Auf den Spuren der unendlichen Geschichte


Mit Mara und der Feuerbringer kam im April ein Film in die Kinos, der für Deutschland ein Weckruf hätte sein können. Fantasy-Genre-Kino aus Deutschland und keine Komödie oder Vergangenheitsbewältigung? Verrückt. Leider kam vieles anders.

Der Umgang mit dem Film in den Kinos und im Marketing bezeichne ich getrost als Desaster. Kaum ein Kino zeigte Mara und der Feuerbringer wirklich lange, die meisten schoben ihn spätestens in der zweiten Woche auf das Abstellgleis mit Vorführungen unter der Woche am frühen Nachmittag. Der Film entwickelte sich zu einem riesigen Flop. Ist er also wirklich so schlecht?

Es ist KEIN Kinderfilm

Das Problem war, dass Mara und der Feuerbringer im Marketing als Kinderfilm abgestempelt und entsprechend beworben wurde. Nachdem ich den Film gesehen habe, behaupte ich einfach, dass er das absolut nicht ist. Für Euch Eltern da draußen schon jetzt eine kleine Empfehlung: Euer Kind sollte mindestens etwa zwölf Jahre alt sein, bis 16 Jahre sehe ich sogar keine Bedenken, sich das gute Stück einmal an einem Familienabend zu gönnen.

Auf in den Kampf, die Welt retten.

Auf in den Kampf, die Welt retten.

Und ja, Ihr könnt Euch diesen Film gönnen. Mara und der Feuerbringer steht in bester Tradition von Die unendliche Geschichte, dem letzten wirklich erfolgreichen Fantasy-Film aus Deutschland. Auch in diesem Werk wurde die reale Welt mit einer fantastischen vermischt und auf gekonnte Weise zu einem interessanten Mix gewoben.

Doch ehe ich hier in die Tiefe gehe, zitiere ich lieber die offizielle Inhaltsbeschreibung:

 

Die fünfzehnjährige Mara (Lilian Prent) hat nur einen Wunsch: normal sein. Wenn das nur so einfach wäre… In der Schule gilt sie als Außenseiterin, zu Hause wird sie von ihrer Mutter (Esther Schweins) mit Esoterikkursen drangsaliert und zu allem Überfluss suchen sie auch noch regelmäßig düstere Tagträume heim. Als Mara plötzlich erfährt, dass es sich nicht um Träume, sondern um Visionen handelt und ausgerechnet sie eine Seherin sein soll, gerät ihr Leben ordentlich aus den Fugen. Denn Mara hat keine geringere Aufgabe auferlegt bekommen, als den drohenden Weltuntergang zu verhindern – steht Ragnarök, die Götterdämmerung, wirklich unmittelbar bevor? Mithilfe von Dr. Reinhold Weissinger (Jan Josef Liefers), Universitätsprofessor für germanische Mythologie, stürzt sich Mara in ein aufregendes Abenteuer, in dem sie ganz auf ihre Stärken vertrauen muss. Geht von dem selbstverliebten Loki (Christoph Maria Herbst) und seiner geheimnisvollen Frau Sigyn (Eva Habermann) wirklich die größte Gefahr aus? Und was hat es mit dem bedrohlichen Feuerbringer auf sich? Mara gerät immer tiefer in eine magische Welt, in der sie all ihren Mut beweisen und über sich hinauswachsen muss…

Der Lindwurm Fafnir mitten in München? Diese Teenager machen auch alles kaputt.

Der Lindwurm Fafnir mitten in München? Diese Teenager machen auch alles kaputt.

Der Film basiert auf der Buchvorlage von Tommy Krappweis (unter anderem Erfinder von Bernd das Brot), der auch das Drehbuch umsetzte sowie Regie führte. Die Verstrickungen von nordischer Mythologie und der realen Welt der Gegenwart gelingt ihm dabei äußerst geschickt und wirkt nie an den Haaren herbei gezogen. Dass Krappweis die komplette kreative Leitung innehatte, ist dem Film anzumerken. Ich habe das Buch zwar nicht gelesen, aber mehrere Kommentare im Netz deuten darauf hin, dass der Film sehr nah an der literarischen Vorlage ist.

