Space Cowboys und Piratenschiffe


Irgendwo in einer Bar im Garibaldi Sektor, ein abgelegenes Plätzchen an der Stelle, die man auch den äußersten Rand nennt, sitzt ein alter Mann vor seinem Whiskey und redet über die alten Zeiten. „Früher, früher war der Weltraum nicht bunt. Da war alles schwarz und man konnte froh sein, froh sein, das sage ich euch, wenn man ab und zu ein paar Sterne sah.“

„Ja, ja Gordon. Schon gut. Ich schenk dir noch Einen ein, damit du wenigstens mal für ein paar Minuten die Luft anhältst. Kann mir irgendjemand sagen wer das fregattengroße Loch in den Hangar geflogen hat? Es ist doch nun wirklich nicht so schwer, sein Schiff ordentlich einzuparken und wer fliegt eigentlich diese schäbige Hammerhead? Wer auch immer das ist, der Typ muss so irre sein, der bekommt einen Doppelten frei aufs Haus.“

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In den Stationen erwarten mich seltsame Gestalten.

Die Gäste versinken in angeregte Gespräche und aus mehreren Fenstern heraus kann man einen Blick auf das All werfen. Während aus einem Lautsprecher der Sound einer Westerngitarre klingt beschießen sich draußen die Milizen und eine Piratenbande. Ein gewohnter Anblick in dieser Gegend und kaum einer zuckt mit der Wimper. Riesige Schiffe umfliegen sich, während sie eine Breitseite nach der anderen auf ihre Gegner schießen und manch Irrläufer von den Schilden der Station abgefangen wird. Immer wenn das passiert, flackert das Licht für einen Augenblick.

„Das erinnert mich irgendwie an damals, als ich als Freelancer in der Nähe der Homeworld unterwegs war. Da haben wir auch solche Schlachten geschlagen. Klar, wir mussten nebenbei Rohstoffe sammeln und Flotten bauen, aber für diesen Kram interessiert sich die Jugend von heute ja nicht mehr“, fängt der Alte wieder an, als er das leere Glas vor sich auf den Tisch stellt.

„Heute ist alles anders. Die Jugend hört nur noch diese Western-Mucke, schließt sich in ihren Schiffen ein und hat sogar vergessen was eine vertikale Flugrichtung ist. Die können es nur noch im Kreis. Das kann doch nicht gut sein. Dann werden sie entweder Piraten, Händler oder Söldner und anstatt sich von ihrem Geld etwas Vernünftiges zu kaufen, wie zum Beispiel eine Sternenbasis, muss es immer gleich das nächste größere Schiff sein, am besten mit noch mehr Kanonen und Geschützen, um die ganzen Jäger abzuschießen, die heute ja so beliebt sind. Aber ich sage euch was: Der nächste Jungspund, der hier rein kommt, dem biete ich mich als Söldner an. Ich habe nämlich Erfahrung. Das kennt heute ja gar keiner mehr.“

Das All hat viel zu bieten

Double Damage bringt mit Rebel Galaxy einen Titel heraus, der durchaus einen vielversprechenden Eindruck macht. Beim Anspielen fühlte ich mich vor allem an Homeland und Freelancer erinnert, sowie an beide Teile von Star Wolves. Rebel Galaxy geht allerdings eigene Wege, was man in dem Fall besonders deutlich an der Steuerung merkt. Diese ist nämlich für den Controller optimiert und ihr habt über das ganze Spiel hinweg Kontrolle über genau ein Schiff, steuert also keine Flotten durchs All.

Gegner sind zahlreich und lauern an jeder Ecke, die einzelnen Sektoren sind groß und voller Nebel, Stationen, versteckter Geheimnisse und anderer Kleinigkeiten, was beim Erkunden einen gewissen Reiz bietet. Das eigene Schiff lässt sich auf einige Arten modifizieren oder gleich gegen das nächstbessere austauschen, wenn das Geld reicht. Dies können wir wie üblich durch Handel, Piraterie oder Aufträge verdienen. Außerdem gibt es einen Story Arc im Hintergrund, dem ihr folgen könnt, wenn ihr wollt, und der im Verlauf ein paar interessante Wendungen nimmt.

ich würd ja gerne oben drüber fliegen

Ich würd ja gerne oben drüber fliegen.

Das ist jetzt soweit nichts Neues. In den zahlreichen Gefechten, auf die ihr während Missionen oder per Zufall bei einem Warpsprung durch den Sektor stoßt, fällt allerdings auf, dass die vertikale Ebene in Rebel Galaxy nicht vorhanden ist, zumindest für euch. Das Schiff lässt sich weder nach oben noch nach unten steuern, was ich definitiv als Manko betrachte. Nur Raumjäger haben diese Begrenzung nicht, können aber nicht vom Spieler gesteuert werden und befinden sich meistens in den gegnerischen Gruppen, da wir selbst nur einen Söldner anheuern können, der uns in seinem Kampfjäger unterstützt. Dabei ist ein begleitender Raumer tatsächlich eine große Hilfe, die ihr nicht unterschätzen solltet.

