Die Mittelmäßigen Vier


Tja, jetzt ist also die Fantastic Four-Version dieses Jahrzehnts erschienen. Ich bin weniger als begeistert davon. Versteht mich nicht falsch, er ist besser als Elektra oder Catwoman, aber das heißt nicht viel. Er ist aber vor allem nicht so schlecht, dass er deshalb ansehenswert wäre. Ich würde daher davon abraten, für den Film ins Kino zu gehen, das Geld ist er meines Erachtens nach nicht wert. Und da ihr jetzt das Ergebnis kennt werde ich den Rest dieses Artikels dafür verwenden zu erklären, was an dem Film nicht stimmt.

Erstens: Der Ton des Films ist furchtbar inkonsistent. Der Trailer suggeriert einen Pulp-Sci-Fi-Film mit Elementen von (Body-)Horror und Teile davon sind definitiv vorhanden. Gerade eine Szene in der Reed das erste Mal kontrolliert seine Arme streckt beziehungsweise entdehnt ist schon fast gruselig. Aber an anderen Stellen wechselt der Stil ins Familiendrama. Und ja, die Fantastic Four drehen sich um Familie – aber nicht so.

Fantastic Four Ben Thing

Ben – oder das Ding – ist der einzige Hauptcharakter, der einigermaßen gut getroffen ist. (© Constantin Film)

 

Zweitens: Nur Ben Grimm ist meiner Meinung nach gut getroffen. Er leidet unter dem, was mit ihm geschehen ist, und da steckt eine Menge Potential drin. Reed Richards hingegen ist eher Mr. Exposition als Mr. Fantastic. Davon abgesehen noch OK, hat aber ein Problem in der Rollenverteilung mit Sue. Sue ist in diesem Film ebenfalls Wissenschaftlerin, was gut passt, aber sie verliert ihre Eigenschaft als “gute Seele” der Truppe. Sie war immer die, die das Team zusammenhält und zusammenbringt – in diesem Film ist das Reed. Und dann ist da Johnny Storm…er ist kein spät-pubertierender Adrenalin-Junkie mit Vater-Problemen! Warum wird er dann so dargestellt?

Aber was wäre ein Superheldenfilm ohne guten Bösewicht? Wir haben jetzt die Antwort. Doom wurde eine Liebesbeziehungen zu Sue zugeschrieben, das hat keine Basis in den Comics und ist vollkommen überflüßig im Film, weil es im Finale keine Relevanz hat. Hinzu kommt, dass er nicht außreichend arrogant und seine Motivation völlig unsinnig ist.

Fantastic Four drei Mainchar

Da sitzen die drei Mittelmäßigen! (© Constantin Film)

Drittens: Der Nostalgia Critic hat vor einigen Wochen den Film von 2005 rezensiert und dabei bemängelt, dass die Superhelden keine Heldentaten bis zum Finalkampf gegen Dr. Doom vollbringen. Das ist hier ganz genauso. Thing zerstört nen Panzer und tötet ein paar Leute für die Armee, die Human Torch zerstört ne Drohne und das war es auch schon.

Viertens: Fox versucht Fantastic Four genauso aufzuziehen wie die X-Men Filme, welche ja größtenteils gut sind (vier von sieben sind gut, die anderen… nicht). Die Parallelen sehe ich darin, dass wir auch bei diesem neuen Versuch, die Vier in einen Film zu packen, Helden haben, die von der Regierung ausgenutzt werden sollen und trotzdem gegen jemanden kämpfen, der schlimmer ist. Das funktioniert bei den Fantastic Four aber nicht. Vermutlich sollte es bei den nächsten anders sein, was mich zum nächsten Punkt bringt.

Fantastic Four Sue Reed

Das sind die Wissenschaflter Sue (links) und Reed, muss man dazu sagen, denn nah an der Comicvorlage sind sie nicht. (© Constantin Film)

Fünftens: Es ist kein Film. Nein, ernsthaft. Fantastic Four (2015) ist kein Film, es ist ein Franchise-Start. Und wenn das der Auftakt für eine Serie wäre, würde ich mich auf die nächste Folge freuen. Aber als Film an sich? Nein, Danke.

Jetzt mag es sein, dass viele der Probleme von Konflikten zwischen Josh Trank, dem Regisseur, und dem Studio, Fox kamen. Die Produktionsprobleme sind ausreichend dokumentiert, aber das ist für uns als Zuschauer egal. Letzten Endes bin ich gespannt wie Fantastic Four (2025) wird, ab drei darf man schließlich von einem Muster sprechen. Außerdem muss Fox innerhalb der nächsten zehn Jahre mit der Produktion eines weiteren Films beginnen oder das Studio verliert die Lizenz. (zumindest so wie ich amerikanisches Lizenzrecht verstehe).

 

Fazit

Ich denke, es ist relativ klar, wie ich den Film bewerte. Mit den Comics hat er nicht viel gemein und nicht einmal ohne Rücksicht auf die gedruckte Vorlage handelt es sich hier um ein gutes Werk. Und wie eingangs erwähnt ist der Film noch nicht einmal so schlecht, dass er für Trash-Liebhaber etwas sein könnte. Spart euer Geld, statt euch Fantastic Four anzutun, denn er ist Schrott.

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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