Dennoch stört es mich, dass vergleichsweise wenig Fantastik-Elemente vorkommen. Gerade der Wechsel zwischen realer Welt und Mythologie gehört mit zum Besten des Films und ich hätte mir hier deutlich mehr gewünscht. Weniger hätte es dagegen von Maras Mutter sein können. Ihre Abgedrehtheit verleiht dem Film zwar einen gewissen Witz und vermutlich auch teils Wiedererkennungswerte (Man, ist die Mutter peinlich!), aber ich habe auch schon nach zwei oder drei dieser Szenen verstanden, dass die Mutter einen Sprung in der Schüssel hat.

Feiner Witz, kein typischer “Deutsche Komödie”-Humor

Wir wissen, mit kaputten Kleidern fällt nicht mal Jan Josef Liefers auf einem Mittelalterfest auf.

Wir wissen, mit kaputten Kleidern fällt nicht mal Jan Josef Liefers auf einem Mittelalterfest auf.

Besonders gut gefällt mir dagegen der Humor. Mara tritt nicht nur als Protagonistin, sondern auch als Erzählerin auf. Dabei spricht sie eben genau so, wie Jugendliche sprechen sollten. Es wirkt nicht aufgesetzt und immer natürlich. So schlürft Mara nach Hause, nachdem sie einer Mitschülerin Böses angetan hat mit dem sarkastischen Kommentar, dass sie “voll evil” sei. Der große Kampf zum Ende gegen den namensgebenden Feuerbringer wird dann auch schnell zum “Bossfight”. Hinzu kommen Anspielungen auf Popkultur wie Star Wars (zum “voll evil” wird Darth Vader erwähnt). 

Besonders clever hat Krappweis einen feinen Humor beim Aufeinandertreffen der nordischen und alten Sprache auf Maras Jugendsprache hineingebracht. Natürlich spricht Loki nicht wie unsere junge Protagonistin und natürlich ist er verwirrt von für uns ganz natürliche Begriffe wie das einfache OK.

Mara hilft Loki. Warum, weiß keiner so genau, denn Christoph Maria Herbst spielt ihn exzellent arrogant und selbstverliebt.

Mara hilft Loki. Warum, weiß keiner so genau, denn Christoph Maria Herbst spielt ihn exzellent arrogant und selbstverliebt.

Und wo wir gerade bei Loki sind. Christoph Maria Herbst darf als der Bruder von Thor einmal mehr ein von sich selbst überzeugtes und arrogantes Arschloch spielen, was er irgendwie besonders gut kann und auch hier wieder zeigt. Jan Josef Liefers wurde seine Rolle als Dr. Reinhold Weissinger förmlich auf den Leib geschneidert und er mimt erfolgreich den überheblichen und vermeintlich alles wissenden Experten, den er auch beim Tatort als Prof. Dr. Karl-Friedrich Börne bereits seit vielen Jahren erfolgreich spielt. Lilian Prent passt ebenfalls in die Rolle der Mara, wobei ich zu Beginn noch nicht so sehr von ihr überzeugt war. Ihre Aussprache als Erzählerin wirkt zunächst monoton, passt aber, wenn man die Protagonistin erst kennenlernt.

Die Spezialeffekte bei Mara und der Feuerbringer sind in der Qualität leider sehr schwankend. Teils sind sie sehr gut, teils wirken sie wie vor zehn Jahren. Das ist zwar schade, macht den Film aber nicht kaputt, vor allem weil die meisten Effekte in Ordnung sind.

Fazit

Alles in allem war der Flop an den Kinokassen absolut unverdient und ich spreche eine klare Kaufempfehlung für diesen Film aus. Nun hoffe ich, dass der Verkauf der DVDs und Blu-rays so gut anzieht, dass dennoch auch die beiden anderen Bücher verfilmt werden, die auf den ersten Teil aufbauen. Es wäre Krappweis und Kinodeutschland zu wünschen. Falls ihr künftig auch gerne wieder Fantasy-Filme aus Deutschland haben wollt, dann müsst ihr eben diesen Verkauf ankurbeln, denn Mara und der Feuerbringer ist das Beste, das die deutsche Filmindustrie in den letzten Jahren in diesem Genre zustande gebracht hat.

Mara und der Feuerbringer [Blu-ray]

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Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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