Sherlock Holmes im Steampunk-Look


Steam Noir heißt das neuste Werk des deutschen Comic-Newcomerteams Felix Mertikat und Benjamin Schreuder. Ausgezeichnet mit dem Sondermann, die wichtigste deutsche Ehrung auf dem Feld der grafischen Literatur, ist Steam Noir bereits ihr zweites erfolgreiches Werk.

Eine gestohlene Leiche

Im Jahr 2010 veröffentlichten Felix Mertikat und Benjamin Schreuder die grafische Novelle Jakob. Mit dem außergewöhnlichen Thema Tod und Trauerarbeit aus Kindersicht schrieben sich die beiden sowohl in die Herzen der Leser als auch in die der Kritiker.

Als besondere Ehrung wurde den beiden Künstlern auf der Frankfurter Buchmesse der Sondermann-Preis in der Kategorie „Beste Newcomer 2010“ verliehen.

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Heinrich Lerchenwald und Richard Hirschmann gehen einer Spur nach. (© Cross Cult)

Mit Steam Noir wagen sich die beiden Nachwuchskünstler in die Welt des Steampunks und schlagen damit eine ganz neue Richtung ein.

Hauptfigur der Steampunk-Saga ist der Bizarromant Heinrich Lerchenwald. Ein Bizarromant ist ein Eindämmungsexperte von Übernatürlichem und damit sind wir schon mitten in der geschaffenen Welt (die auf dem Rollenspiel Opus Anima basiert) von Felix Mertikat und Benjamin Schreuder.

Wer sich beim ersten Lesen nicht verlieren will, sollte auf Seite 58 vorblättern und sich mit dem Universum vertraut machen. So simpel wie möglich wird hier alles Nötige beschrieben, um sich ohne Probleme in dem Comic zurechtzufinden. Zu viele Einzelheiten werden dort erläutert, als dass ich sie jetzt alle erwähnen könnte. Wichtig jedoch: die Seelen.

Diese müssen eingedämmt werden, da sie eine sogenannte Verzerrung auslösen. Durch diese entstehen Gewebeverletzung und Mutation an lebenden Organismen.

Heinrich Lerchenwald wird zusammen mit Richard Hirschmann, ein beseelter Maschinenmensch, und Frau D. zu einer Villa in der Hafenstadt Schierling gerufen. Nachdem das ungewöhnliche Team den Tatort untersucht hat, stellen sich zwei Tatsachen heraus:

1. Es befinden sich Spuren einer Seele in der Villa.
2. Es wurde die Leiche eines Mädchens mitgenommen, die vor Jahren in die Wand eingemauert wurde.

Heinrich und seine Kollegen begeben sich auf die Suche nach der Seele, die in die Villa eingedrungen ist, und versuchen den Mörder des Mädchens zu ermitteln. Ihre erste Fährte führt sie zu einem ominösen Wohltäter, der an der Erforschung mechanischer Organe arbeitet.

Diese sollen nicht nur den Menschen dienen, die einer Verzerrung ausgesetzt wurden, sondern auch Unfallopfern behilflich sein und Geburtsfehler ausgleichen. Einer seiner Patienten war das Mädchen, dessen Leiche jetzt verschwunden ist. Geboren mit einem Loch im Herzen wurde ihr ein Kupferherz eingesetzt.

Stück für Stück

Die Zeichnungen sind sehr realistisch gehalten. Lebhafte Gesichter und mechanische Feinheiten runden das ganze ab.

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Lerchenwald spricht sich gegen die Vernichtung der Seelen aus. (© Cross Cult)

Bevorzugt gelbe Farbtöne verleihen dem Ganzen durchgehend einen leicht dreckigen Touch, der Stil der Figuren erinnert an den neuen Sherlock Holmes Film mit Robert Downey jr. Heinrich Lerchwald hat optisch sogar einige Ähnlichkeiten mit dem Schauspieler.

Für eine Krimigeschichte üblich finden viele Dialoge und Monologe statt, damit der Leser den Ermittlungen und den verschiedenen Theorien ohne Probleme folgen kann. Bei gerade mal 64 Seiten wirken deshalb leider einzelne Passagen etwas überladen. Da kommt man nicht darum herum einige Stellen eventuell noch mal zu lesen, um den Faden nicht zu verlieren.

Passend zu einem Krimi lässt der erste Band am Ende viele Fragen offen. Die Geschichte nimmt sich viel Zeit, um sich nach und nach zu entfalten. Es ist angenehm, dass nicht gehetzt wird und auf jeder Seite ein neues Puzzlestück zu finden ist. Das gesamte Bild ergibt sich dann erst viel später – hoffentlich im letzten und vierten Band.

Fazit

Die Steampunk-Saga bietet auf jeden Fall ein paar unterhaltsame Stunden. Das Genre ist jedoch sehr speziell und ihr müsst bereit sein, euch in die Welt einzulesen, damit Das Kupferherz sein volles Potenzial entfalten kann. Wer bereit ist sich voll und ganz auf den Comic einzulassen und nicht nur während einer Bahnfahrt eine halbe Stunde vertreiben will, dem kann ich das Werk empfehlen.

Was bedeutet diese Wertung? Lest es hier.

Wer vorab einen Blick in die Welt wagen möchte, kann sich entweder auf der Seite steamnoir.com umsehen oder in dem dazugehörigen Wiki.

Steam Noir: Das Kupferherz 1

Price: EUR 16,80

4.4 von 5 Sternen (19 customer reviews)

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Jasmin Dahler

Jasmin Dahler

Lebt in der Welt der Superhelden. Gut eigentlich in der Welt der Superschurken. Egal ob Comics, Games oder Filme, alles wird leidenschaftlich konsumiert.
Hauptthemen: Comics, Hörspiele, Games

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