Die Serie zum Comic zum TV-Skript


Geplant als TV-Serie erschien zuerst eine Comic-Reihe zu Dark Matter und erst später die TV-Serie. Ein etwas ungewöhnlicher Fall, doch die Sci-Fi-Geschichte hat es sowohl im Fernsehen als auch auf dem Papier in sich.

Wer wie ich ein Fan von Science-Fiction Serien ist, musste sich in den letzten Jahren damit anfreunden, dass diese ihr Format deutlich geändert haben. Anders als das, womit ich in der Form von Star Trek, Babylon 5 und Battlestar Galactica(1978) großgeworden bin, haben die meisten neueren Serien des Genres ihren Fokus auf Handlungen auf der Erde (siehe Eureka oder Continuum).

Diejenigen Serien welche tatsächlich vornehmlich auf einem Raumschiff spielen sind meistens nicht sehr langlebig gewesen (Firefly oder Stargate: Universe). Dafür gibt es Gründe, die sich auch in moderner Sci-Fi Literatur finden. Dies zu vertiefen, würde aber zu sehr in die Literatur-Wissenschaft führen, was ich nicht mit diesem Artikel bezwecke. Stattdessen geht es mir um eine Comic-Adaption welche dieses Jahr auf dem Sender Syfy angelaufen ist: Dark Matter.

Dark Matter ist ein etwas ungewöhnlicher Fall einer Comic-Adaption. Tatsächlich ist der Comic die Adaption eines Skripts für einen TV-Piloten. Daher ist es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass die Pilotfolge quasi eins zu eins den vier Ausgaben des Comics entspricht, welcher also eher ein Storyboard darstellt als ein eigenständiges Werk. Einige Sachen haben sich allerdings auf dem Bildschirm verändert. Aber zunächst einmal die Frage: Worum geht es in Dark Matter überhaupt?

Die erste Folge beginnt damit, dass ein Mann aus dem Kryo-Schlaf erwacht, weil offensichtlich irgendwas mit dem Schiff, auf dem er sich befindet, nicht stimmt. Er rennt zur Brücke, schaut etwas verwirrt eine Konsole an und wird von einer Frau verprügelt, welche danach das Problem behebt. Dann erfahren wir, dass keiner der beiden weiß wer er/sie ist oder warum sie hier sind. Genauso geht es auch den anderen vier Mitgliedern der Crew, welche daraufhin als Namen die Nummern der Reihenfolge annehmen in welcher sie aufgewacht sind. Gegen Ende der ersten Folge stellt sich heraus, dass die Crew eine weit gefürchtete Söldnereinheit ist, welche sich durch ruchlose Brutalität einen Namen gemacht hat. Keiner von ihnen will diese Identität wieder annehmen, weswegen sie sich entscheiden, ihre Nummern statt ihrer Namen zu behalten.

Gesucht wegen: Mord (212 Fälle), Tätlicher Angriff(279), Kidnapping(75), Schmuggel(130), Diebstahl(309)

Gesucht wegen: Mord (212 Fälle), Tätlicher Angriff(279), Kidnapping(75), Schmuggel(130), Diebstahl(309)

Eins, gespielt von Marc Bendavid, dient als gutes Herz der Gruppe, was eine recht angenehme Abwechslung ist, da diese Rolle normalerweise von weiblichen Charakteren übernommen wird. Er scheint, am wenigsten in die Gruppe zu passen,  da er nicht so gewaltbereit scheint wie der Rest der Truppe. Der Grund dafür zeigt sich erst später, als sich herausstellt, dass er nicht derjenige ist, von dem er anfangs gar nicht weiß, dass er es ist… Das ergibt mehr Sinn wenn ihr die Serie gesehen habt.

Gesucht wegen: Mord (63), Tätlicher Angriff(87), Brandstiftung(12), Diebstahl(112), Fälschung(27)

Gesucht wegen: Mord (63), Tätlicher Angriff(87), Brandstiftung(12), Diebstahl(112), Fälschung(27)

Zwei, gespielt von Melissa O’Neil, die schon einmal Canadian Idol gewonnen hat. Anders als gewisse deutsche Gewinner von Casting Shows, kann sie aber schauspielern. Sie ist es auch, die Eins bei ihrem ersten Auftritt verprügelt. Meiner Ansicht nach der interessanteste Charakter der Serie, vor allem, da auch sie einige Geheimnisse mehr verbirgt, als man glaubt. Das Charakterdesign hat sich im Vergleich zum Comic deutlich verbessert, da sie keine bauchfreie Pseudo-Rüstung trägt, sondern normale Kleidung.

Gesucht wegen: Mord (123 Fälle), Tätlicher Angriff(175), Kidnapping(13), Schmuggel(42)

Gesucht wegen: Mord (123 Fälle), Tätlicher Angriff(175), Kidnapping(13), Schmuggel(42)

Drei, wirkt im ersten (und zweiten) Moment hauptsächlich wie der stereotype schießwütige Space-Cowboy (à la Jayne in Firefly), allerdings zeigt er durchaus auch fürsorgliche Seiten. Gespielt wird er von Anthony Lemke.

