Unerbittliche Rächerin


Eine Gestalt mit Schwert und Motorradhelm massakriert sich durch die Corporate Security eines Bürogebäudes in einer düsteren, regnerischen Zukunft: Ronin bringt in jedem einzelnen Moment in liebevoll stilisierten Zeichentrick-Grafiken und mit einem pfeffrigen Soundtrack mehr Style mit, als so manch ein AAA-Titel. Das auf synchronen Runden basierte Actionspiel erinnert die meisten zunächst an Gunpoint, ist aber ein wirklich eigenes Ding.

Das Spielprinzip von Ronin ist einfach: Ihr steuert die Protagonistin mit Maus und Tastatur in Echtzeit, während sie ein Bürogebäude, einen Nachtclub oder einen Hochsicherheitsbunker infiltriert. Sobald Wachen Euch sehen, wechselt das Spiel in den Kampfmodus, der rundenbasiert ist. Ihr habt so jede Menge Zeit, Euren nächsten Sprung oder die nächste Attacke zu überlegen, während die Gegner mit roten Laserlinien anzeigen, wohin sie schießen oder springen werden. Die geplanten Aktionen werden dann gleichzeitig durchgeführt – und enden meist für irgendwen tödlich. Gegner und Heldin sterben bei einem Treffer, der Raum für Fehler ist begrenzt.

Ronin punktet vor allem an zwei Fronten: Zum einen schafft es das Spiel, trotz recht simpler Spielmechanik, die vor allem auf Sprüngen der Heldin basiert, stets abwechslungsreich und vor allem stimmungsvoll zu bleiben. Die Action ist schnell und brutal, der Soundtrack stützt sie perfekt und der stilisierte Grafikstil erweckt die Rachestory in der Cyberpunk-Dystopie nett zum Leben.

Zum anderen ist da die Art und Weise, auf welche die Geschichte erzählt wird. Wenige Sätze und ein Gruppenfoto, auf dem einzelne Charaktere nacheinander durchgestrichen werden, stellen das narrative Grundgerüst. Im Spielverlauf wächst die Vermutung, dass das kleine Mädchen auf dem Foto zu unserer Ronin herangewachsen, als Corporate Samurai ausgebildet und nach einem Verrat an ihrem Vater nun auf dem Rachefeldzug ist. Fünf Opfer müssen den Tod finden – in jeweils drei Levels werden diese gesucht, gejagt und erledigt.

Alle hier abgebildeten Personen sind am Ende tot.

Alle hier abgebildeten Personen sind am Ende tot.

Tatsächlich bewahrt sich Ronin den größten narrativen Clou bis zur letzten Mission auf. Leichte SPOILERWARNUNG, oder so: In der letzten Mission ist unsere Heldin kurz davor, ihre Rache endlich zu schaffen. Bekommt sie hier einen Treffer ab, so geht sie nicht gleich zu Boden. Pure Sturheit und der Hass auf den letzten Feind ihres Vaters halten sie am Leben, das Spiel erklärt diese Mechanik allerdings nicht, sondern lässt sie den Spieler selbst erfahren. Ein Timer zählt von neun runter, wird aber zurückgesetzt, wann immer Ihr einen Gegner tötet.

Schafft Ihr es so, Euch bis zum letzten Boss durchzuhacken, erhaltet Ihr ein letztes Mission Objective: “Accept your fate.” Dies beendet das Spiel ebenso, wie das “gute” Ende, wenn Ihr es unverletzt übersteht. Danach folgt das New Game Plus – das sich wirklich, wirklich lohnt, wenn Ihr Herausforderungen mögt.

Andy Warhol muss sterben!

Andy Warhol muss sterben!

Fazit

Von mir ein seltener Pflichtkauf. Ronin kostet nicht viel, bietet dafür aber jede Menge Spielspaß und eine äußerst coole implizierte Welt, in der Großunternehmen ihre Konflikte mit Cyborg-Samurais austragen und es natürlich immer regnet.

PS: Sieht aus wie Gunpoint? Im Spiel gibt es sogar ein Plakat mit “Swordpoint” darauf. Abgesehen davon: Gunpoint? Schonmal was von Trilby: The Art of Theft gehört..?

Marten Zabel

Marten Zabel

Bewertet Dich anhand Deiner Spiele, Serien und Rechtschreibung, wenn er nicht gerade selbst Spiele designt oder von größeren Dingen träumt.
Hauptthemen: Pen & Paper, Games, Brettspiele

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  • Sebastian

    mich erinnert das ganze sehr stark an mark of the ninja. steckt zufällig das selbe team dahinter?

    • Ist nicht das selbe Team. Ronin ist auch viel weniger auf Schleichen aus. Einer der Hinweise im Spiel ist auch: “This is no stealth game, just kill everyone.” 😉