Zwerge, in all ihrer Schönheit


Nun haben wir bald alle Medien durch, in denen der Roman Die Zwerge von Markus Heitz umgesetzt wurde. Viel fehlt nicht mehr. Deshalb nehmen wir uns nun des Comics an, der im Splitter Verlag erschienen ist und von Che Rossié gezeichnet wurde. Setzen die Zwerge ihren Siegeszug fort?

Gleich vorweg: Ihr müsst das Buch von Markus Heitz nicht gelesen haben, um den Comic zu verstehen. Der Comic behandelt die Geschichte des ersten Bandes, zumindest einen Teil davon – bisher ist nur der erste von geplanten fünf Teilen erschienen. Wann der zweite Teil erscheint, ist noch nicht klar. Es warten aktuell alle (seit 2013) auf den Zeichner Che Rossié. Bei einem Gespräch mit dem Verleger von Splitter, hieß es, dass aktuell Ende 2015 angepeilt sei.

Es hängt also alles am visuellen Künstler, wie bei einem Comic üblich. Bei Die Zwerge handelt es sich um das Erstlingswerk von Che Rossié und es kann sich sehen lassen, wobei ich mit der Darstellung einiger Charaktere nicht zufrieden bin.

Rossié schlägt einen etwas düstereren Ton an und koloriert etwas “dreckiger”. Die Farben strahlen und leuchten nicht, was dem Ganzen einen etwas realistischeren Anstrich gibt und es von klassischen Superhelden-Comics klar differenziert. Wir befinden uns hier schließlich in einem mittelalterlichen Fantasy-Setting, da sind leuchtende Farben irgendwie fehl am Platz.

Von Zwergen, Orks und Magiern

Ein Kampf zwischen Magier darf im Fantasy-Setting natürlich nicht fehlen (© Splitter)

Ein Kampf zwischen Magiern darf im Fantasy-Setting natürlich nicht fehlen. (© Splitter)

Apropos Setting: Für alle, die die Geschichte des Romans Die Zwerge nicht kennen, hier eine kurze Zusammenfassung des Anfangs und gleichzeitig des ersten Comics: Die Kreaturen des Bösen (unter anderem Orks und Albae, so etwas wie Dunkelelfen) sind in das geborgene Land eingefallen. Sie konnten eine der Zwergenfestungen mit Hilfe eines Dämonen stürmen, der die Toten wiedererweckt und sie fortan lenkt. Nach einem Zeitsprung landet der Leser bei Tungdil, einem Zwerg, der bei dem Magier Lot-Ionan aufgewachsen ist. Tungdil muss seine Heimat verlassen, um einen Auftrag für seinen Ziehvater zu erledigen. Auf seinem Weg begegnet er den beiden Zwergenkriegern Boindil und Boendal, die ihm sagen, er sei ein Anwärter auf den Thron des Hochkönigs.

Derweil geschieht noch etwas bei Lot-Ionan, das ich aus dramaturgischen Gründen hier nicht verraten will. An dieser Stelle endet der Comic und man wird aktuell mitten im Anfang eines großen Abenteuers allein gelassen. Wie schon geschrieben: Ärgerlich, aber es geht hoffentlich bald weiter.

Es ist schon sehr lange her, dass ich das Buch gelesen habe und ich erinnere mich nur noch an den groben Verlauf der Geschichte. Insofern kann ich viele Charaktere nicht mit meiner Vorstellung als Leser vergleichen, einige aufgrund von späteren Büchern dagegen schon.

Zwerge zeichnen kann Rossié

Ich finde, dass Rossié den Protagonisten Tungdil sehr gut getroffen hat, ihm aber dennoch einen eigenen und individuellen Charakter gibt. Tungdil verändert sich im Laufe des Comics: Ist er am Anfang aufgrund eines Streichs von einem Zauberlehrling noch ohne Bart, wächst dieser zwischenzeitlich heran, wenn auch noch nicht zu einer zwergenwürdigen Länge. Auch bindet er Anfangs seine Haar in einem Tuch zusammen, trägt später auf Reisen aber einen Zopf.

Grundsätzlich sind die Zwerge im Comic sehr gut dargestellt, was aber bei dem Titel auch das Mindeste ist. Sie sind klein, sehr muskulös und haben beachtliche Bärte mit allerlei verschiedenen Zöpfen. Auch in den Rüstungen und Waffen zeigt sich eine gewisse Detailverliebtheit des Zeichners, die ideal zu den Protagonisten passt. Auch die Mimik und Falten im Gesicht verleihen jedem Zwerg seine Individualität, was mir sehr gefällt. Nur ein Zwerg trifft nicht meinen Geschmack: Boindil Zweiklinge, den wir am Ende des Buches kennenlernen. In meiner Vorstellung sieht er komplett anders aus. Hier trägt er einen sehr langen Zopf auf einem sonst kahlrasierten Schädel. Auch ist sein Gesichtausdruck zu ernst, was aber auch nur an den wenigen Panels liegen kann.

