20xx gegen 1987


Das Spiel 20xx bezeichnet sich selbst als Roguelike im Stile von Mega Man. Dies bestätigt sich bereits bei den ersten Grafiken und dem Levelaufbau. Aber kann der Neuling wirklich gegen den Klassiker antreten?

Ich möchte mit einer kleinen Zeitreise ins Jahr 1988 beginnen. Zu dem Zeitpunkt kam Mega Man 2 von der Firma Capcom für den NES heraus. Ich selbst hatte das Spiel erst Jahre später, da mir meine Eltern erst kurz vor dem Erscheinen des SNES eine Konsole kauften und ich damals nur Spiele unter elterlicher Genehmigung spielen durfte. Also blieb es zunächst beim (pädagogisch wertvollen) pilzeverzehrenden Klempner, bis ich in der Spielesammlung eines Freundes so aufrührerische Titel wie Zelda und eben Mega Man 2 entdeckte. Titel die mir bis heute sehr gut in Erinnerung geblieben sind. Es muss also ’92 oder ’93 gewesen sein, als ich dem Charme des kleinen Roboters erlag und Stunden damit verbrachte, mit ihm gegen fürchterliche Gegner ins Feld zu ziehen. Wer erinnert sich noch an den Woodman mit seinem Blattangriff?

Warum der Sprung in die Vergangenheit? Der Indie Entwickler Batterystaple Games schickt seinen Titel 20xx ins Rennen und scheut sich nicht, mit Mega Man verglichen zu werden. Ob das Roguelike allerdings in diese metallischen Fußstapfen treten kann, das ist die entscheidende Frage.

welcher Modus soll es heute sein?

Welcher Modus soll es heute sein?

20xx ist ein handwerklich passabel gefertigtes Roguelike, wovon es derzeit viele ähnliche Spiele auf dem Markt gibt. Als Beispiel seien hier genannt: Spelunky und Rogue Legacy. Die Karten werden per Zufallsgenerator erstellt, sodass jeder Spieldurchgang ein wenig anders wirkt, sowie verschiedene Möglichkeiten den humanoiden Roboter-Helden aufzuwerten.

Während der einzelnen Spielsessions könnt ihr weiße Schrauben sammeln (Nuts), die ihr nach dem unweigerlich früher oder später eintretenden Bildschirmtod des Heldens gegen Upgrades eintauschen könnt, sodass die Gegner dann beispielsweise etwas mehr Energie fallen lassen können oder andere Gegenstände zu finden sind. Die Steuerung ist mit dem Gamepad tadellos umgesetzt und lässt keine Wünsche übrig. Der Roboter hüpft genau dann, wenn ihr es wollt und es gibt keine unschönen Verzögerungen.

Saubere Steuerung, furchtbare Grafik

Dass die Steuerung gut funktioniert, ist dann aber auch fast schon alles Gute, was ich über dieses Spiel sagen kann. Ja, es gibt einen Multiplayer und der Spaß bei 20xx lässt sich im Koop noch ein Stück aufwerten. Außerdem fehlt natürlich nicht der schon vergleichsweise obligatorische Herausforderungsmodus, sowie eben die Zufallslevel. Woran es aber ganz klar mangelt, ist das Element, welches 20xx auf irgendeine Art und Weise einzigartig macht.

Während ich bei Rogue Legacy ein großartiges Legacy-System habe, bei dem jeder neue Held mit wahnwitzigen Eigenschaften überzeugt und beim alten Mega Man die Grafik einen ganz besonderen Charme hatte sowie im Level Design überzeugt, kann 20xx mit keinen eigenen Ideen punkten. Alles wirkt wie schlecht kopiert.

ah, der Parcour schon wieder

Ah, der Parcour schon wieder.

