Die Schlachten von Westeros – Wargaming in der Welt von G.R.R. Martin


Die fünfte Staffel Game of Thrones ist ‘rum und der Entzug hat begonnen. Ob uns das Brettspiel Die Schlachten von Westeros erfolgreich die Wartezeit versüßen kann, erfahrt ihr in dieser Rezension.

SchlachtenVonWesteros_Cover

Bild: Heidelberger Spieleverlag

Die Schlachten von Westeros erschien bereits 2010 und ist somit ein Jahr älter als die erfolgreiche HBO-Serie. Designed wurde es von Robert A. Kouba, der auch an der zweiten Edition von Merchant of Venus und der zweiten Edition von Battlelore mitgearbeitet hat. Tatsächlich arbeitet Kouba eher an Erweiterungen zu diversen Spielen (Star Craft- the Boardgame, Descent oder Battlelore), oder überarbeitet bereits bestehende Spiele für eine neue Edition.

Ähnlich, aber nicht ganz so, verhält es sich mit Die Schlachten von Westeros: Zwar sind die zugrundeliegenden Mechaniken bereits aus Richard Borgs Commands & Colors-Serie bekannt (die bekanntesten Vertreter sind wohl Battlelore und Memoir ’44), aber Kouba schafft es, Die Schlachten von Westeros ausreichend anders zu gestalten, um dieses Spiel tatsächlich als sein Eigenwerk zu bezeichnen.

Rules of War

Westeros_Spielmaterial

Bild: Heidelberger Spieleverlag

Ihr spielt im Grundspiel diverse Schlachten der beiden Häuser Lannister und Stark nach. Entweder entscheidet ihr euch für eines der zehn mitgelieferten Szenarien oder stellt euch mit Hilfe von Scharmützelkarten ein Eigenes zusammen. Nachdem ihr circa 20 Minuten mit dem restlichen Aufbau verbracht habt, liegt nun ein mit Armeen,Wäldern, Flüssen, Hügeln und weiteren Landschaftsmerkmalen versehenes Schlachtfeld vor euch. Das jeweilige Szenario gibt an, was das Ziel dieses Spiels ist, wie viele Runden es höchstens dauern wird, und welche Einheiten und Kommandeure mitspielen. Jetzt habt ihr also eure Armeen, die Landschaft und eure Ziele – wie geht’s weiter?

Jede Runde bekommt ihr durch würfeln zu ermittelnde Befehlsmarker; die Anzahl der hierzu benutzten Würfel ist vom Szenario abhängig. Außerdem erhaltet ihr jede Runde drei Kommandokarten. Es gibt zehn Standardkommandokarten, die immer im Spiel sind, weitere Karten mit besonderen Befehlen und Effekten bringen eure Kommandeure ins Spiel. Die Kommandokarten sind eure primäre Möglichkeit, Einheiten zu bewegen und angreifen zu lassen.

Während ihr mit mit den Befehlsmarkern nur jeweils eine Einheit befehligen könnt, ermöglichen die Kommadokarten das Befehligen von zwei bis drei Einheiten gleichzeitig, wenn sich diese in Befehlsreichweite eines Kommandeurs befinden. So spielt ihr reihum einen Befehlsmarker oder eine Kommandokarte, bis ihr entweder alle Einheiten befehligt habt, keine Karten und Marker mehr besitzt oder freiwillig passt.

Wenn es während eines Zuges zum Kampf kommt, nehmt ihr die für eure Einheit passende Anzahl Würfel und versucht einen oder mehrere Erfolge zu erwürfeln. Für jeden Erfolg wird eine Figur der gegnerischen Einheit eliminiert. Wenn beide Spieler gepasst oder keine Befehlsmöglichkeiten mehr haben, endet die Runde. Es wird überprüft, ob eventuell eine Siegbedingung oder die vorgegebene Rundenzahl erreicht wurde. Falls nicht, geht’s ab in die nächste Runde.

Soweit die vereinfachte Darstellung des Spiels. Tatsächlich sind die Grundprinzipien des Spiels recht einfach zu erlernen. Spieltiefe wird, wie bei vielen anderen War- und Miniature Games durch die diversen Eigenschaften von Einheiten, Anführern und Landschaften, sowie den interessanten Szenariozielen erreicht. Diese hier alle zu nennen würde aber zu weit führen. Wer mehr wissen möchte, findet das Regelwerk als Download auf der Website vom Heidelberger Spieleverlag.

Spielgefühl

Westeros_Plastikfiguren

Bild: Heidelberger Spieleverlag

Das Material ist wie gewohnt bei den Heidelbergern und Fantasy Flight Games üppig und von sehr guter Qualität. Allerdings sollte man sich vor dem ersten Spiel die Zeit nehmen, die Figuren auf ihre Bases zu kleben, da die Steckverbindung nicht hält. Die Figuren bestehen aus weichem Plastik im 15mm-Maßstab. Ich rate davon ab, sie zu bemalen. Benutzt sie einfach so, wie sie kommen, dann könnt ihr sie auch einfach wieder in die Schachtel packen, ohne Angst zu haben, dass sie verkratzen oder Farbe abblättert.

