The Witcher – Abenteuerspiel


Den Meisten dürfte The Witcher aka Geralt von Riva durch PC- und Videospiele bekannt sein. Jetzt gibt’s Geralt und Kumpane auch als Brettspiel. Mal gucken, ob es mit der Softwareversion mithalten kann.

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Bild: Heidelberger Spieleverlag

Andrzej Sapkowski hätte sich wahrscheinlich nicht gedacht, dass Geralt, der Hauptcharakter seiner Buchserie, zu einer solchen Kultfigur wird. The Witcher ist heute eine erfolgreiche PC- und Videospielserie, welche derzeit drei Teile umfasst.

Ende 2014 hat Fantasy Flight Games einen Brettspielableger veröffentlicht, der von Ignacy Trzewiczek designed wurde. Der Heidelberger Spieleverlag brachte im April 2015 die deutsche Version auf den Markt. Ignacy’s bisher bekanntestes Spiel ist wahrscheinlich das bei Pegasus erschienene Robinson Crusoe: Abenteuer auf der verfluchten Insel, aber auch andere Titel, wie Stronghold oder 51st State haben es in der Spielerszene zu großer Beliebtheit geschafft. Das kann also nur klasse werden, habe ich mir gedacht, ein toller Verlag, ein guter Designer und eine beliebte Lizenz.

Auf Monsterjagd

Mit zwei bis vier Spielern begebt ihr euch auf Monsterjagd, aber nicht gemeinsam, sondern um die Wette. Ihr könnt euch zwischen vier verschiedenen Charakteren entscheiden. Zur Auswahl stehen Geralt (Kämpfer), Triss (Magierin), Rittersporn (Barde) und Yarpen (multi-talentierter Zwerg mit Anhang). Nachdem ihr euch ausgesucht habt, wer wen spielt, erhaltet ihr zwei Questkarten, die auf euren Charakter zugeschnitten sind (Kampf, Magie und Diplomatie). Yarpen hat als einziger die Wahl zwischen zwei Questarten (Kampf und Diplomatie). Darauf zu finden sind jeweils eine Hauptquest, zwei Nebenquests und eine Unterstützungsquest.

Um diese zu erfüllen, müsst ihr Hinweismarker sammeln, indem ihr über die Landkarte reist und Ermittlungen aufnehmt, welche durch weitere Karten in das Spiel kommen. Unterstützungsquests können nur von Mitspielern erfüllt werden. Wenn ihr einen Mitspieler an einem Ort trefft und ausreichend Hinweismarker habt, könnt ihr diese Unterstützungsquest erfüllen. Dadurch erhalten beide Spieler Siegpunkte: der helfende Spieler doppelt so viele wie der Spieler, dem geholfen wird.

Unterwegs trefft ihr natürlicwitcher tisch 1h auf diverse Monster und es passieren auch mal Unglücke. Ihr habt während eures Zuges die Möglichkeit, von euren möglichen Aktionen zwei durchzuführen: Reisen, Trainieren, Ermitteln und Ruhen. Außerdem hat jeder Charakter noch eine weitere ihm allein vorbehaltene Aktion (Alchemie, Magie, Singen und Anführen).

Im Laufe des Spieles erlittene Wunden schränken eure Aktionswahl ein, welche ihr durch die Ruheaktion aber wieder herstellen könnt. Das Trainieren funktioniert auch sehr einfach: Ihr zieht zwei der zu eurem Charakter gehörenden Trainingskarten und behaltet eine, und schon könnt ihr etwas Neues. Kämpfe und Ermittlungen führen in der Regel zu Würfelproben, deren Ergebnisse entweder in Belohnungen (z.B. Hinweismarker) oder Bestrafungen (z.B. Wunden) resultieren. So reist ihr durch die Welt und sammelt Hinweise, um Quests zu erfüllen, welche euch wiederum Siegpunkte einbringen. Sobald ein Spieler seine dritte Hauptquest erfüllt hat, dürfen alle Mitspieler noch einen letzten Zug machen. Jetzt werden die Siegpunkte verglichen und der Sieger steht fest.

Verwitched und zugenäht

witcher nah

Soweit das Spielprinzip, jetzt zum Spielerlebnis: FFG-Spiele (und Heidelberger natürlich auch) haben meist tolles Material, was auch hier der Fall ist. Gute Spielfiguren, tolle Grafiken und auch schön gestaltete Spezialwürfel. Und auch Ignacy’s Erfahrung macht sich bemerkbar: Die Mechaniken sind einfach und greifen wunderbar ineinander. Es gibt ausreichend Abwechslung bei den Quests und Ermittlungen, um das Spiel auch öfter zu spielen. Aber The Witcher – Abenteuerspiel hat ein Manko: Es ist langweilig! Es kommt weder auf Strategie an, noch auf Taktik, und es kommt auch kein externer Druck auf.