Vor allem die Grafik von 20xx ist schauderhaft. Die wenigen Waffen die ihr über die Level verteilt zufällig finden könnt, werden in der Spielgrafik nicht dargestellt – nur die Animation der Schüsse variiert. Dadurch wirken die zusätzlichen Gimmicks selbst ein wenig belanglos. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass ihr sie nicht durch Bosskämpfe gewinnt, sondern einfach so im Level über sie stolpern könnt, ohne sie wirklich zu brauchen.

Das ist sehr schade, denn in Mega Man war es jedes Mal ein Hochgefühl, wenn ihr einem Bossgegner endlich eine neue Waffe abgerungen habt. Außerdem waren diese Waffen auch noch wichtig, um spezielle Hindernisse zu überwinden und andere Gegner zu besiegen. In 20xx dagegen wird kein gefundener Gegenstand wirklich benötigt. Zwar erhöht er die Zeit, bis ihr unweigerlich wieder den Startraum seht, aber als motivierende Belohnung funktioniert dies nicht.

Die spielbaren Helden selbst sehen aus, wie lieblos dahingeklatscht, sind detailarm und haben keinen Wiedererkennungswert. Bei Mega Man, der verschiedene Farben annahm, je nachdem welche Waffe er nutzte, und in niedlichen Animationen dargestellt wurde, war das anders. Damit kann sich 20xx nicht messen.

Zufälliges Kuddelmuddel

Zufallslevel sind ja ganz groß im Kommen. Der Zufallsgenerator soll in zahlreichen Levels für unendlichen Wiederspielwert sorgen. Zumindest wird damit geworben. In der Praxis stellt es sich meistens jedoch ganz anders dar. Da lauft ihr dann zum zigsten mal durch das selbe lieblose Levelkuddelmuddel, das der Generator ausgespuckt hat und das sich auf eine gruselige Art doch jedes Mal sehr, sehr ähnlich ist. Da die Flammenwerfer und Plattformen, dort die Grube mit den Monstern, an der nächsten Ecke die drei Geschütztürme und hinter der Tür einer von drei zufällig generierten Bossen, deren virtuelles Ableben nicht einmal vernünftig belohnt wird –  abgesehen von weiteren Zufallskisten. Das gibt’s dann in den Varianten Medival, Desert, Ice und Jungle und soll den Gamer für alle Zeiten zufrieden stellen.

Das ist Grütze. Sicherlich ist es nett vom Entwickler, wenn es auch zufällig generierte Level gibt, aber die sind eben in den meisten Fällen vergleichsweise dröge. Der Spieler freut sich vielmehr, wenn es auch handgefertigte Parcours gibt, bei denen das Gefühl aufkommt, dass eine Geschichte und eine Idee dahinter stecken.

Fazit

20xx hat ein paar Schwierigkeiten: Die zu großen Fußstapfen, die es ausfüllen will, und Konkurrenztitel, die mit eigenen Ideen glänzen und überzeugen. Mega Man war niedlich, ich habe mit ihm mitgefiebert und wollte am Ende die bösen Machenschaften von Dr. Willy beenden. Interessantes Level Design und Bosskämpfe gaben dem Titel einen hohen Wiederspielwert. 20xx einziger Reiz ist es, sich in Bestenlisten mit anderen zu vergleichen. Das ist mir zu wenig. Titel wie BattleBlockTheater, Crypt of the Necrodancer oder Rogue Legacy bieten wesentlich mehr Inhalt, Ideen und Spaß mit Zufallsleveln.

Auf einen echten Mega Man Herausforderer muss ich wohl noch eine Weile warten. Mit 20xx kann man zwischenzeitlich Spaß haben, aber bei mir war die Lust schon nach wenigen Stunden raus. Im Multiplayer ist der Titel aber durchaus zu empfehlen und so würde ich sagen, dass das Spiel unterhaltsam ist, jedoch nicht annähernd so lange, wie die Entwickler sich wohl erhofft haben.

Was bedeutet diese Wertung? Lest es nach einem Klick.

Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

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