Wenn es explodieren kann, dann ist es schön

Die Kämpfe selbst erinnern perspektivisch sehr stark an Homeworld, nur dass ihr dieses Mal die direkte Kontrolle über ein Schiff habt statt eine Flotte zu befehligen. Nur durch geschicktes Manövrieren lassen sich die Gegner besiegen, da ihr darauf achten müsst, dass eure Schilde nicht zu viel Schaden einstecken und gleichzeitig die Kanonen eures eigenen Schiffes in Richtung der feindlichen Schiffe richten solltet. Diese schießen nämlich nur zu den Seiten, sodass ihr euch wie auf einem Schiff auf hoher See fühlt.


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Mit einem Tastendruck könnt ihr Angreifer fixieren und sie genauer anvisieren, um den verursachten Schaden zu verbessern. Aber wehe wenn die Umgebung zu lange außer Acht gelassen wird. Schnell sind die Schilde auf der Rückseite des Schiffes nur noch eine zaghafte Erinnerung, weil ihr  euch zur sehr auf das konzentriert habt, was sich direkt vor euch abgespielt habt. Weitere Geschütztürme schießen ganz automatisch auf die kleineren Angriffsjäger, lassen sich aber auch jederzeit manuell steuern. Allerdings macht die KI das ganz gut und lässt sich sogar noch modifizieren, sodass sie genau das tut, was ihr von ihr wollt.

Die Steuerung ist sehr gut an den Controller angepasst, aber auch mit Tastatur und Maus lässt sich Rebel Galaxy problemlos spielen. Definitiv ein Pluspunkt.

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Da gibt es schon einiges zu entdecken. Ach, die ganzen Dinge in die ich zufällig rein geflogen bin…

Nebenher läuft ein sehr schöner Soundtrack, bei der ihr euch direkt in den wilden Westen versetzt fühlt, sozusagen als Space Cowboy. Das weckt Erinnerungen an Firefly und hat daher einen gewissen Charme. Leider habt ihr nach einer Weile alle Tracks gehört und da diese zum Teil mit Gesang sind dann vielleicht auch schon über.

In den Storymissionen trefft ihr zahlreiche seltsame Aliens mit großer Ähnlichkeit zu den Wesen aus Oddworld, deren Vertonung mit den Kreaturen aus Star Wars vergleichbar ist, sowie Menschen, die glücklicherweise ganz normal sprechen. Dabei ist die Qualität des Voiceovers nicht atemberaubend aber ordentlich.

Fazit

Rebel Galaxy ist auf jeden Fall ein Titel, den ich weiter empfehlen kann. Die Mischung aus Handel, Kampf und Erkunden geht auf, ist aber nicht weltbwegend. Vor allem die zahlreichen Gefechte sehen schön aus und die einzelnen Schiffe machen auch was her. Wer einen Abstecher ins wilde Weltall machen will und das auch einfach mal zwischendurch, der ist hier gut bedient. Wirklich langfristige Motivation sehe ich hier allerdings nicht. Der Titel setzt auf schnelle Action und erfüllt diesen Anspruch.

Wer aber ein tiefgreifenderes, wenn auch zeitraubenderes, Weltraum-Erlebnis haben will, der ist mit x1-3, Elite Dangerous oder (wer weiß das schon, eines Tages vielleicht) Star Citizen besser aufgehoben.

Was bedeutet diese Wertung? Lest es hier.

Nachtrag

Als einzelnes Element gefällt mir das Steuern der Raumschiffe so gut, dass ich sehr hoffe, dass sich in Zukunft mal wieder ein Entwickler am BattleZone-Konzept versucht. Kann sich noch jemand erinnern? BattleZone war dieser Mix aus Echtzeitstrategie und Egoshooter, der trotz guter Kritiken leider im Verkauf floppte. Ein Spieler konnte auf der Strategiekarte Basen und Fahrzeuge bauen, während diese sowohl von der K.I als auch von anderen Spielern direkt (in der Egoperspektive auf dem Schlachtfeld) gesteuert werden konnten. Mit der Kampfsteuerung von Rebel Galaxy und den Strategieelementen aus Homeworld ließe sich bestimmt ein sehr interessantes Spiel basteln 😉

Lukas Kebel

Lukas Kebel

Hat sich schon in früher Kindheit mit Rollenspiel infiziert und gilt als Überträger der Stufe 12. Sammelt nun EP in der Prestigeklasse Artikelknecht.
Hauptthemen: Pen&Paper, Games

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