Tränke brauen mit einem Klick


Das mittelalterliche Leben eines Alchemisten kann nicht einfach gewesen sein: Konkurrenten widerlegen hart erarbeitete Theorien, Test-Probanden für Tränke werden immer geldgieriger und beim alternativen Selbstversuch schwingt immer die Gefahr einer Vergiftung oder Lähmung mit. Und wofür das alles? Es muss Ruhm und Ehre sein, denn Geld ist es nicht, von dem hat ein Alchemist grundsätzlich immer zu wenig.

Czech Games Edition

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Ihr werdet für Die Alchemisten etwas Platz auf eurem Tisch brauchen.

Das im Herbst 2014 erschienene Spiel Die Alchemisten von Matúš Kotry wird in Deutschland vom Heidelberger Spieleverlag vertrieben, stammt aber ursprünglich vom tschechischen Verlag Czech Games Edition. Der Verlag hat schon einige moderne Klassiker wie Im Wandel der Zeiten, Galaxy Trucker oder Tzolk’in hervorgebracht.

Spiele des Verlages zeichnen sich vor allem durch zwei Punkte aus. Zum einen bestechen Sie immer durch eine sehr ansprechende Grafik (oftmals im Comic-Style) und zum anderen haben sie immer eine gehobene Komplexität und einen gewissen Anspruch. In Summe erzeugt ein neues Spiel dieses Verlages bei mir immer ein gewisse Vorfreude und damit verbunden hohe Erwartungen. Mal sehen, ob diese erfüllt wurden.

Alltag eines Alchemisten

Thematisch nimmt jeder Spieler die Rolle eines Tränkebrauers ein und hat je nach Spielerzahl entsprechend eine Menge an Spielsteinen zur Verfügung, mit denen ihr verschiedene Aktionen durchführen könnt. Diese werden dann auf dem großen Hauptspielplan nacheinander abgearbeitet. Zu Beginn der Runde könnt ihr euch sich Zutatenkarten, die eines der acht verschieden Elemente anzeigen, besorgen.

Es gilt, die chemische Zusammensetzung der Elemente im Verlauf des Spieles zu erkunden. In der Folge könnt ihr euch Geld durch den Verkauf von Elementkarten oder Tränken besorgen, mit dem ihr dann Artefakte (kleine Unterstützungen) kaufen könnt.

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Ein normales Periodensystem kann ja jeder. Die Alchemisten kommt mit einer Elementetabelle daher.

Habt ihr genug über ein Element herausgefunden, besteht nun die Möglichkeit, eine Theorie aufzustellen und diese zu veröffentlichen. Falls ein Mitspieler euch schon zuvor oder falls von einem Mitspieler euch zuvorkam, könnt ihr dessen Theorie unterstützen oder widerlegen.

Bei den letzten beiden möglichen Aktionen kommt die App ins Spiel, die für eine Runde Alchemisten gebraucht wird. Ihr braut einen eigenen Trank aus und wollt natürlich wissen, wie dieser wirkt. Es besteht die Möglichkeit, diesen an sich selbst (Gefahr der Vergiftung oder Lähmung) oder an einem Studenten (verlangt Geld) zu testen. Hierfür werden zwei Elementkarten eingescannt und die App spuckt die übereinstimmende Ladung aus.

Riesen-Sichtschirm

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Technik in der Alchemie: Die App ist für das Spiel unerlässlich.

Herzstück des Spiels sind die überdimensional großen Sichtschirme, die jeder Spieler erhält. In ihnen befindet sich eine Elementenpyramide, in die Ergebnisse der Tränke eingetragen werden. Mittels eines beiliegenden Blockes können dann verschiedene chemische Zusammensetzungen ausgeschlossen werden. Hierbei ist Deduktion auf höchsten Niveau gefordert.

Ziel des Spiels ist es nicht, alles über die einzelnen Elemente herauszufinden, sondern wie so oft die meisten Siegpunkte am Ende des Spieles zu haben. Diese werden durch den Aufbau eines guten Rufes während der Runde, dem Kauf lukrativer Artefakte sowie Veröffentlichung richtiger Theorien erreicht.

Bevor ich zum Fazit komme, lobe ich ausdrücklich das Design des Spieles. Alle Komponenten – egal ob Spielplan, Sichtschirm oder die App – sind hübsch anzusehen und entführen hervorragend in die Welt der Alchemie. Die comichaften Charaktere lockern das sonst anspruchsvolle Spiel deutlich auf. Die lustig geschriebene Anleitung lässt dabei selbst einen Neuling gut in das Spiel einsteigen.

Fazit

Die Frage, ob meine hohen Erwartungen erfüllt wurden, kann ich eindeutig mit Jein beantworten. Die Alchemisten ist ein gut verzahntes Spiel mit vielen Komponenten und einer wirklich gelungenen Grafik. Es findet Deduktion auf ganz hohem Niveau statt und stellt damit ähnliche Spiele wie Cluedo klar in den Schatten. Die App ergänzt das Spiel perfekt und zeigt, was möglich ist, wenn Brettspiel auf Technik trifft.

Aber manchmal ist das Spiel zu wenig Spiel, sondern eher Arbeit. Die Spieler sind sehr stark in ihre Elementenpyramide vertieft, um den möglichst besten nächsten Zug zu ermitteln oder doch noch einen neuen Zusammenhang zu erkennen. Das wird auf Dauer anstrengend, senkt den Reiz das Spiel nochmal zu spielen und führt teilweise zu längeren Wartezeiten.

Zusammengefasst richtet sich Die Alchemisten an Liebhaber von anspruchsvollen Spielen und Fans von Deduktionsmechanismen und ist eindeutig Geschmackssache.

Was bedeutet diese Wertung? Klickt hier und findet es heraus.

Heidelberger CZ034 – Alchemisten

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4.3 von 5 Sternen (30 customer reviews)

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Jan Kempf

Ist Anhänger des analogen Spielens zu Tisch. Ein wahrer Wettkampf findet für ihn immer noch im Angesicht seiner Gegner statt.
Hauptthemen: Gesellschaftsspiele

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  • Christian Turkiewicz

    Die Alchemisten liegen bei mir seit Weihnachten leider ungespielt ‘rum. Nicht weil ich glaube dass es ein schlechtes Spiel ist, sondern weil ich keine Lust habe es Spielern zu erklären, Dungeon Petz geht’s ähnlich. Jetzt sind wir schon im nächsten Jahrgang, behalten werd’ ich’s trotzdem, man weiß ja nie.

  • Barmonster

    Eine große Schwäche des Spiels ist, dass ein einziger Fehler in der Pyramide zu einem frühen Zeitpunkt eigentlich den Spieler komplett rauswirft. Da muss man sehr aufpassen, sich keine falschen Notizen zu machen. Ansonsten finde ich das Spiel wirklich großartig,

  • Jan Kempf

    @barmonster:disqus da stimme ich dir zu. Bei uns ist leider auch teilweise passiert. Man muss sich halt sehr stark konzentrieren.