Abhängig vom Szenario kann es auch schon mal passieren, dass man 30 Minuten braucht, bis das Spiel losgehen kann. Glücklicherweise kann man diese Aufbauzeit stark verkürzen, indem man gut sortiert ist. Sobald man aber Armeen und Gelände vor sich stehen hat, und sieht, welche Befehlsmarker und Kommandokarten einem zur Verfügung stehen, ist der ganze Aufwand vergeben.

Strategie und Taktik sind von der ersten Aktion an gefragt, man muss die Stärken und Schwächen der eigenen Einheiten und der des Gegners berücksichtigen, und darf auch das Gelände nicht unterschätzen. Wer ein paar Spiele auf beiden Seiten gespielt hat, wird feststellen, dass ein Frontalangriff bei den meisten Szenarien bestenfalls darauf hinausläuft, dass der Spieler mit mehr „Würfelglück“ als Sieger nach Hause geht.

Wer also die bessere Strategie hat, und seine zur Verfügung stehenden Möglichkeiten optimal nutzt, hat deutlich bessere Chancen, den Sieg davon zu tragen. Je nach Spielertyp kann es auch zur berüchtigten Analyse-Paralyse kommen, da man aber nur zu zweit spielt und abwechselnd seine Befehle gibt, hält sich die Wartezeit in Grenzen.

Und das Thema? Wer die Bücher gelesen hat, wird sowohl Einheiten als auch Anführer wiedererkennen, insbesondere die Sondereigenschaften der Anführer bringen hier das nötige Westeros-flair ins Spiel. Aber auch Leute, die mit Game of Thrones oder dem Lied von Eis und Feuer nichts anfangen können, werden ihre Freude an Die Schlachten von Westeros haben, dann ist es eben ein sehr gutes Wargame mit mittelalterlichem Setting.

Und genau das ist es, ein sehr gutes Wargame. Man braucht keine Abstände mit Schätzlatten abzumessen, und keine ‘zig Miniaturen bemalen, wie es bei anderen Miniaturenspielen der Fall ist. Und im Gegensatz zu klassischen Wargames schiebt man hier nicht winzige Pappmarker vor sich her, sondern kann Kavallerie, Fußtruppen und Bogenschützen sofort erkennen.

Was es sonst noch gibt…

Schlachten von Westeros-WächterDesNordens_Cover

Bild: Heidelberger Spieleverlag

In den Jahren 2010 bis 2012 sind noch einige Erweiterung erschienen, die mehr Abwechslung ins Spiel bringen. So gibt es Die Wächter des Nordens und Die Wächter des Westens, welche einfach noch mehr Einheiten für die Lannister und Stark Armeen beinhalten. Außerdem gibt es Die Bruderschaft ohne Banner, Die Herren der Flusslande und Die Clankrieger der Berge. Diese Erweiterungen ergänzen die Standardarmeen des Grundspiels und bringen natürlich noch mehr Szenarien mit sich. Jede dieser kleinen Erweiterungen enthält außerdem circa 30 Figuren.

 

 

BoW_HausBaratheon

Bild: Heidelberger Spieleverlag

Hervorzuheben ist Haus Baratheon, eine große Erweiterung mit eigenem Spielbrett und weiteren 110 Figuren, welche eine komplett neue Fraktion bilden. In dieser sind auch Szenarien enthalten, die andere kleine Erweiterungen benötigen. Außerdem ermöglicht sie, das Spiel mit mehr als zwei Spielern zu spielen.

Leider ist es seit 2012 sehr ruhig um Die Schlachten von Westeros geworden. Ob es noch mehr Erweiterungen geben wird, steht in den Sternen, denn von offizieller Seite gibt es dazu keine Informationen. Verdient hätte es das Spiel auf jeden Fall.

Fazit

Egal ob Game of Thrones Fan oder nicht, für alle die Spaß an direkter Konfrontation in Brettspielen haben, gibt es eine Kaufempfehlung für Die Schlachten von Westeros. Wenn ihr kein Interesse daran habt, weiß ich nicht warum ihr bis hierhin gelesen habt.

Was bedeutet diese Wertung? Klickt hier und findet es heraus.

Spieler: 2

Spieldauer: 60 min.

Alter: ab 13 Jahre

Preis ca.: 59,95 €

Heidelberger Spieleverlag HE322 – Die Schlachten von Westeros

Price: EUR 88,99

4.3 von 5 Sternen (11 customer reviews)

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Christian Turkiewicz

Liest bevorzugt Regeln zu Brett- und Rollenspielen. Liebt Bingewatching, hat aber keinen TV-Anschluss.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele, Pen&Paper, Serien

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