Ängste, Irrsinn und Geister


Es ist eine kalte Nacht. Die Häuser sind mit kleinen Lichtern geschmückt, um die Dunkelheit zu vertreiben. Kinder lieben diese Nacht. Doch einige der Erwachsene sind verbittert, können dem Feiertag nicht mehr viel abgewinnen. Und einer dieser Erwachsenen – ein reicher Mann – wird in dieser Nacht Besuch von drei Geistern erhalten.

Na, wer kennt die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens? Ob als Buch, Disney Film oder Komödie mit Bill Murray. Irgendwie ist jeder zumindest einmal mit dieser Geschichte in Berührung gekommen. Doch was hat ein Batman Comic mit der Weihnachtsgeschichte zu tun?

Bruce Wayne ist sicherlich kein Weihnachtsmuffel und er ist ganz sicher kein Geizkragen. Es gibt einen anderen Feiertag dem Mister Wayne nicht viel abgewinnen kann, ein Tag an dem er sein Haus ungeschmückt lässt. Zu viel Grauen zieht in dieser Nacht durch Gotham. Die Rede ist natürlich von Halloween.

In zwei Kurzgeschichten erzählt der Comic Nacht des Schreckens von Tim Sale und Josh Loeb, was Batman an Halloween bereits erleben musste. Die dritte und letzte Kurzgeschichte des Comics setzt sich dann im Stile der Weihnachtsgeschichte mit Bruce Waynes inneren Plagegeistern auseinander. Beginnen wir mit der ersten Geschichte:

 Ein Rendevouz an Halloween

Trauung

Wer würde da nicht Ja sagen? (© Panini/DC)

Welchen Schurken würdet ihr als Erstes erwarten, wenn es um Halloween geht? Selbstverständlich den Meister der Angst selbst. Für Scarecrow gibt es wohl keinen schöneren Tag im ganzen Jahr. Kein Wunder, dass Batman Halloween in Gotham als Hölle auf Erden bezeichnet.

Schon seit längerer Zeit legt Scarecrow immer wieder die Stromversorgung einiger Stadtteile lahm. Namenlose Handlanger nutzen die Dunkelheit, um in die Häuser einzubrechen und zu stehlen, was sie kriegen können. Dem lieben Professor Crane geht es dabei weniger um die Wertsachen, als um die Angst, die er damit verbreitet. Motiviert von seinem liebsten Feiertag schafft es Scarecrow, in einer lebensmüden Flucht dem Dunklen Ritter zu entkommen.

Doch Bruce hat neben Scarecrow noch ein ganz anderes Problem: Er scheint die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Bereit sein Cape an den Nagel zu hängen, ignoriert er eines Abends das Batsignal. Erst als Scarecrow den Dunklen Ritter durch ein eigenes Lichtsignal direkt herausfordert, besinnt sich der Held.

Wer ist die große Liebe von Bruce Wayne? Warum hilft Scarecrow Batman unfreiwillig? Schafft es der dunkle Rächer, Scarecrow doch noch zu schnappen? Das alles müsst ihr selber in Erfahrung bringen.

Teatime

Die zweite Geschichte bringt einen Schurken auf den Plan, den wir nicht unbedingt mit Halloween in Verbindung bringen. Der Titel Irrsinn gibt auch noch keinen wirklichen Aufschluss darüber, welcher Schurke uns in dieser Geschichte beehren wird. Wer am Anfang des Comics aufmerksam die Danksagung gelesen hat, dem wird der Name Lewis Caroll allerdings nicht entgangen sein: Alice im Wunderland.

Eine weitere Geschichte, die fast jeder in seiner Kindheit über irgendein Medium wahrgenommen hat. Und die Lieblingsgeschichte von Jervis Tetch alias Mad Hatter.

Im Gegensatz zu der ersten Geschichte folgen wir dieses Mal jedoch nicht Batman, sondern Barbara Gordon. Gerade erst zu ihrem Adoptivvater und Onkel Jim Gordon gezogen, haben die beiden noch einige Probleme miteinander.

Infolge eines Streits verlässt Barbara Gordon nachts die sichere Wohnung und wandelt durch die dunklen Straßen von Gotham. Es dauert nicht lange, bis der Erste auf den Gedanken kommt, das junge Mädchen anzufallen. In letzter Minute wird sie ausgerechnet von dem Mad Hatter gerettet und sieht sich einem sehr verrückten Teeabend gegenüber.

Die Geister die ich rief

Joker

Joker hat die Deko gleich mitgebracht. (© Panini/DC)

Die letzte Geschichte orientiert sich – wie schon geschrieben – an der Weihnachtsgeschichte. Diese spielt nur nicht an Weihnachten, sondern an Halloween. Die Geister, die Batman belehren, treten in Gestalt von Superschurken auf.

Dass Joker einer der drei Geister darstellt, wird wohl keinen von euch verwundern. Er ist Batmans Erzfeind und damit ein wichtiger Bestandteil seines Leben.

Warum aber ausgerechnet Poison Ivy einen weiteren Geist darstellt, weiß ich nicht. Eigentlich ist es auch nicht wichtig. Sie macht eine tolle Figur als Geist der vergangenen Weihnachten…  entschuldigt: Halloween. Wer der Geist des zukünftigen Halloweens ist? Jemand den ich nicht erwartet habe und daher hier nicht nennen werde.

So schön kann Halloween sein

Ich liebe den Zeichenstil von Tim Sale. Besonders toll finde ich das Design des Jokers und das von Scarecrow. Joker sieht durch seine magere Gestalt krank und abgekämpft aus. Er scheint, wenig Schlaf zu bekommen, und schafft es dennoch, dass sein Anzug perfekt sitzt. Das Grinsen wird durch ein ungewöhnlich großes Gebiss stark überzeichnet. Perfekter könnte der Clown nicht dargestellt werden.

Scarecrow überzeugt durch eine Mischung aus unheimlich und verspielt. Nie wird Scarecrow von Tim Sale demaskiert, weder in diesem Comic-Band noch in Das lange Halloween oder Dark Victory. Seine Kleidung ist schwarz gehalten. Anstatt eines simplen Filzhutes trägt Scarecrow einen Hexenhut. Besonders gut gefallen mir seine Hände und Augen: Die Nägel sind lang und wirken ungepflegt, die Augen rot und unmenschlich.

Tim Sales Figuren sind an vielen Stellen überzeichnet und könnten in der Realität nicht bestehen. Doch gerade das macht die Zeichnungen so unglaublich schön. Hinzu kommt ein Spiel aus dunklen Farben und einer angenehmen Schlichtheit, die durch mehr Details an Charme nur verlieren kann.

Besonders faszinierend finde ich das Cover.  Batman steht am Eingang einer Burg, um ihn herum sind die Schurken verteilt, die uns im Comic erwarten. Scarecrow und der Pinguin ziehen an Batmans Cape. Es scheint ganz so, als ob der dunkle Rächer dieses Mal derjenige ist, der vor ihnen flüchtet. Im Hinblick auf die dritte Geschichte finde ich dies sehr gelungen.

Fazit

Nacht des Schreckens ist nicht nur eine Empfehlung für einen Halloweenabend, sondern besonders für Einsteiger geeignet. Es wird nicht viel Wissen vorausgesetzt und der Comic bietet mit den drei Geschichten Einblicke in verschiedene Charaktere. Kurzum der Comic gehört eigentlich in jede Batman-Sammlung. Für doch noch unentschlossene gibt es bei Panini eine kleine Leseprobe.

Batman: Nacht des Schreckens

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5.0 von 5 Sternen (2 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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