Ein Spiel, das man gegeneinander spielt, aber in dem man weder eine direkte noch indirekte Möglichkeit hat, sich zu messen, verkommt zum Glücksspiel. Das wäre an sich kein Problem, Spiele wie Qwixx machen auch Spaß, und eines mit schönem Thema und tollem Material fände ich super. Aber ein Spiel das circa drei Stunden dauert, in dem es auf Glück ankommt, und so gut wie keine Interaktion zwischen Spielern herrscht, ist schlimmer als schlecht: Es ist überflüssig. Ihr könnt zwar Hinweismarker und Geld tauschen, das ergibt aber bei zum Beispiel zwei Spielern gar keinen Sinn. Außerdem ist das Brett so groß, dass ihr euch bei zwei oder drei Spielern kaum trefft, um Unterstützungsquests zu erfüllen.

Wer jetzt sagt: „Aber witcher tisch 2-1es kommt doch auf die Geschichte an!“

Ja es werden nette Anekdoten auf den Karten erzählt, aber ihr habt keine Entscheidungsfreiheit in diesen Geschichten. Storygames, wie Tales of the Arabian Nights, spielen sich wie Mehrspieler-Abenteuerbücher und ihr trefft Entscheidungen, die in der Handlung der Geschichte auch eine Rolle spielen. Dem ist bei The Witcher – Abenteuerspiel leider nicht so.

Ich kann mir nur vorstellen, dass hier auf Grund von Zeitdruck (Weihnachten? Release des dritten The Witcher Spiels?) schnell ein Lizenzspiel produziert werden sollte. Ignacy hat dann ein paar tolle Mechaniken zusammengehämmert, hatte aber leider keine Gelegenheit mehr, um etwas einzubauen, das dieses Spiel spannend macht.

(Disclaimer: Zugegeben, es gab in der NPConline Redaktion auch andere Stimmen, einer Spielgruppe hat dieses Spiel gut gefallen. Aber auch diese waren der Meinung dass das Spiel sehr glückslastig ist und sich ziemlich lange zieht.

Gesprächsfetzen nach der Spielrunde:

Felix: „Wie hat euch Witcher nun gefallen?“

Sascha: „Grundsätzlich, sehr gut.“

Marcel: „Du hast uns auch einfach abgezogen mit deinem komischen Barden!“

Sascha: „Stimmt, sonst hätte es mir auch nicht so gut gefallen. Aber im Ernst, es hat eine Weile gebraucht, bis ich den Charakter verstanden hatte und ich hatte unfassbar viel Glück, recht bald die beiden wichtigsten Fähigkeiten zu bekommen.“

Felix zu Robert: „Da hattest du, glaube ich, aber auch Pech. Es gibt sicher auch für Triss Quests, die mehr Punkte geben.“

Robert: „Ich hab ermittelt und ermittelt und trotzdem ewig gebraucht, um meine Hinweise zu sammeln.“

Felix: „Ich glaube, dass du auch da etwas Pech hattest.“

Robert: „Alles in allem ein ganz gutes Spiel. Es braucht nur eine Weile, bis es in Fahrt kommt und zieht sich gegen Ende. Zwei Stunden Spielzeit ist da niemals drin.“

Sascha: „Wie lange haben wir jetzt gebraucht? Vier Stunden in etwa, oder?

Fazit

Ganz klar haben wir hier ein Spiel der Variante: Hübsch aber überflüssig! Alle, die keine Hardcore The Witcher Fans sind und sowieso alles kaufen, wo Geralt drauf zu sehen ist, sollten ihr Geld wohl lieber woanders investieren.

Falls ihr dem Spiel trotzdem nicht abgeneigt seid, so empfehle ich auf jeden Fall vor dem Kauf eine Testrunde. Und falls ihr keinen Zugang zum Brettspiel habt, probiert die App aus, die gibt’s für PC, iOS und Android, allerdings nur auf englisch und polnisch. Aber ihr könnt sowohl gegen den Computer als auch online gegen andere Personen spielen.

Offizielle Wertung gefällig? The Witcher – Abenteuerspiel ist wohl Geschmackssache.

Was bedeutet diese Wertung? Klickt hier und findet es heraus.

Heidelberger HE595 – Witcher – Abenteuerspiel

Price: EUR 54,95

4.1 von 5 Sternen (22 customer reviews)

39 used & new available from EUR 37,00

Christian Turkiewicz

Liest bevorzugt Regeln zu Brett- und Rollenspielen. Liebt Bingewatching, hat aber keinen TV-Anschluss.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele, Pen&Paper, Serien

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