 

 

 

 

 

Gesucht wegen: Mord (217 Fälle), Tätlicher Angriff(125), Piraterie(43)

Gesucht wegen: Mord (217 Fälle), Tätlicher Angriff(125), Piraterie(43)

Vier, ist etwas sehr stereotyp japanisch für meinen Geschmack, sowohl im Comic als auch in der Serie eher der Typ “strong and silent”. Wobei ich sagen muss, dass seine Art im Laufe der Staffel tatsächlich sympathischer wird, da sein Verhalten absolut gradlinig und nachvollziehbar ist. Gespielt wird er von Alex Mallari Jr. Der zum Glück nicht die langen Haare der Comic-Vorlage hat, keine rüstungsartige Kleidung trägt und nicht mit zwei Katanas rumfuchtelt!

 

 

Gesucht wegen: Keine Einträge

Gesucht wegen: Keine Einträge

Fünf ist in den Comics ein ungefähr 10-jähriger Junge, ein Detail das zum Glück in der TV-Produktion geändert wurde. Kinder sind immer ein Risiko bei Serien, da man nie so genau weiß, wie gut diese als Schauspieler sind – vor allem bei Produktionen mit niedrigem Budget. Daher ist Fünf in der Serie eher Teenagerin und wird von Jodelle Ferland gespielt. Die Änderung des Geschlechtes hat den Nebeneffekt, dass eine Jugendliche immer etwas verletzlicher wirkt, als ein männlicher Teenager. Mit ihr bietet sich daher die Gelegenheit, einen Charakter zu haben, der mit dem harten Leben der Crew klar kommen muss aber auch kann. Außerdem erlaubt das höhere Alter, dass auch Fünf einigen Dreck am Stecken haben kann ohne direkt in die Teufelskind-Schublade zu rutschen. Hinzu kommt noch der Fakt, dass sich sämtliche Erinnerungen der Crew in ihrem Kopf befinden. Inklusive des Wissens, dass einer von ihnen die Erinnerung der anderen bewusst gelöscht hat. Es fehlt nur leider das Wissen, wer es war.

Gesucht wegen: Mord (36 Fälle), Tätlicher Angriff(107), Piraterie(13)

Gesucht wegen: Mord (36 Fälle), Tätlicher Angriff(107), Piraterie(13)

Sechs, der letzte Mensch der Crew ist mehr oder weniger der Ruhepol der Runde und neben Eins derjenige, der am nettesten wirkt. Auch wenn dieser Eindruck sich nur zum Teil bewahrheitet. Dass auch Sechs ein Geheimnis hat, dürfte inzwischen keine Überraschung mehr sein. Gespielt wird er von Roger Cross, den man am ehesten aus Arrow oder Continuum kennen könnte.

 

 

 

 

 

Strenggenommen kein Android mehr...

Strenggenommen kein Android mehr…

Android, in der Serie gespielt von Zioe Palmer(bekannt aus Lost Girl) und daher eigentlich eher ein Gynoid – aber der Unterschied ist jetzt nicht sonderlich relevant. Im Comic war Android noch eher männlicher Natur, was, wie schon bei Fünf, geändert wurde. Da es aber ein Roboter ist, macht der Geschlechtswechsel keinen großen Unterschied. Der Android wirkt in etwa wie eine Mischung aus Data und Romy aus Andromeda und dient der Serie als primärer Comic-Relief. Die Gags die gemacht werden, sind allerdings relativ vorhersehbare Beispiele davon, dass der Android alles wörtlich nimmt und Sachen missversteht. Keine großen Lacher, aber auch keine wirklichen schlechten Witze dabei.

Hinzu kommen Gastauftritte anderer Schauspieler aus dem Syfy-Programm, wie David Hewlett (Dr. MacKay aus SG: Atlantis), oder Torri Higginson (Dr. Weir aus SG: Atlantis).

Zu bemängeln ist, dass die Serie offensichtlich mit einem geringen Budget auskommen muss. Die Handlung spielt vornehmlich auf Sets und wenig an Außenlocations. Auch Weltraumszenen werden sehr sparsam eingesetzt und dann, ähnlich wie in der Original Star Trek-Serie, nur mit CGI statt Modellen. Wer also mit viel Weltraum-Action rechnet, wird enttäuscht sein. Wer aber immer schonmal einige kanadische Industrieanlagen sehen wollte, wird voll auf seine Kosten kommen. Aber immer noch besser als endlose, walisische Steinbrüche, oder?

Fazit

Dark Matter ist ein charaktergetriebenes Drama im Weltraum. Wer daran und an Sci-Fi generell Interesse hat, dem lege ich die Serie sehr ans Herzen. Den Comic würde ich nicht kaufen. Nicht weil er schlecht ist, sondern weil er nicht das ursprüngliche Medium ist, für das die Geschichte konzipiert wurde. Die vier existierenden Bände werden komplett in der ersten Folge abgehandelt und wirken meines Erachtens nach besser im Fernsehen als im Comic. Für die Serie also ein Empfehlung, die Comics bezeichne ich dann eher als Geschmackssache.

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Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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