Nahkampf ist brutal und blutig, schön dass man das auch sieht. (© Splitter)

Nahkampf ist brutal und blutig – schön dass man das auch sieht. (© Splitter)

Dass ausgerechnet Boindil nicht meinen Geschmack trifft, ist besonders schade, da er auch in späteren Büchern und somit auch in potenziellen weiteren Comics eine gewichtige Rolle spielen wird. Andererseits kann Rossié ja auch nicht wissen, wie ich mir Tungdil vorstelle. Vielleicht werde ich noch mit ihm warm, im Moment ist er für mich allerdings eines der größten Mankos.

Andere Figuren sind dagegen besser getroffen. Die Orks gefallen mir zum Beispiel ausgesprochen gut, wobei der Zeichner einige Fehler mit der Farbe des Blutes gemacht hat. Mal verlieren die Orks rote Körperflüssigkeit bei einem Treffer, mal ist der Lebenssaft grün. Ein Detail, das mich etwas stutzig werden lässt.

 

Männliche Magierinnen und asiatische Albae

Die menschlichen Charaktere sind ebenfalls schön anzuschauen und auch hier zeigt sich Rossiés Liebe zum Detail. Mimik ist klar erkennbar und selbst die Kleidung wirkt vergleichsweise plastisch. Die beiden etwas jüngeren Magierinnen, die im Verlauf des Comics vorkommen, sind für mich allerdings etwas zu männlich. Ich erwarte keine Brüste, bei denen man Angst haben muss, dass sie gleich platzen. Aber besonders breite Schultern und markante sowie kantige Gesichter haben mich doch sehr irritiert. Ich war mir lange nicht ganz sicher, ob es sich um Frauen oder Männer in Kleidern handelt – was bei Magiern ja nicht unüblich ist.

Die Albae sind asiatisch angehaucht, für mich etwas zu viel gepustet. (© Splitter)

Die Albae sind asiatisch angehaucht, für mich etwas zu viel gepustet. (© Splitter)

Apropos kantige Gesichter: Die Albae sind meiner Meinung nach absolut überhaupt nicht gut getroffen. Sie werden in den Büchern als schön und mit feinen Zügen beschrieben, wie man es von Elbenwesen gewohnt ist. Schönheit liegt zwar im Auge des Betrachters, aber der Stil, den Rossié angeschlagen hat, gefällt mir überhaupt nicht. Ihr Gesichter sind eckig mit teils sehr markanten Wangenknochen. Der Zeichner hat sich außerdem bei ihrem Aussehen von asiatischen Einflüssen leiten lassen, was mir in diesem Fall auch nicht gefällt. Die Albae haben sehr schmale Augen, aufwändig zusammengeflochtene und asiatisch anmutende Zöpfe und ihre Ausrüstung sieht auch wie ein Gemisch aus Fantasy und Samurai aus. Grundsätzlich keine schlechte Idee, das Aussehen gefällt mir persönlich jedoch nicht.

Dennoch ist der Grundton, den Rossié anschlägt, gut. Die Zeichnungen sind detailliert, plastisch und die Farbwahl passt. Vor allem fällt so das Blut auf, das hier in großen Mengen fließt, ohne als alleinstehendes Stilmittel (wie beispielsweise bei Sin City) herauszustechen. Die Kämpfe stellt der Zeichner übrigens sehr brutal dar, geht jedoch nicht zu sehr ins Detail, sodass nach wenigen Panels die Zwerge gegen ihre orkischen Widersacher die Oberhand gewinnen, zumindest gegen Ende. Ich vermute, dass später herausforderndere Kämpfe auch mehr Panels einnehmen werden. Durch diese Technik zeigt sich jedoch die Überlegenheit von Boindil und Boendal gegenüber den “Schweineschnauzen”.

Fazit

Der Comic Die Zwerge ist nicht nur für Fans der Buchreihe etwas. Freunde von Fantasy-Comics kommen hier voll auf ihre Kosten. Allerdings ist das größte Manko, dass es noch immer keinen zweiten Band gibt. Falls der dritte ebenfalls so lange auf sich warten lässt, wird es schwierig für Rossié und den Splitterverlag, die Leser zu halten. Es wäre allerdings schade darum, denn der Comic ist durchaus sehr unterhaltsam.

Was bedeutet diese Wertung nun? Findet es nach nur einem Klick heraus.

Zwerge, Die: Band 1. Tungdil

Price: EUR 13,80

4.6 von 5 Sternen (28 customer reviews)

24 used & new available from EUR 11,99

Felix Mohring

Mit 11 Jahren aus Versehen in die Rollenspielrunde des großen Bruders gerutscht und seither nicht mehr von dem Hobby losgekommen. Gründer und Marketing-Äffchen, Moderator und Formatentwickler der NonPlayableCharacters.
Hauptthemen: Pen&Paper

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden