Neustart bei den Star Wars Comics


Star Wars hat eine lange Geschichte mit Comics, seit Jahrzehnten sind diese Teil des erweiterteten Universums der Saga und behandeln alles von der alten Republik bis hin zu entfernten Nachfahren der Skywalkers. Doch mit der Übernahme von Lucasfilm durch Disney wurden alle diese Comics abgesetzt und für nicht mehr kanonisch erklärt, sind also nicht mehr offiziell Teil des Universums. Zeit für einen Neustart also.

Die bisherigen Comics und Bücher sind quasi nicht viel mehr als Fanfiction, nachdem Disney alles auf Null gedreht hat. Das ist im Falle von Büchern wie der Thrawn-Trilogie sehr schade, in anderen Fällen trifft diese Entscheidung niemanden wirklich schlimm. Für Disney bedeutet es aber, dass sie jetzt frei von allen “Altlasten” sind – außer den sechs Filmen und den Clone Wars – und ihre eigenen Geschichten erzählen können. Nach der TV-Serie Rebels ist der neue Comic das erste Produkt, welches jetzt die Saga weiter ausbaut. Und am besten fangen wir da an wo man es immer tut: Mit dem Cover.

Es gibt Momente, da sollte man auf Meister Kenobi hören...

Es gibt Momente, da sollte man auf Meister Kenobi hören… (©Panini Comics)

Ich finde das Cover an sich relativ unbeeindruckend. Ein Gruppenbild der Hauptcharaktere ist für 1er-Comics ziemlicher Standard und daher nichts, was mich überzeugt – vor allem, wenn man bedenkt, dass Leias Frisur und Kleidung auf dem Cover nicht mit der Aufmachung im Inneren übereinstimmt. Ich würde Unachtsamkeit vermuten, aber offensichtlich soll das Cover Nostalgie erwecken, daher die klassische Zimtschnecken-Frisur und das Kleid.

Weiterhin fällt mir negativ auf, dass Han, Chewie und Leia in Action-Posen stehen, während Luke nicht ganz hineinpasst. Da er aber der Fokus sein soll, ist die Pose immer noch irgendwie passend. Sehr gut hingegen finde ich, dass der Hyperraum-Cutout die Silhouette von Vader darstellt, da es ihn wieder in eine ominöse Gestalt im Hintergrund verwandelt. Zum Titel: Nicht schlecht gewählt, vor allem, da es sowohl zu Luke als auch Leia passt, die eine äußerst aktive Rolle in der Handlung spielt und eindeutig das Kommando über unsere Helden hat.

Die Story spielt kurz nach Episode IV und ein ganzes Stück vor V, was für mich ein Problem darstellt, da ich weiß, dass keinem der Charaktere etwas Schlimmes widerfahren wird. Ja, es gibt reichlich, was man über diese Zeit erzählen kann, aber es kann nichts an der Prämisse von V ändern. Und trotzdem schafft es der Comic, mich auf die Folter zu spannen. Nicht mit der Frage, ob sie es herausschaffen, sondern wie.

Das ist kein Mond...äähhh...keine Corellianische Korvette

Das ist kein Mond…äähhh…keine Corellianische Korvette. (© Panini Comics)

Vader ist gut inszeniert. Er geht anfangs nicht davon aus, dass Luke den Todesstern zerstört hat und kommt erst im Laufe der Geschichte dahinter. Als Unterhändler getarnt, wollen unsere Helden eine Waffenfabrik infiltrieren und begegnen direkt unserem dunklen Helmträger, da er der imperiale Verhandlungspartner ist.

Viel möchte ich über den Plot nicht verraten, außer, dass es schief läuft (welch Überraschung). Was mir besonders gut gefallen hat, war die Aufmachung der ersten Seiten. Hier wurde ein sehr cineastischer Stil verfolgt, indem wir eine Seite haben mit: “Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie”. Gefolgt von einem 2-seitigem Spread des Star Wars Logos, einem Intro-Text, der die Vorgeschichte erläutert und gesetzt ist, als würde er nach hinten verschwinden. Die ersten Panels, kommen dann einem geneigten Star-Wars-Schauer sehr bekannt vor.

Die Story ist gut und bleibt spannend, obwohl ich weiß, dass es gut ausgehen muss. Das Artwork, wenn auch nicht ganz mein Stil, ist gut und sieht sehr nach Star Wars aus. Jeder der Charaktere ist gut getroffen, auch wenn dieser Comic den Trend der Prequels fortsetzt, R2-D2 zum mächtigsten Charakter des Universums zu machen: Der Aufseher sagt den drei Rebellen vor ihm nichts, wenn sie eine Waffe auf ihn richten, aber R2 britzelt einmal mit dem Taser und er sagt aus… Ernsthaft?

Fazit

Aber irgendwas gefällt mir an dem Comic dennoch nicht. Das mag daran liegen, dass der Fokus wieder zu sehr auf der alten Riege liegt. Ich würde mich mehr auf Neues freuen, genauso wie ich mich mehr über die neuen Star Wars Filme freue, wenn sie beim Marketing nicht so sehr auf die Nostalgie-Drüse drücken würden.

Es bleibt aber bestehen, dass das Gesamtpaket stimmig und gut ist und für jeden eingefleischten Star Wars Fan quasi ein Pflichtkauf ist. Für Freunde von guten Comics, die Star Wars grundsätzlich mögen, spreche ich eine Kaufempfehlung aus.

Gerrit Buse

Gerrit Buse

Anglist, Informatiker, Vollzeit-Nerd und Teilzeit-Otaku. Braucht dringend Lagerraum für Miniaturen und Kostüme.
Hauptthemen: Comics, Larp und Bücher

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  • Florian Born

    Ich muss sagen, mir hat der erste Band eigentlich recht gut gefallen. Vor allem, wie gut die Stimmen der Charaktere eingefangen wurden (insbesondere Chewbacca ist sehr überzeugend!).