Beispielcharaktere: Skywalker im Mittelalter


Bisher haben wir nur theoretische und abstrakte Tipps für Spieler gegeben, jetzt geht es an das Eingemachte: Konkrete Archetypen oder Charaktere als Inspiration. So seid ihr hoffentlich künftig nicht mehr lange auf der Suche, nach einem eigenen Spieltypus.

Habt ihr schon eure Tickets für den neuesten Star Wars-Streifen gekauft? Ihr könnt die Wartezeit ziemlich gut mit einigen Rollenspielen, Games, Büchern oder Comics verkürzen. Wenn ihr nun aber mal selbst einen Jediritter in einem Pen&Paper spielen wollt, aber gerade nur Gruppen habt, die in einem mittelalterlichen Fantasy-Setting spielen, dann müsst ihr noch lange nicht verzweifelt sein. Denn letztlich ist Star Wars eigentlich auch Fantasy und nicht zu sehr an das Space-Setting gebunden.

Es ist übrigens gar keine schlechte Idee, ein bestehendes Vorbild aus der Popkultur oder auch einfach einem Buch, Film oder Game zu nehmen und im eigenen Pen&Paper umzusetzen. Doch genug des langen Geschwafels, legen wir los.

Was macht Jediritter aus?

Fassen wir zunächst kurz zusammen, was die Jediritter in Star Wars ausmacht (abgesehen vom Lichtschwert): Sie haben einen strengen Codex, sind von Klein an aufgezogen worden, um diesem Codex zu folgen, kämpfen für die gute Sache (glauben sie) und verbinden virtuosen Schwertkampf mit der Macht (sprich Magie). Nichts, was man nicht auch in einem Fantasy-Setting mit mittelalterlichen Wurzeln umsetzen kann.

Photoshop sei dank hält Anakin Skywalker nun nur noch ein "normales" Schwert in der Hand.

Photoshop sei dank, hält Anakin Skywalker nun nur noch ein “normales” Schwert in der Hand.

Zunächst einmal muss unser Jediritter kämpfen können. Verwendet hier also einige Punkte auf entsprechende Attribute (vor allem auf Beweglichkeit) und sucht euch eine Waffe aus, mit der euer Jediritter zumindest solide umgehen sollte. Außerdem braucht er magische Fähigkeiten, um Leute mit der “Macht” durch die Gegend zu schubsen. Falls ihr schon hier eine Wahl treffen müsst, konzentriert euch auf telekinetische Magie, das kommt einem Schwertwurf oder einem Stoß am nähesten. Außerdem noch etwas Telepathie für die Gedankenkontrolle: “Das sind nicht die Rinder, die ihr sucht.”

Zusätzlich sollten diplomatische Fähigkeiten und allgemeines Wissen nicht vernachlässigt werden, spielt aber keine zu große Rolle am Anfang. Ebenso sollten passable Werte bei körperlichen Fähigkeiten stehen, hier vor allem Sachen wie Selbst- und Körperbeherschung.

Die Wahl der Ausrüstung ist auch nicht zu schwierig, wenn ihr euch diverse Vorlagen aus Filmen, Computerspielen und Comics genauer anschaut: Eure Waffe (in der Regel wohl ein Schwert) und relativ leichte Kleidung. Eventuell könnt ihr euch auch eine leichte Lederrüstung zulegen. Auf jeden Fall solltet ihr euch recht frei bewegen können.

Wichtig ist aber letztlich vor allem das Ausspielen eures Charakters. Wie bereits festgestellt kommt der Jediritter aus einem strengen Orden – man könnte auch Sekte sagen. Der Codex eines Jediritters ist ziemlich klar und eindeutig: Beschütze die Schwachen, bekämpfe das Böse und verschließe dich allen Gefühlen. Vor allem der letzte Punkt wird für einen jungen Jediritter, der gerade seinen Orden verlassen hat, um sich die Hörner abzustoßen, relativ schwierig. Zwar ist die Regel eindeutig und es gibt auch einen Grund dafür (Liebe führt zu Schmerz führt zu Wut führt zu Hass führt zum Missbrauch seiner Macht und Ausbildung), aber wirklich nachvollziehbar ist das alles irgendwie nicht.

Das bedeutet: Euer Jediritter wird immer wieder mit Situationen konfrontiert werden, die in seiner gefühllosen Ausbildung nicht vorkamen. In seinen Augen gibt es nur Schwarz und Weiß, Gut und Böse. Doch gerade der große Graubereich stellt euren Charakter vor eine Herausforderung. Der Mann, der Essen für seine Familie stehlen wollte und dabei einen Menschen ermordete, ist nicht unbedingt als ein grundsätzlich guter Mensch zu bezeichnen. Aber ist er böse?

Gefühle sind ein spannender Spielaspekt

Hinzu kommt das Problem der Gefühlslosigkeit, welches nicht gerade ein kleines ist. Ihr werdet sicher mit Gefühlen in Berührung kommen und wenn der Spielleiter besonders “fies” ist, werden andere auch Gefühle aus eurem Charakter herauskitzeln wollen. Spielt hier vor allem am Anfang noch den Gefühlskalten. Wie ihr es dann weiter entwickelt, ist letztlich eure Sache. Aber es gibt viele verschiedene Wege. Beispielsweise zieht ihr euch noch mehr zurück und klammert euch an euren Codex, dann ist aber Empathie für euren Charakter wirklich ein Fremdwort. Oder ihr gebt euch den Gefühlen hin und werft euren Codex über Bord. Natürlich ist zwischen diesen Extremhaltungen noch ganz viel Platz für die “Grauzone”.

Wie ihr seht, ist es nicht unbedingt besonders schwierig, einen Jediritter in ein mittelalterliches Setting zu versetzen. Sollte es übrigens in eurem System einen Orden geben, der bereits einen ähnlichen Codex hat, nutzt ihn. Falls nicht, besprecht euch mit eurem Spielleiter und hebt eine kleine Sekte aus der Taufe, schließlich haben die Spieldesigner nicht jeden Zentimeter ihrer Welt beschrieben. Da kann so eine kleine Sekte schon einmal unter den Tisch fallen.

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Felix Mohring

Jahrelanger Pen&Paper-Spieler und -Leiter. War mal in der Gamesbranche tätig. Leitet als Chefredakteur NonPlayableCharacters inhaltlich.
Hauptthemen: Games, Pen&Paper

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