser ist bei seinen ersten Auftritten auch sehr furchteinflößend und erhaben, jedoch verliert die Figur sehr viel, sobald das Gesicht enthüllt wird.
Dann gibt es noch die rechte Hand des Meisters. Ein ehemaliger Standartenführer der SS mit dem Namen Thomas Eichhorst (Richard Sammel). Dieser fungiert als Mittelsmann zwischen den Menschen, die irgendwie für den Plan nützlich sein können, und seinem Meister.
Als letzter außergewöhnlicher Vampir kann noch Vaun genannt werden, der nicht zu dem Meister gehört, sondern für die sogenannten Alten arbeitet und bewaffnet mit Schusswaffen, Jagd auf die niederen Vampire macht.

Die Menschen

Doch eigentlich geht es in The Strain nicht um die Vampire, sondern, wie in The Walking Dead um die Überlebenden. Nur mit dem Unterschied, dass wir die Geschichte vom Ausbruch an begleiten. Ein Erlebnis, welches ich mir schon lange für eine Serie gewünscht habe.
Zu den wichtigsten Figuren gehören Dr. Goodweather, der sich mitten im Sorgerechtsstreit um seinen Sohn befindet, und seine Partnerin Nora. Mit beiden sammelt man die ersten Erfahrungen zu der Seuche. Leider dient keiner von ihnen als Sympathiefigur. Während Nora, trotz ihres Wissens, in die typische unsichere Frauenrolle rutscht, die verzweifelt versucht, jeden zu retten. Ist Ephraim zwar etwas realistischer, aber oft sehr selbstgerecht und herablassend. Vielleicht wird es euch anders gehen, doch wirklich für dessen Schicksal habe ich mich nicht interessiert.
Abraham Setrakian gehört ebenfalls zu den Hauptfiguren. Obwohl er am Anfang kalt und skrupellos wirkt, wird im Verlauf der Serie klar, dass er den Kampf gegen die Vampire schon sehr lange führt und ihn dies viel gekostet hat.
Eine Figur, die bis jetzt nicht erwähnt wurde, mir persönlich aber sehr gefällt und mit zu den wichtigsten Personen in der Serie gehört: Vasiliy Fet (Kevin Durand). Ein einfacher Schädlingsbekämpfer, der später eher durch Zufall zu der Gruppe stößt, befindet sich vom Charakter her genau zwischen den beiden Doktoren und Abraham. Er versucht den Leuten zu helfen, ist aber bereit in den richtigen Momenten konsequent zu handeln. Ich denke, dass besonders Vasiliy das Potenzial dazu hat sich für einige zum Sympathieträger zu entwickeln, da er logisch Handelt und sich seinen Humor nicht nehmen lässt.
Es gibt noch ein paar mehr Figuren, die immer wieder auftreten, doch damit würde ich zu viel von der Handlung vorwegnehmen. Daher müssen leider einige Charaktere unerwähnt bleiben.

Effekte, Stimmung und Logik

Nun aber eigentlich zum Wesentlichen: Eine Serie mit phantastischen Elementen ist darauf angewiesen, mit Effekten und Masken zu arbeiten. Zuerst einmal: Die Vampire sehen gut gemacht aus. Sie erinnern zwar eher an Ghule, aber das macht nichts. Nur der Obervampir hat, wie bereits schon erwähnt, trauigerweise ein verhunztes Gesicht. Es fiel mir schwer, ihn danach ernstzunehmen. Irgendwie erinnert mich sein Gesicht an einen Frosch oder Fisch und bedauerlicherweise ist weder ein Frosch noch ein Fisch bedrohlich.
Die Effekte sehen manchmal etwas billig aus. Besonders, wenn die außergewöhnlichen Vampire schnell rennen oder der Meister von Gebäude zu Gebäude springt, sieht man nur zu deutlich, dass es sich dabei um einen Computereffekt handelt und das kann störend sein – es durchbricht für einen kurzen Moment die Atmosphäre und macht einen bewusst, dass es sich dabei eben nur um eine Serie handelt. Dabei gibt sich The Strain sehr viel Mühe, eine Stimmung aufzubauen. Nachts sind die Straßen bedrohlich und jeder Schritt draußen kann tödlich enden. Tagsüber sind die Straßen belebt, doch die Menschen mit jeder Folge angespannter: Läden werden ausgeraubt, jeder kennt nur noch sich selbst.
Doch gerade da gibt es ein weiteres Problem in der sonst schön konzipierten Serie: Wenn es dunkel ist, scheint bereits fast die ganze Stadt infiziert und am Tage laufen so viele Menschen herum, dass es schwer zu sagen ist, wie weit die Seuche nun wirklich fortgeschritten ist. Die Bedrohung ist schwer einzuordnen und die Chancen der Figuren schwer abzuwägen, aber vielleicht soll gerade das erreicht werden. Eventuell soll man sich genau so fühlen, wie die Hauptfiguren von The Strain.
Ebenfalls negativ aufgefallen ist mir das Verhalten der vier Überlebenden. Nachdem sie aus der Quarantäne entlassen wurden und wieder nach Hause können, kommt nur einer der Vier, nachdem erste Krankheitssymptome auftreten, auf die Idee, Hilfe aufzusuchen.
Dass ein Rockstar vor einem großen Konzert nicht will, dass sein gesundheitlicher Zustand an die Öffentlichkeit gerät, kann ich noch verstehen. Für die Anwältin aber auch für den katholischen Familienvater hatte ich jedoch kein Verständnis. Es machte in meinen Augen keinen Sinn, dass sie nach dem Auftreten von mehreren Symptomen keinen Arzt aufsuchten. Während es bei dem Familienvater noch mit Angst begründet wird, bleibt der Grund der Anwältin, die im Übrigen auch zwei Kinder hat, aus. Stärkere Begründung für das Verhalten dieser Figuren hätte meiner Meinung nach der Story gutgetan.

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Fazit

Ich bin kein großer Vampirfan, besonders seit der Twilightsache. Diese Serie bot mir dennoch ein Bild des Vampirs, das mir sehr gefallen hat. Es nähert sich an vielen Punkten eher an eine Zombieapokalypse an, aber gerade das macht die Serie interessant. Empfehlen würde ich die Serie jedem, der den Vampir gerne wieder als Raubtier sehen möchte, auf Zombiefilme steht und Rollenspielern, die Inspiration für ein Endzeitszenario suchen. Für jeden anderen wird die Serie vermutlich nur unterhaltsam sein. Wer lieber liest als schaut, kann sich auch die Bücher, auf denen die Serie beruht zur Hand nehmen. Den ersten Band „Die Saat“ von Chuck Hogan und Guillermo del Toro kann man für knapp 10 Euro ergattern. Ansonsten schaltet Mittwoch gegen 22:10 einfach mal euren Fernseher ein, zappt zu ProSieben und macht euch selbst ein Bild.

Was bedeutet diese Bewertung? Lest es hier nach.

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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  • Papst Marten

    Man könnte das Verhalten der 4 Überlebenden auch wissenschaftlich erklären, da Parasiten gerne die Hirnfähigkeit ihrer Opfer beeinflussen und sie manchmal Risikofreudiger machen…aber wer weiß ob die Autoren daran gedacht haben, oder es einfach egal war.