Laufbahn eines Rollenspielers: Phrasendrescher


Ein Rollenspieler weiß natürlich: Die Dinge sind selten so wie sie scheinen. Dass die vermeintlich Schwachen die Starken besiegen, ist vollkommen ok, solange es auf Spielerseite passiert. Andersherum ist die Gruppe dann plötzlich schnell genervt und uneinsichtig. Wenn dann auch noch das Sprücheklopfen los geht, ist der Abend gelaufen, oder?

Die schwere Tür öffnete sich und gab den Blick auf ein herrlich ausgestattetes Zimmer frei. Der Ausstatter hatte nicht mit seltenen Hölzern aus fernen Ländern gegeizt und die Dekoration reichte von geschmacklosen (aber dennoch unbezahlbaren) geschnitzten Einhörnern, die an den Wänden grasten, bis zu einem edelsteingeschmückten Wanderstab, der an einem Hutständer lehnte und so überirdisch wertvoll aussah, dass ich es nicht gewagt hätte ihn zu benutzen. Weder den Hutständer, noch den Wanderstab, das verstand sich von selbst. Das Wolfsgrinsen über dem Schreibtisch aus massiven Holz war da sicher anderer Meinung, aber ich war viel zu wütend, um mich davon aus der Fassung bringen zu lassen.

„Wo ist sie?“, schrie ich das Grinsen mit vermeintlich fester Stimme an. Doch das, was aus meinem Mund kam, war mehr wie ein zaghaftes Wimmern. Ich durfte jetzt nicht den Mut verlieren. Vor mir saß niemand geringerer als der angehende Schmugglerkönig von Freihafen. Ein Mann dessen Name man selbst in den düstersten Gassen nur hinter vorgehaltener Hand aussprach, dessen Ruf allerdings weit über die Grenze hinaus bekannt war. Ein Mann der Menschen mit einem Fingerschnippen verschwinden lassen konnte, so als hätte es sie nie gegeben.

Der Blick des Königs wanderte für einen Augenblick zur Seite und ich wusste, dass ich mein Ziel hinter der Tür finden würde – finden musste –, die sehr schlecht von einem Bücherregal verborgen gehalten wurde.

Mit einem Tritt wollte ich den Schreibtisch umwerfen und damit für die nötige Ablenkung sorgen. Mein Fuß schnellte voran, prallte gegen das Holz und war jäh von Schmerzen erfüllt, die ich mir in meinen Träumen nicht hätte vorstellen können…(1?)

Mark: “Als du den Schreibtisch umkippen willst, stellst du fest, dass er am Boden verschraubt und äußerst massiv ist. Du verpatzt deinen Wurf auch noch und verstauchst dir den Fuß. Vermutlich hast du dir sogar einen Zeh gebrochen, aber für eine Bestandsaufnahme ist keine Zeit, denn hinter dem Schleier aus Tränen, der deine Sicht trübt, ist es dem kleinen und flinken König der Unterwelt gelungen, in Deckung zu gehen.“

„Warte, der Tisch ist doch winzig. Das ist ein Halblingstisch! Ich bin doch wohl in der Lage einen Halblingstisch umzutreten?“ Kevins Würfelpech und Verzweiflung riefen allgemeines Gelächter hervor.

„Würfel sagen nein“, meinte Mark nur dazu und sein Gesicht verkündete, dass er gerade den unnachgiebigen Spielleiter gab. Nur ein äußerster Pizzanotstand hätte ihn noch seine Meinung ändern lassen können. „Außerdem solltest du vielleicht langsam mal schauen, wohin dein Gegner verschwunden ist.“

„Es ist viel zu still hier…“

Das prunkvolle und mit winzigen Details vollgestopfte Zimmer gab mit seinen zahlreichen Möbelstücken, welche natürlich eine ihres Besitzers angemessene Größe hatten und dazu neben betont geschmacklosen Einhörnern auch eine unsinnige Anzahl an Spiegeln besaß, ein schreckliches Wimmelbild ab. Mein Fuß pochte wie wild und kleine weiße Punkte schwirrten umher.

„Wenn ich dich erwische, stopfe ich dich aus und mache dich zum Gartenzwerg“, schrie ich den nächstbesten Schrank an und schlug auf eines der Einhörner.
Jetzt schmerzte auch meine Hand und das Einhorn sah mich höhnisch an. Die Sache hatte aber etwas Gutes, denn der Weg zur Hintertür war frei. Mit zwei Schritten war ich beim Bücherregal und wollte gerade die Hand ausstrecken, als eine Stimme unter mir sagte: „Du kommst hier nicht vorbei!“
Die Klinge eines Stockdegens schwebte bedrohlich über einer Anzahl guter Gründe den Worten lieber glauben zu schenken.

„Verdammte Axt!“, entfuhr es Kevin. „Das kann doch jetzt echt nicht wahr sein. Wie ist der denn so schnell dahin gekommen und den Gandalf kannst du gleich stecken lassen. Mein Charakter lässt sich doch nicht von einem Winzling einschüchtern.“

„Auch nicht, wenn der Winzling deine Familienplanung dauerhaft durcheinanderbringen könnte?“, fragte Mark etwas zu freundlich.

„Das ist Wahnsinn!“, rief Kevin und ließ die Würfel rollen…

Im weiteren Gefecht wurde nicht nur Kevins Charakter empfindlich getroffen; im Laufe des Abends bekam auch das Niveau einen tödlichen Schlag ab und begrub sich vor Scham. Was ist euer Trick um den Abend auf Kurs zu halten? Wie geht ihr mit markigen Sprüchen aus diesem einen Film um (na ihr wisst schon, der gerade passt) oder gehört das zum Gesamterlebnis einfach dazu?

Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

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