Minecraft im Storyfieber


Es ist wieder passiert. Ja, was denn genau? Telltale hat ein weiteres Mal zugeschlagen und sich dieses Mal an einer Umsetzung für Minecraft versucht.

 

Doch halt, Minecraft, ehrlich? Wir reden hier schon von dem Spiel mit den bunten Blöcken, aus denen man so ziemlich alles bauen kann, oder? Also dieses Spiel, das eigentlich keine wirkliche Story hat, mal abgesehen von diesem Drachen…? Genau das.

Aufatmen ist angesagt. Die Frage, ob Minecraft Storymode funktionieren kann, lässt sich mit einem ganz klaren Ja beantworten. Das Studio Telltale hat ja nun schon ein paar Mal unter Beweis gestellt, was es besonders gut kann: Geschichten erzählen, und zwar völlig egal mit welchem Universum sie sich gerade befassen. Ob the Walking Dead, Zurück in die Zukunft, Game of Thrones oder Borderlands: All das wurde bereits in Telltale Games verarbeitet und umgesetzt. Übrigens mit Erfolg. 

Das Unveränderliche akzeptieren

Dabei bin ich mir bis heute nicht sicher, ob ich das, was Telltale Games macht, eigentlich als Spiel bezeichnen kann. Nennen wir es vielleicht besser interaktiver Film? Denn viel machen kann ich in den einzelnen Titeln eigentlich nicht. Trotzdem ist gerade die Handlung meistens so spannend, dass ich eine einzelne Episode im Nu durchgespielt habe und dann wieder ewig auf den nächsten Teil warten darf. Fast so, wie bei meiner Lieblings-TV-Serie.

Der Trick liegt vielleicht darin, dass bei den Umsetzungen von The Walking Dead, Game of Thrones oder jetzt eben Minecraft Storymode, eigentlich immer zum gleichen, bewährten Rezept gegriffen wird: 

ah, ein konflikt? Nein, hier ist noch alles in bester Ordnung.

Ah, ein Konflikt? Nein, hier ist noch alles in bester Ordnung.

Eine handvoll Charaktere, die zum jeweiligen Hauptcast gehören, werden urplötzlich einer neuen und gefährlichen Situation ausgesetzt. Von diesen Protagonisten können sich mindestens zwei überhaupt nicht leiden, was eher früher als später für ordentlich Konfliktpotenzial sorgt. Dabei ist es letztendlich egal, wie ich mich im Spiel selbst entscheide. Am Ende gibt es auf jeden Fall Streit. Das ist unvermeidlich und ich muss mich für eine Seite entscheiden. Überhaupt darf ich mich oft entscheiden…

Dabei wird das Gefühl vermittelt, dass ich mit dieser Auswahl, die ich im Spiel treffe, den ganzen Verlauf der Geschichte verändern kann. Das stimmt natürlich nicht. Tatsächlich kann ich kleinere Details der Erlebnisse beeinflussen, nicht aber das Wesentliche. Wenn also ein Charakter stirbt, dann stirbt er, egal was ich in den Quick-Time Events, die den spielerischen Part bestimmen, auch mache und egal wie oft ich das Spiel neu starte, um den Verlauf der Geschichte zu verändern. (Ach Ethan!)

Für einen Block voll Schleim

story mode 5

Man nehme eine Brücke, keinen Ausweg und viele Creeper. Da hilft nur Springen.

Jetzt aber zu Minecraft selbst. Ich möchte nicht zu viel verraten, denn es ist leicht zu spoilern, wenn der wesentliche Part eines Spiels die Story ist. Telltale Games hat sich liebevoll mit dem Minecraft Universum auseinandergesetzt. Die Geschichte, in der wir die Rolle eines weiblichen oder männlichen Protagonisten (je nach Wahl) übernehmen und uns als Sidekick ein total cooles Schwein (im wahrsten Sinne des Wortes) begleitet, strotzt vor Details.

Die pixeligen Figuren und die Welt sind nicht hübsch anzusehen – eben wie im Orginal. Aber wenn ihr vorher bereits eifrige Baumeister gewesen seid, dann wird euch das wohl total egal sein. Ich habe mich jedenfalls sofort wie zu Hause gefühlt als die Geschichte losging. Kleiner Einblick gefällig?

Schon in den ersten paar Minuten begegne ich Zombies und Skeletten, laufe an Häusern vorbei, die ich selbst damals, fast genau so gebaut habe, und muss nebenbei dafür sorgen, dass mein Charakter bei einem Bauwettbewerb gewinnt, bei dem nicht mit dem Einsatz von Redstone gegeizt wird. Dabei muss ich immer wieder schnell reagieren und mich auch noch darum kümmern, dass die anderen Charaktere der Geschichte keine Blessuren abbekommen oder sich zerstreiten.

Dann wären da noch Schleimblöcke, komische Hüte, Kostüme, Sprengstoff, Fallen, Hühnermaschinen, TNT-Kanonen, Feuerwerke, automatische Türen und, und, und. Manche Sachen sind auch nur kurz im Hintergrund zu sehen, während gerade ein Gespräch abläuft. Es lohnt sich also, die Augen offen zu halten.

Dabei nimmt das Spiel so schnell Fahrt auf wie eine Lore auf mehreren Booster-Schienen. Kaum werden die ersten Erfolge gefeiert, da liegt auch schon die Welt in Trümmern. Eigenbeteiligung kann dabei nicht völlig ausgeschlossen werden…

Ob das gut gehen kann? Das findet ihr am besten selbst heraus.

Fazit

Loren, was wäre ein Minecraft ohne Loren?

Loren, was wäre ein Minecraft ohne Loren?

Was soll ich sagen? Da hat jemand das Minecraft-Universum wirklich genau beobachtet und dazu eine schöne Geschichte gebastelt, die all das auf eine bewundernswerte Weise rüberbringt, was das Spiel mit den Blöcken ausmacht. Die erste Lehmhütte findet sich genau so wieder, wie der komplexe Mechanismus, für den ich Stunde um Stunde in unterschiedlichen Guides nachgelesen habe, bis er endlich lief.

Wer Minecraft nicht mochte, der wird vermutlich auch nicht viel mit dem Storymode anfangen können. Schließlich ist es die selbe pixelige Grafik und es gibt unzählige Anspielungen, die ihr dann vermutlich auch nicht versteht.

Wer aber findet, dass Blöcke die neuen Kreise sind und auch als Maßeinheit endlich anerkannt werden sollten…zugreifen! Es lohnt sich und ich kann es nur empfehlen.

Was bedeutet diese Bewertung? Lest es hier.

Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

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